Iran beschießt Al-Azraq: Bundeswehr erneut im Ziel
International

Iran beschießt Al-Azraq: Bundeswehr erneut im Ziel

Die Islamische Revolutionsgarde beschoss am 9. Juli den Militärflughafen Al-Azraq in Jordanien mit zehn ballistischen Raketen, Jordanien fing acht davon ab. Es ist der dritte Angriff auf die Basis in diesem Konflikt, auf der mehrere hundert Bundeswehrsoldaten stationiert sind.

11. Juli 2026, 0:39 Uhr 810 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Auf dem Militärflughafen Al-Azraq im Osten Jordaniens sind mehrere hundert Bundeswehrsoldaten stationiert. Am 9. Juli feuerte die Islamische Revolutionsgarde zehn ballistische Raketen auf die Basis ab, Jordanien fing acht davon ab. Die IRGC nannte den Angriff die "zweite Phase" ihrer Reaktion auf US-Luftschläge und drohte: Kein US-Stützpunkt in der Region bleibe von nun an verschont.

Der Stützpunkt Al-Azraq und das Bundeswehrmandat

Der Militärflughafen Al-Azraq, offiziell Muwaffaq Salti Air Base, liegt im Osten Jordaniens rund 100 Kilometer östlich von Amman. Deutschland betreibt dort seit 2017 im Rahmen der Counter-Daesh-Mission einen Stützpunkt: Tornados für Aufklärungsflüge, Tankflugzeuge und Bodenpersonal. Das Bundestagsmandat setzt die personelle Obergrenze bei 500 Soldatinnen und Soldaten, tatsächlich stationiert sind regelmäßig einige hundert. Das Mandat wurde zuletzt bis Januar 2027 verlängert. Neben Deutschland haben auch Frankreich, Belgien und die USA Kräfte auf der Basis.

Die IRGC nannte Al-Azraq in ihrer Erklärung explizit ein US-amerikanisches Kommandozentrum in Westasien. Die IRGC-Luft- und Raumfahrteinheit feuerte um 14:20 Uhr jordanischer Zeit zehn ballistische Raketen ab. Jordaniens Militär erklärte, acht davon abgefangen zu haben. Über den Verbleib der beiden übrigen machte Amman keine Angaben. Die IRGC behauptete, die Anlage "vernichtet" zu haben. Jordanische Militärquellen widersprachen dieser Darstellung. Personenschäden wurden nicht gemeldet.

Dreimal in fünf Monaten: Das Eskalationsmuster in Al-Azraq

Der 9. Juli ist nicht der erste Angriff auf die Basis seit Kriegsbeginn. Im März 2026 trafen iranische Raketen das deutsche Feldlager in Al-Azraq in der Nacht zum Montag. Die deutschen Soldaten hatten rechtzeitig Schutzräume aufgesucht, Personenschäden blieben aus. Im Juni 2026, als die IRGC in einer weiteren Eskalationswelle US-Basen in Kuwait, Bahrain und Jordanien gleichzeitig angriff, blieb die Anlage erneut ohne schwere Schäden. Jetzt folgt der dritte Angriff, der erste innerhalb der aktuellen Julieskalation nach dem Zusammenbruch des Memorandums of Understanding.

Die Qualität des Angriffs am 9. Juli unterscheidet sich von den Vorgängern in zwei Punkten. Erstens: Die IRGC bezeichnete den Schlag ausdrücklich als eigenständige "zweite Phase", eine Stufe nach den Angriffen auf Bahrain, Kuwait und den US-Stützpunkt Al Udeid in Katar in der Nacht zuvor. Das signalisiert eine bewusste Ausweitung des geografischen Zielspektrums. Zweitens: Die Anzahl der abgefeuerten Raketen. Im Juni 2026 fing Jordanien fünf Raketen ab. Diesmal waren es zehn. Die Reichweite und das Mengenvolumen nehmen zu.

Für die Bundeswehr ist die Häufung bemerkenswert. Dreimal innerhalb von fünf Monaten, dreimal ohne Personenverluste aufgrund von Schutzräumen und Abfangsystemen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte sich zuletzt zur Frage einer deutschen Beteiligung an der Minenräumung in der Straße von Hormus geäußert. Zur Sicherheitslage der deutschen Soldaten in Jordanien schwieg das Auswärtige Amt nach dem Angriff.

Jordaniens Zwickmühle: Verbündeter, Gastgeber, Zielland

Jordanien ist formal kein Kriegsteilnehmer. König Abdullah II. pflegt enge Beziehungen sowohl zu Washington als auch zu arabischen Nachbarn und hatte bisher eine zurückhaltende Rolle im Irankonflikt eingenommen. Die Präsenz ausländischer Militärkräfte macht das Land dennoch zum Ziel. Für Iran ist jede Basis, von der aus US-Operationen koordiniert werden, ein legitimes Ziel in diesem Konflikt.

Amman bezeichnete die Angriffe als "flagrante Verletzung von Souveränität, Luftraum und Völkerrecht" und betrieb die Basis weiter. König Abdullah steht unter doppeltem Druck: als US-Verbündeter, der keine eigene Kriegspartei werden will und als Gastgeber einer Anlage, die Iran wiederholt beschossen hat und als Teil seines Zielkatalogs führt. Eine öffentliche Forderung nach Abzug der ausländischen Streitkräfte hätte weitreichende Konsequenzen für Jordaniens Verhältnis zu Washington und damit für die umfangreiche US-Militärhilfe.

17. Juli: Wenn Irans Ölausnahme endet

Parallel zur militärischen Eskalation reaktivierte die US-Regierung wirtschaftlichen Druck. Das Büro für ausländische Vermögenskontrolle (OFAC) des US-Finanzministeriums widerrief am 7. Juli die temporäre Sanktionsausnahme, die Iran im Rahmen des Memorandums of Understanding erlaubt hatte, Rohöl auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Die Ausnahme war am 21. Juni gewährt worden und sollte ursprünglich bis zum 21. August gelten. Die Abwicklungsfrist endet am 17. Juli.

Ab diesem Datum dürfen alle US-sanktionspflichtigen Akteure keine Transaktionen mehr mit iranischem Rohöl durchführen. Iran exportiert schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen Barrel täglich, überwiegend nach China. Ob Peking diese Exporte trotz US-Sanktionsdruck fortsetzt, ist eine der zentralen wirtschaftspolitischen Fragen der kommenden Wochen. Für Iran fällt ab dem 17. Juli eine Einnahmequelle weg, die das MOU legalisiert hatte, während die Militärausgaben steigen.

Die IRGC-Drohung und das Auslaufen der Ölausnahme laufen parallel: Militärische Eskalation und wirtschaftlicher Druck sollen Iran zu Konzessionen zwingen. Ob das Kalkül aufgeht, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Steve Witkoff und Jared Kushner, Trumps Unterhändler, sollen sich Berichten zufolge noch in der Region befinden. Auf welcher Basis nach dem dritten Beschuss von Al-Azraq und dem Ende der Ölausnahme noch verhandelt werden soll, lässt Washington offen.

Quellen (12)

Kommentare