Ukraine trifft Russlands größtes Satellitenteleport
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Ukraine trifft Russlands größtes Satellitenteleport

Ukrainische Drohnen haben in der Nacht auf den 22. Juni das Satellitenteleport Dubna getroffen, Russlands zentralen Knoten für Militärkommunikation 120 Kilometer nördlich von Moskau. Das Ausmaß der Schäden ist noch offen. Zwei Tage zuvor hatte die Ukraine auf der Pariser Rüstungsmesse Eurosatory die FP-5 Flamingo vorgestellt: eine neue Drohnenklasse mit Reichweiten bis zu 3.000 Kilometern.

22. Juni 2026, 22:42 Uhr 782 Wörter · 4 Min. Lesezeit

In der Nacht auf den 22. Juni haben ukrainische Drohnen das größte Satellitenteleport Russlands getroffen: die Anlage in Dubna, 120 Kilometer nördlich von Moskau, eine der größten Satellitenbodenstationen Europas. Dichter Rauch war über dem Gelände sichtbar. Das Ausmaß der Schäden war am Montag noch nicht abschließend bekannt. Der Angriff folgt unmittelbar auf Selenskyjs Ankündigung vom 20. Juni, Ukraine habe Drohnen entwickelt, die Ziele in bis zu 3.000 Kilometern Entfernung erreichen können.

Was in Dubna steht

Das Kommunikationszentrum in Dubna wurde 1980 für die Olympischen Spiele in Moskau errichtet, ursprünglich um Fernsehbilder nach Europa zu übertragen. Heute betreibt es die staatliche Russische Satellitenkommunikationsgesellschaft (RSCC) als zentralen Knoten ihres Satellitennetzwerks. Mehr als zwei Dutzend Antennen stehen auf dem Gelände, darunter die ursprüngliche NEC-Antenne mit einem Durchmesser von 32 Metern. Die Anlage dient zivilen wie militärischen Zwecken: Sie koordiniert Expresssatelliten und ist zugleich an Kanälen für Streitkräfte und Nachrichtendienste beteiligt. In Sowjetzeiten verwaltete Dubna die direkte Telefonverbindung zwischen dem Kreml und dem Weißen Haus.

Die RSCC teilte am Montag mit, Fernsehübertragungen und Datenkommunikation seien nicht unterbrochen worden. Die russische Nachrichtenagentur TASS bestätigte einen „massiven Drohnenangriff“ auf das Zentrum. Verletzte gab es laut Angaben nicht, Aufräumarbeiten hätten begonnen.

Die neue Reichweite

Dass ukrainische Drohnen bis nach Dubna fliegen konnten, wäre noch vor wenigen Monaten kaum vorstellbar gewesen. Der Abstand zur ukrainischen Grenze beträgt je nach Ausgangspunkt zwischen 900 und 1.000 Kilometer. Doch am 20. Juni erklärte Selenskyj in seiner Abendansprache, Ukraine habe ein neues System entwickelt: die FP-5 Flamingo des ukrainischen Unternehmens Fire Point. „Unsere Drohnen können jetzt Ziele in einer Entfernung von 3.000 Kilometern erreichen“, sagte Selenskyj und dankte den Ingenieuren des Herstellers ausdrücklich.

Die FP-5 ist ein Marschflugkörpersystem mit einem Startgewicht von rund 6.000 Kilogramm und einem Gefechtskopf von bis zu 1.150 Kilogramm. Die Reisegeschwindigkeit beträgt laut Hersteller 650 bis 700 Stundenkilometer, maximal sind 950 Stundenkilometer erreichbar. Fire Point präsentierte den Flamingo erst vorige Woche erstmals auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris (15. bis 19. Juni). Laut der Fachzeitschrift Jane's führen die kleineren Vorgängermodelle FP-1 und FP-2 bereits rund 60 Prozent aller ukrainischen Tiefschlagmissionen tief ins russische Hinterland aus.

Die Ankündigung der Klasse über 3.000 Kilometer kommt nicht aus dem Nichts. Innerhalb weniger Tage traf die Ukraine bereits mehrere Ziele, die zuvor als unerreichbar galten: Am 18. Juni gab es Berichte über Brände in einer Moskauer Ölraffinerie, zuvor wurde eine Raffinerie in der Region Tjumen in Westsibirien getroffen, rund 2.000 Kilometer Luftlinie von der ukrainischen Grenze entfernt. Der Generalstab in Kiew meldete am 22. Juni zudem Angriffe auf Drohnenausbildungslager nahe Debalzewe (Region Luhansk), Drohnenkontrollposten in der Region Donezk und eine Straßenbrücke im Bezirk Wasiliwka.

Was ein Ausfall bedeuten würde

Ob der Angriff auf Dubna die Satellitenkapazitäten Russlands tatsächlich einschränkt, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht sicher schließen. Die RSCC bestreitet Unterbrechungen. Klar ist jedoch die strategische Logik des Ziels: Ein Satellitenteleport steuert die Verbindung zwischen Satelliten im Orbit und den Nutzern am Boden. Fällt er aus, verlieren Sender und Empfänger die Synchronisation. Für militärische Zwecke wäre ein Ausfall erheblich: GPS-Korrektursignale, verschlüsselte Truppenkommunikation, Geheimdienstkanäle, auch wenn Russland über Redundanzen verfügt.

Der Angriff auf Dubna fügt sich in ein größeres Muster: Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten systematisch russische Treibstoffinfrastruktur angegriffen. Laut dem ukrainischen Generalstab stehen inzwischen rund acht der zehn größten russischen Raffinerien beschädigt oder außer Betrieb. Die russische Benzinproduktion ist seit Frühjahr 2026 um rund zehn Prozent eingebrochen, die Halbinsel Krim leidet unter einer akuten Treibstoffkrise. Russland hat seit Dezember 2025 monatliche Frontverluste, die Zahl der Neurekruten übersteigen. Laut ISW verlor Russland im Mai 2026 netto rund 280 Quadratkilometer. Die Tiefschlagkampagne gegen die Versorgungsbasis ist Teil dieser Gesamtstrategie.

Danzig und die nächsten Wochen

Am 25. Juni findet in Danzig die Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine statt. Ob Selenskyj persönlich teilnimmt, war am Montag noch unklar. Polens Außenministerium wartete noch auf eine Antwort aus Kiew. Die Konferenz läuft parallel zu einer Phase, in der die Ukraine ihre militärische Eigenständigkeit demonstriert: Langstreckendrohnen, die auf westlichen Rüstungsmessen präsentiert werden und Tage danach strategische Ziele nahe Moskau treffen, senden ein Signal nicht nur an Russland, sondern auch an die Verbündeten. Für den kommenden Monat werden weitere ukrainische Offensivoperationen erwartet; neue Waffensysteme könnten, so die Einschätzung westlicher Geheimdienste, die Kräfteverhältnisse an der Front weiter verschieben.

Quellen (11)

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