Trumps Angriff auf Meloni: Der Streit um Sigonella
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Trumps Angriff auf Meloni: Der Streit um Sigonella

Beim G7-Gipfel in Évian behauptete Trump, Italiens Premierministerin Meloni habe ihn um ein Foto gebettelt. Meloni nannte das erfunden. Was öffentlich kaum benannt wird: Drei Monate zuvor hatte Italien US-Bomber vom Stützpunkt Sigonella weggeschickt.

22. Juni 2026, 5:02 Uhr 890 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Als am 27. März 2026 amerikanische Militärmaschinen Kurs auf Sizilien nahmen, waren sie bereits in der Luft, da kam die Ablehnung aus Rom. Sigonella, die größte US-Marinebasis in Italien, blieb geschlossen. Dieser Vorfall machte Italiens Premierministerin Giorgia Meloni in Washington zur persona non grata, auch wenn das öffentlich drei Monate lang ungesagt blieb. Beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains brach es dann auf denkbar unwürdige Weise heraus: US-Präsident Donald Trump behauptete in einem Fernsehinterview, Meloni habe ihn beim Gipfel «über und über» um ein gemeinsames Foto gebettelt.

Die Nacht von Sigonella

Zwischen dem 27. und 28. März 2026 wartete der US-Militärkommandant auf Sizilien auf eine Landeerlaubnis für Bombermaschinen, die für Operationen im Irankrieg vorgesehen waren. Die Erlaubnis kam nicht. Washington hatte die Genehmigung beantragt, während die Flugzeuge sich bereits in der Luft befanden. Das ließ keine Zeit für die nach italienischem Recht erforderliche parlamentarische Zustimmung. Verträge aus den 1950er-Jahren legen fest, dass die US-Stützpunkte in Italien für Logistik und Training genutzt werden dürfen, nicht aber als Zwischenstopp für bewaffnete Maschinen auf dem Weg in einen Kriegsschauplatz, außer in echten Notfällen.

Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto musste den Vorfall am 7. April vor dem Parlament erklären. Meloni hatte ihren Standpunkt schon früher in aller Klarheit formuliert: «Wir sind nicht im Krieg und wollen keinen Krieg.» Die Absage an Washington war keine Aktion eines unbotmäßigen Partners, sondern die Folge einer verfassungsrechtlichen Lage, die Meloni innenpolitisch keine Wahl ließ. Die Fünf-Sterne-Bewegung und Teile des linken Lagers hatten massiven Widerstand gegen jede Beteiligung am Irankrieg angekündigt und selbst Teile von Melonis eigenem Lager betrachteten eine offensive Beteiligung skeptisch.

Trump reagierte im Mai mit der Drohung, US-Truppen aus Italien abzuziehen. Das Signal war eindeutig: Wer die Basis verweigert, riskiert den Schutz. Die öffentliche Eskalation kam trotzdem erst beim G7.

Das Foto als Vergeltung

In Évian unterzeichneten die G7-Mitglieder gemeinsam eine Erklärung, die das Versailler Memorandum zwischen den USA und dem Iran begrüßte. Die anderen Regierungschefs stellten sich hinter Trumps Diplomatie. Nur Italiens Position war komplizierter geblieben. In diesem Kontext gab Trump dem italienischen Sender La7 ein Interview, in dem er behauptete, Meloni habe ihn beim Gipfel so dringend um ein gemeinsames Foto gebeten, dass er sich «sorry for her» gefühlt habe. «Sie tut in Italien nicht gut, ihre Popularität ist niedrig, möglicherweise weil sie die USA abgewiesen hat, als es darum ging, Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern.»

Meloni antwortete auf Instagram auf Englisch: «These constant, unprovoked attacks are senseless.» Die Fotobehauptung sei «völlig erfunden». Und: «Weder ich noch Italien betteln.» Italiens Außenminister Antonio Tajani ergänzte: «Niemand darf Italien so beleidigen, wie die USA es getan haben.» Tajani sagte einen bereits geplanten Besuch in Miami ab, bei dem er Außenminister Marco Rubio treffen sollte. Trump bekräftigte seine Version am nächsten Tag auf Truth Social: Meloni habe ihn «über und über» um das Foto gebeten. Bloomberg fasste den Grundkonflikt präzise zusammen: «Trump Says Meloni Begged for a Photo; She Says He Made It Up.»

