Selenskyj plant Trump-Treffen für Luftabwehr-Paket
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Selenskyj plant Trump-Treffen für Luftabwehr-Paket

Selenskyj sicherte sich in Calgary ein kanadisches Luftabwehrpaket über 350 Millionen Kanadische Dollar und kündigt Ende September ein Treffen mit Trump bei der UN-Vollversammlung an. Das Ziel: ein US-Patriot-Paket, bevor die Vorräte aufgebraucht sind.

Quellen (11)
  1. t-online: Selenskyj plant Trump-Treffen in New Yorkt-online.de
  2. ORF: Selenskyj will Trump Ende September in New York treffenorf.at
  3. SN.at: Selenskyj will Trump Ende September in New York treffensn.at
  4. Globalsecurity: Canada provides Ukraine with air defense package (Calgary)globalsecurity.org
  5. Newscord: Canada C$350 Million Air Defense Packagenewscord.org
  6. Archynewsy: Zelenskyy seeks Trump meeting for US air defensearchynewsy.com
  7. Nukta: Russia at G20 energy meeting Houston despite European pushbacknukta.com
  8. Kyiv Post: Russian official heads to Houston G20 talkskyivpost.com
  9. Moscow Times: Russian official to attend G20 energy meeting Houstonthemoscowtimes.com
  10. Audimax: Selenskyj plant Trump-Treffen Ende Septemberaudimax.de
  11. Times Live: Canada agrees air defence package for Ukrainetimeslive.co.za
15. September 2026, 8:04 Uhr812 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Die ukrainischen Patriot-Abfangraketen werden knapp. Russland intensiviert seine ballistischen Raketenangriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur, während die US-produzierten Patriot-Interceptoren, eines der wenigen Systeme, die ballistische Raketen zuverlässig abfangen können, an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Wolodymyr Selenskyj hat deshalb in dieser Woche eine komprimierte Allianzoffensive gestartet: Am 10. September sicherte er sich in Calgary von Kanadas Premierminister Mark Carney ein neues Luftabwehrpaket, danach kündigte er an, Ende September bei der UN-Vollversammlung in New York auch US-Präsident Donald Trump zu treffen.

Kanadas Zusage: Interceptoren, Drohnen, Energie

Das Ergebnis des Calgary-Treffens hat mehrere Komponenten. Die unmittelbar militärisch relevante: Kanada stellt 350 Millionen Kanadische Dollar (rund 218 Millionen Euro) für Luftabwehr-Interceptoren bereit. Carney beschrieb das Paket als Mittel zum Schutz der ukrainischen Bevölkerung, Infrastruktur und des Luftraums.

Hinzu kommt ein Drohnenproduktionsabkommen: Kanada will in den kommenden zwei Jahren Millionen von Drohneneinheiten produzieren, ein Drittel davon für die Ukraine. Außerdem sicherte Ottawa über die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung Kreditgarantien für ukrainische Gaslieferungen und Kraftstoffreserven vor der Heizsaison 2026 bis 2027 zu. Kanadas Gesamthilfe für die Ukraine seit Kriegsbeginn 2022 übersteigt damit 25,5 Milliarden Kanadische Dollar, darunter 8,5 Milliarden an Militärhilfe.

Selenskyj reiste aus Calgary direkt mit einer Botschaft: Das war erst der Anfang der Woche.

Das New Yorker Hauptziel

Bei einer Pressekonferenz in Calgary kündigte Selenskyj an, er rechne Ende September damit, das amerikanische Team in New York zu treffen. Der Kontext ist klar: Ende September findet in New York die Generaldebatte der UN-Vollversammlung statt. Selenskyj will auf der Seitenline der UNGA Trump direkt ansprechen. Das Ziel: ein umfassendes US-Luftabwehrpaket, konkret neue Patriot-Interceptoren aus amerikanischer Produktion.

Patriot-Raketen werden in den USA hergestellt. Nur Washington kann entscheiden, in welchem Umfang und wie schnell die Ukraine neue Lieferungen erhält. Die Europäer, darunter Deutschland, stellen Patriot-Systeme bereit, aber die Munition kommt aus den USA. Selenskyj betonte, die Ukraine sei auf US-produzierte Patriot-Raketen angewiesen, um sich gegen massive russische Luftangriffe zu schützen.

