Tour de France 2026: Pogačar führt, Vingegaard 2:42 zurück
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Tour de France 2026: Pogačar führt, Vingegaard 2:42 zurück

Nach der ersten Bergankunft in den Pyrenäen führt Tadej Pogačar die Tour de France 2026 mit 2:42 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard. Der Angriff am Col du Tourmalet in Etappe 6 machte klar, wer den Ton angibt.

10. Juli 2026, 8:45 Uhr 930 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Jonas Vingegaard gewann den Giro d'Italia 2026 mit 5:22 Minuten Vorsprung auf seinen Verfolger. Als überzeugendster Beweis, dass der Däne in diesem Jahr Tadej Pogačar schlagen könnte, galt diese Leistung. Doch nach sechs Etappen der 113. Tour de France trägt der Slowene das Gelbe Trikot und führt mit 2:42 Minuten vor Vingegaard. Die erste Prüfung der Pyrenäen hat eine vorläufige Antwort auf die Frage des Sommers gegeben: Wer kann Pogačar stoppen?

Der Tourmalet entschied die erste Woche

Die Tour startete am 4. Juli in Barcelona mit einem Mannschaftszeitfahren. Vingegaards Team Visma-Lease a Bike gewann den ersten Test und der Däne übernahm das Gelbe Trikot. Pogačar antwortete in Etappe 3 mit einem Einzelsieg und übernahm die Führung. Die flachen Etappen 4 und 5 gehörten anderen: Mads Pedersen gewann Etappe 4 aus einer Ausreißergruppe heraus, in der Torstein Træen genug Zeit auf die Favoriten gutmachte, um das Gelbe Trikot zu übernehmen. Der Norweger vom Team Uno-X Mobility behielt es bis zur sechsten Etappe.

Etappe 6 führte am 9. Juli nach Gavarnie-Gédre mit dem Col du Tourmalet als zentraler Prüfung. Der Tourmalet ist einer der berühmtesten Anstiege der Radsportgeschichte: rund 17 Kilometer auf 2.115 Meter Höhe, durchschnittlich 7,4 Prozent Steigung. Isaac Del Toro, Pogačars UAE-Teamkollege aus Mexiko, beschleunigte fünf Kilometer vor dem Gipfel und trug den Slowenen aus der Gruppe heraus. Pogačar löste sich dann allein und gewann die Etappe mit Abstand. Es war sein 23. Karriereetappensieg bei der Tour de France. Vingegaard konnte nicht folgen und verlor auf der Zielankunft in Gavarnie-Gédre entscheidend Zeit.

Was die 2:42 Minuten bedeuten

Die Gesamtwertung nach sechs von 21 Etappen: Pogačar in Gelb, Vingegaard auf Rang 2 mit 2:42 Minuten Rückstand. Rang 3 hält Isaac Del Toro mit 3:27 Minuten Rückstand, ein ungewöhnliches Bild, denn UAE Team Emirates kontrolliert damit die Positionen 1 und 3. Remco Evenepoel folgt auf Rang 4 (+3:30), Florian Lipowitz liegt auf Rang 7 (+4:00). Eurosport kommentiert: Pogačar sei in diesen sechs Etappen konkurrenzlos gewesen, Vingegaard klare Nummer zwei.

Ein Rückstand von 2:42 nach der ersten Bergankunft ist nicht automatisch das Todesurteil. Die Tour hat noch 15 Etappen vor sich, darunter mehrere Bergankünfte in den Alpen und zwei Einzelzeitfahren. Vingegaard gewann die Tour 2022 und 2023, beide Male gegen Pogačar. Er kennt das Rennen und dessen Mechanismus. Das Paradox ist dennoch auffällig: Vingegaard dominierte den Giro 2026 mit einer Souveränität, die ihn zum überzeugendsten Grand-Tour-Fahrer der Saison aussehen ließ. Am Tourmalet wirkte er wie ein Fahrer, der kämpft, während Pogačar spielte.