Meloni zwischen Verfassung und Atlantizismus

Giorgia Meloni galt bis zum Frühjahr 2026 als Trumps verlässlichste europäische Verbündete. Ihre Koalition aus Fratelli d'Italia, Lega und Forza Italia steht für einen konservativen Nationalismus, der mit Trumps Weltbild mehr Gemeinsamkeiten hat als jede andere westeuropäische Regierung. Der Bruch entstammt keiner ideologischen Distanz, sondern einer strukturellen Realität: Italiens Nachkriegsverfassung erlaubt keine offensive Kriegsbeteiligung ohne parlamentarisches Mandat und ein solches Mandat wäre politisch nicht durchsetzbar gewesen.

Damit unterscheidet sich Italiens Lage von der Frankreichs oder Großbritanniens. Beide Länder entsandten Marineverbände für die Minenräumung an der Straße von Hormus und konnten das durch Exekutiventscheid tun. Italiens System erfordert mehr Schritte und mehr Zeit, gerade in einer Frage, bei der die öffentliche Meinung der Bevölkerung gegen direkte Kriegsbeteiligung steht.

Der Streit zeigt ein strukturelles Problem im atlantischen Bündnis: NATO-Partner haben unterschiedliche Verfassungsarchitekturen für Kriegsentscheidungen. In einer Krise, die schnelle Reaktion verlangt, kann dieser Unterschied zur Belastung werden. Dass Trump ihn mit einer Fotogeschichte öffentlich macht, statt ihn im vertraulichen Kanal zu bearbeiten, signalisiert, dass der Präsident das Bündnismanagement derzeit als öffentliches Druckmittel einsetzt.

Tajani, Rubio und das 60-Tage-Fenster

Tajani hat seinen Miami-Besuch nicht dauerhaft abgesagt, sondern als Signal ausgesetzt. Wann er nachgeholt wird, hängt davon ab, ob Trump die Angriffe fortsetzt oder stoppt. Rubio hat bisher nicht öffentlich auf die Absage reagiert. Im Hintergrund läuft das 60-Tage-Fenster des Versailler Memorandums, das am 17. Juni unterzeichnet wurde und bis Mitte August ein umfassendes Iran-Abkommen anstrebt. Für dieses Abkommen braucht die USA die Kooperation der europäischen NATO-Partner, darunter Italiens Logistikkapazitäten in der Mittelmeerregion.

Ob der Streit die Koordination belastet, hängt von der nächsten Äußerung aus dem Weißen Haus ab. Trump hat in der Vergangenheit öffentliche Konflikte rasch wieder begraben, wenn er das politisch für nützlich hielt. Bis dahin ist das Verhältnis zu Meloni, Italiens wichtigster atlantischer Stimme, vorerst getrübt.

Update 23. Juni, 17:10 Uhr: Trotz des öffentlichen Streits zeichnet sich im Hintergrund ein praktischer Ausweg ab. Die Unterzeichnung des Abkommens Pax Silica, eines multilateralen Pakts zur Absicherung westlicher KI-Lieferketten und kritischer Rohstoffe gegen chinesische Abhängigkeiten, war für den 23. Juni in Miami geplant und wurde im Zuge der Verwerfungen abgesagt. Außenminister Tajani ließ mitteilen, die Allianz werde "in jedem Fall unterzeichnet", möglicherweise durch Italiens Botschafter in Washington. Beim Gipfel Pax Silica in Washington am 25. und 26. Juni gilt Italiens Beitritt trotz des Streits weiterhin als vorgesehen. Das nächste obligatorische Treffen von Meloni und Trump: der NATO-Gipfel in Ankara am 7. Juli.

Quellen (15)

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