Drei Jahre Krieg, eine Konferenz: Berlin ringt um Hilfe für Sudans vergessene Katastrophe
Am 15. April 2023 begann in Khartum der Bürgerkrieg zwischen der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces. Auf den Tag genau drei Jahre später treffen sich in Berlin Vertreter aus mehr als 50 Staaten und Organisationen, um über Hilfe für die schlimmste humanitäre Katastrophe der Gegenwart zu beraten. Fast 34 Millionen Menschen benötigen Nothilfe, der internationale Hilfsplan für 2026 umfasst 4,2 Milliarden Dollar, von denen bislang 16 Prozent finanziert sind.
Drei Jahre, 34 Millionen Bedürftige
Der Konflikt hat Sudan innerhalb von drei Jahren verwüstet. Auf der einen Seite kämpft die sudanesische Armee unter General Abdel Fattah al-Burhan, auf der anderen die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) unter General Mohamed Hamdan Dagalo, genannt Hemedti. Die Vereinten Nationen beschuldigen beide Seiten schwerer Kriegsverbrechen: Massenmorde, Vergewaltigungen als Kriegswaffe, Folter und systematische Plünderungen.
Die RSF steht unter dem besonderen Verdacht des Völkermords. Bei der Einnahme von El Fasher, der letzten bedeutenden Stadt in der Krisenregion Darfur, im Oktober 2025 sollen Zehntausende Menschen getötet worden sein. Eine UN-Untersuchungskommission stellte fest, dass die Angriffe "Merkmale eines Völkermords" aufwiesen.
Fast zwei Drittel der sudanesischen Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. 11,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht, mehr als 19 Millionen leiden an akutem Hunger. Der UN-Hilfsplan für 2026 umfasst 4,2 Milliarden Dollar. Bislang sind davon 16 Prozent finanziert.
Was Berlin erreichen soll
Die dritte internationale Sudankonferenz wird von Deutschland gemeinsam mit dem Vereinigten Königreich, Frankreich und den USA ausgerichtet, ergänzt durch die Europäische Union und die Afrikanische Union. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im Vorfeld von der "größten humanitären Krise der Gegenwart" gesprochen und angekündigt, Deutschlands Unterstützung für Bemühungen um einen Waffenstillstand zu verstärken.
Die Konferenz hat drei Elemente: ein Außenministertreffen, eine Geberkonferenz mit Finanzierungszusagen und eine Zusammenkunft zivilgesellschaftlicher Akteure, die einen Friedensfahrplan ausarbeiten sollen. Die Konfliktparteien selbst nehmen nicht teil.
Amnesty International, die Welthungerhilfe und Human Rights Watch fordern über Finanzierungszusagen hinaus konkrete Schritte. Human Rights Watch mahnte, Regierungen müssten nicht nur Geld zusagen, sondern auch rechtliche Konsequenzen für dokumentierte Kriegsverbrechen einleiten. Die Welthungerhilfe verlangt klare Zeitpläne für die Umsetzung. Amnesty International betonte, dass der Zugang für Hilfsorganisationen in Konfliktgebieten nach wie vor systematisch blockiert werde.
Der vergessene Krieg
Der Sudankrieg wird international oft als "vergessener Krieg" bezeichnet. In den drei Kriegsjahren dominierte zuerst der Ukrainekrieg die europäische Aufmerksamkeit, dann der Nahostkonflikt, nun der Irankrieg. Bundeskanzler Merz brachte den Zusammenhang direkt zur Sprache: Der Irankrieg treffe Afrika noch härter als Europa, da er die Nahrungsmittelpreise weltweit in die Höhe treibe.
Der Zugang für Hilfsorganisationen wird von beiden Kriegsparteien systematisch behindert. Nach Angaben von Islamic Relief sind 42 Prozent der Gemeinschaftsküchen im Sudan geschlossen. UN-Berichte dokumentieren beschossene Hilfskonvois und getötete Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen. Selbst wenn Geld zugesagt wird, erreicht die Hilfe häufig nicht die Menschen, die sie am dringendsten benötigen.
Was nach Berlin kommt
Die eigentliche Messlatte für den Berliner Gipfel ist nicht die Konferenz selbst, sondern was danach passiert. Hilfsorganisationen haben ausdrücklich davor gewarnt, eine weitere Konferenz zu veranstalten, bei der Versprechen gegeben und nicht eingehalten werden. Die Lücke zwischen Zusagen und tatsächlichen Auszahlungen klafft bei Sudanhilfe seit Jahren.
In den kommenden Wochen soll die Umsetzung konkreter Finanzierungszusagen koordiniert werden. Die entscheidende Frage bleibt, ob die Konfliktparteien zu einem Waffenstillstand bewegt werden können. Weder die sudanesische Armee noch die RSF haben bislang Gesprächsbereitschaft signalisiert. Ohne Waffenstillstand bleiben humanitäre Zugangswege gefährdet, selbst wenn die Konferenz ihre Finanzierungsziele erreicht.