Ein trilaterales Friedensgespräch mit Russland schloss Selenskyj für den UNGA-Zeitraum aus. Die russischen Parlamentswahlen am 20. September machten solche Gespräche vor Ende September nicht realistisch, erklärte er. Das signalisiert: Selenskyj sieht New York als militärpolitische Konsolidierungsrunde, nicht als Friedensinitiative.

Russland am G20-Tisch in Houston

Während Selenskyj westliche Hauptstädte bereiste, hielt die amerikanische G20-Präsidentschaft in Houston ihr Ministertreffen für Energie ab. Am 14. September begannen die dreitägigen Beratungen, an denen neben US-Innenminister Doug Burgum und Energieminister Chris Wright auch eine russische Delegation aus dem Energieministerium, dem Außenministerium und dem Ressourcenministerium teilnahm.

Für europäische Partner ist das ein zunehmendes Reizthema. Ende August hatte Russlands Finanzminister Anton Siluanov das G20-Treffen der Finanzminister in Asheville, North Carolina, besucht, das war seine erste persönliche Teilnahme an einem G20-Ministertreffen seit der Invasion 2022. Die Reaktion der Europäer war scharf: Der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil bezeichnete das Signal als „ziemlich beunruhigend". Europäische Minister und Notenbankchefs weigerten sich, neben Siluanov auf dem traditionellen G20-Familienfoto zu erscheinen.

Die Struktur ist inzwischen erkennbar: Die Trump-Administration nutzt G20-Ministerformate systematisch, um Russland schrittweise in diplomatische Normalität zurückzuführen, ohne einen formalen Friedensrahmen zu schaffen. Europa sieht das als Untergrabung der Sanktionslogik. Washington sieht es als Voraussetzung für jedwede Verhandlungslösung.

Was die Bilder der Woche zeigen

Selenskyjs Woche illustriert die Zwickmühle ukrainischer Diplomatie präzise. In Calgary sicherte er sich westliche Unterstützung, die militärisch unmittelbar relevant ist. In New York will er Trump überzeugen, der gleichzeitig russische Delegationen in US-amerikanischen Konferenzsälen willkommen heißt. Selenskyj muss also einen US-Präsidenten überzeugen, der in Houston G20-Gastfreundschaft für Moskau anbietet, während er in New York ukrainische Luftabwehr zusagen soll.

Für die Bundesregierung ergibt sich daraus eine spezifische Schwierigkeit. Deutschland hat Patriot-Systeme geliefert, aber die Interceptoren kommen aus den USA. Wenn die US-Lieferungen stocken oder konditioniert werden, gerät auch die deutsche Luftabwehrzusage an Ukraine in Reichweitenschwierigkeiten. Das UNGA-Treffen zwischen Selenskyj und Trump wird deshalb nicht nur in Kyjiw, sondern auch in Berlin und Paris aufmerksam verfolgt werden.

Wie viel Siluanov in Asheville und die russische Energiedelegation in Houston signalisieren, hängt davon ab, was danach passiert. Wenn aus Ministerbesuchen Verhandlungsformate werden, hat sich die Sanktionslogik strukturell verschoben. Wenn sie Einzel-Episoden bleiben, ist der Schaden überschaubar. Diese Frage wird die europäische Ukraine-Diskussion im Herbst 2026 prägen, unabhängig davon, was in New York vereinbart wird.

Ende September als nächste Wegmarke

Konkret: Ende September findet die UNGA-Generaldebatte in New York statt. Selenskyj plant dort ein Treffen mit Trump, das Thema ist das US-Luftabwehrpaket. Am 20. September wählt Russland sein Parlament, ein Termin, der nach Selenskyjs Einschätzung trilaterale Gespräche bis dahin faktisch ausschließt. Das Zeitfenster ist eng: Innerhalb von zwei Wochen soll in New York ein militärisches Bekenntnis stehen, das die ukrainische Luftverteidigung durch den Winter trägt. Ob Trump das liefert, entscheidet wesentlich darüber, wie stark Russlands Luftangriffe im kommenden Herbst die ukrainische Infrastruktur treffen werden.

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