Trumps Allzeittief: Infantino für die UNO
Im Economist/YouGov-Poll vom 3. bis 6. Juli bewerteten 61 Prozent der befragten US-Bürger Donald Trumps Arbeit negativ, 35 Prozent positiv: Netto-Rating minus 26. Das entspricht dem schlechtesten Wert, den YouGov je für Trump oder Joe Biden gemessen hat. Vier Monate vor den Midterms nominierte die Trump-Regierung gleichzeitig den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino für das Amt des UN-Generalsekretärs.
Von 47 auf 35 Prozent: Die Kurve der zweiten Amtszeit
Donald Trump begann seine zweite Amtszeit im Januar 2025 mit 47 Prozent Zustimmung, dem höchsten Ausgangswert seit dem ersten Tag seiner Präsidentschaft. Der Rückgang verlief ungleichmäßig, aber stetig: Im März 2026 lag er bei 41 Prozent, im Mai 2026 fiel er auf 38,1 Prozent. Dieser Einbruch fiel zeitlich mit der Einführung weitreichender Importzölle zusammen, die Konsumgüterpreise in den USA trieben. Der Forbes-Approval-Tracker zeigt, dass Trumps Wirtschaftszustimmung in der ersten Julihälfte 2026 einen neuen Tiefpunkt erreichte.
Die Mittelwerte verschiedener Umfrageinstitute kommen auf unterschiedliche Zahlen: FiveThirtyEight weist ein Netto-Rating von minus 17,4 aus, während Economist/YouGov und Newsweek Werte zwischen minus 23 und minus 26 messen. Das Muster ist jedoch einheitlich. Besonders aufschlussreich ist ein Befund aus dem eigenen Lager: Das Umfrageinstitut FabrizioWard, dessen Gründer Tony Fabrizio seit Jahren als Trumps wichtigster Meinungsforscher gilt, ermittelte auf dem Generic Congressional Ballot eine Führung der Demokraten von sieben Punkten.
Infantino, Saudi-Arabien, Maskat
In der Woche, in der neue Umfrage-Tiefpunkte eintrafen, machte die Trump-Regierung drei unkonventionelle außenpolitische Züge. Erstens meldete die New York Post am 21. Juli, Trump wolle FIFA-Präsident Gianni Infantino als nächsten UN-Generalsekretär unterstützen. Infantino, 56, führt den Weltfußballverband seit 2016 und arbeitete während der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko eng mit Trump zusammen. António Guterres scheidet Ende 2026 aus dem Amt. Für eine Ernennung bräuchte Infantino eine Empfehlung des UN-Sicherheitsrats sowie eine Bestätigung durch die Generalversammlung. Ob Infantino das Amt anstrebt, ist bislang nicht bekannt.
Zweitens genehmigte Trump am 22. Juli ein ziviles Atomabkommen mit Saudi-Arabien, das dem Königreich Urananreicherung auf eigenem Boden erlaubt, ohne das Vollprotokoll der IAEA. Drittens beginnen in drei Tagen in Maskat Gespräche zwischen den USA und Iran über den Krieg am Persischen Golf, obwohl Außenminister Marco Rubio öffentlich an Teherans Ernsthaftigkeit zweifelt.
Das Muster dieser drei Züge ist erkennbar. Infantino als UN-Chef ist eine Meldung, die Sport-, Politik- und Unterhaltungsmedien gleichzeitig füllt. Der Saudi-Deal signalisiert außenpolitische Gestaltungsmacht. Die Maskat-Gespräche deuten auf Friedensbereitschaft hin. Alle drei generieren Schlagzeilen, die nicht vom Umfragetief berichten. Ob das Kalkül aufgeht, ist eine andere Frage: Trumps erste Amtszeit zeigte, dass außenpolitische Aufmerksamkeit Zustimmungsratings nur kurzfristig bewegt, solange die wirtschaftliche Lage an der Basis belastet.
Was Zustimmungstiefs historisch für Midterms bedeuten
Die Brookings Institution analysierte die historische Korrelation zwischen Präsidentenzustimmung und Midterm-Ergebnis. Präsidenten, die im Midterm-Jahr unter 40 Prozent Zustimmung lagen, verloren im Schnitt 34 Mandate im Repräsentantenhaus. Trump liegt auf diesem Niveau.
Der Motivationsvorsprung der Demokraten verstärkt das Problem. In einer CNN/SSRS-Erhebung erklärten 72 Prozent der demokratischen und demokratisch-geneigten Wähler, vor den Midterms extrem motiviert zu sein, gegenüber 50 Prozent auf republikanischer Seite. Unter Wählern, die angeben, absolut sicher an der Wahl teilzunehmen, führen Demokraten 53 zu 45 Prozent. FiveThirtyEight schätzt die Wahrscheinlichkeit einer demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus auf über 70 Prozent.
Vier Monate bis zum 3. November
Am 3. November 2026 stehen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatsmandate zur Wahl. Ob Trump die Zustimmungswerte bis dahin stabilisieren kann, hängt weniger von Infantino als von der Wirtschaftslage ab. Inflation, Arbeitsmarktdaten und die Frage, wann die Auswirkungen der Importzölle in den Haushaltskassen der Mittelschicht spürbar nachlassen, werden die Wahlstimmung stärker prägen als diplomatische Gesten. Im August stehen Jahresvergleiche für Preise und Exportzahlen an, ein Jahr nach der Zollankündigung. Ob die Außenpolitikzüge dieser Woche Wirkung zeigen oder im Wirtschaftslärm untergehen, entscheidet sich bis November.
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