Pogačar strebt seinen fünften Tour-Titel an. Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain haben je fünf Tour-Siege errungen. Lance Armstrongs sieben Titel wurden 2012, nach dem USADA-Urteil, aus der Statistik gestrichen. Mit einem fünften Sieg träte Pogačar in die Gesellschaft dieser vier ein.

Evenepoel, Lipowitz und das Hierarchieproblem bei Red Bull

Remco Evenepoel und Florian Lipowitz starten beide für Red Bull-Bora-Hansgrohe. Die Rollenverteilung war laut ZDF klar definiert: Evenepoel ist der Frontmann, Lipowitz der Wingmann. In der Praxis verlief Etappe 6 im Pyrenäen-Massiv weniger reibungslos: Eurosport berichtete, Evenepoel habe Lipowitz nach der Etappe kritisiert. Evenepoel sagte: "Ich war wütend und mit Recht." Details wurden nicht kommuniziert, aber das Signal ist eindeutig: Interne Absprachen wurden verletzt.

Lipowitz selbst kommentierte Pogačars Auftritt am Tourmalet nüchtern bei der Sportschau: "Bei der Performance kann man nicht viel machen." Mit 4:00 Minuten Rückstand auf Rang 7 ist er aus der unmittelbaren Podiumsdiskussion vorerst herausgefallen. 2025 hatte er die Tour auf Rang 3 beendet und war damit der erste Deutsche auf dem Pariser Podium seit Andreas Klöden 2006. Ob er diesen Rang 2026 verteidigen kann, hängt davon ab, wie er sich in den Alpen gegen Evenepoel und die übrigen Kandidaten verhält.

Vingegaard versucht, im laufenden Rennen etwas zu vollbringen, das seit Marco Pantani 1998 keinem Fahrer gelungen ist: den Giro und die Tour in der gleichen Saison zu gewinnen. Pantani gewann 1998 beide Grands Tours. Seitdem scheiterten sämtliche Versuche, die körperliche Belastung beider Dreiwochenrennen innerhalb weniger Wochen auf dem höchsten Niveau zu meistern. Vingegaard selbst gab nach der Tourmalet-Etappe an: "Ich hoffe, meine Beine werden besser. Es ist noch nicht vorbei."

Wann Vingegaard die Aufholjagd starten muss

Die verbleibenden Etappen verlaufen durch das Zentralmassiv und anschließend in die Alpen, wo die entscheidenden Bergankünfte der Tour liegen. Vingegaard braucht Etappen, in denen er Pogačar isolieren und Zeit gutmachen kann. Beim aktuellen Rückstand von 2:42 Minuten müsste er auf mindestens einem der kommenden Bergankünfte eine ähnlich entscheidende Lücke reißen, wie Pogačar sie am Tourmalet erzeugte. Die Frage ist, ob der Körper mitmacht: Wer den Giro mit voller Intensität gefahren ist, trägt das in die zweite und dritte Woche der Tour.

Für die Entscheidung im Rennen um den fünften Pogačar-Titel oder das erste Giro-Tour-Double seit 28 Jahren wird die zweite Alpenwoche ausschlaggebend sein. Bis dahin fährt der Slowene im Gelben Trikot und diktiert das Tempo.

Update 11. Juli, 03:00 Uhr: Die auf Etappe 6 folgenden Übergangs- und Sprintetappen haben die Gesamtwertung nicht verändert: Etappe 7 gewann Sprinter Tim Merlier (Soudal-Quickstep) in Bordeaux, Pogačar behielt das Gelbe Trikot mit 2:42 Minuten Vorsprung auf Vingegaard. Das Alpenfinale nimmt konkretere Form an: Etappe 19 am 24. Juli führt von Gap die klassischen 21 Kehren der Alpe d'Huez hinauf (128 km Etappenlänge), Etappe 20 am 25. Juli nochmals dorthin, diesmal via Croix de Fer, Galibier und Col de Sarenne mit 5.600 Höhenmetern in der Gesamtbilanz. Es ist die Königsetappe des Rennens und wird voraussichtlich die Entscheidung im Titelkampf bringen. Erstmals seit 1979 fährt die Tour zweimal in Folge auf die Alpe d'Huez.

Quellen (19)

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