Ägypten als nächster Bündnispartner im Mekka-Pakt
International

Ägypten als nächster Bündnispartner im Mekka-Pakt

Der Mekka-Verteidigungspakt zwischen Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan ist zwei Tage alt. Außenminister Hakan Fidan arbeitet bereits an der nächsten Mitgliedschaft: Ägypten, die stärkste Militärmacht Afrikas mit mehr als 440.000 Soldaten, soll dem Bündnis beitreten, sobald technische Hürden überwunden sind.

Quellen (10)
  1. Dawndawn.com
  2. Al Jazeeraaljazeera.com
  3. Handelsblatthandelsblatt.com
  4. Rhein-Neckar-Zeitungrnz.de
  5. WirtschaftsWochewiwo.de
  6. Berliner Zeitungberliner-zeitung.de
  7. it-boltwiseit-boltwise.de
  8. All Israel Newsallisraelnews.com
  9. Egypt Todayegypttoday.com
  10. Haaretzhaaretz.com
9. August 2026, 18:39 Uhr891 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Vor dreizehn Jahren ließ Präsident Abdel Fattah al-Sisi türkische Diplomaten aus Kairo ausweisen; Ankara hatte seinen Machtantritt 2013 als Putsch bezeichnet. Am vergangenen Freitag unterzeichnete die Türkei in Mekka einen Beistandspakt nach NATO-Vorbild und nennt Ägypten seither einen natürlichen Partner. Der Bruch ist keine Überraschung für diejenigen, die Übung Golden Eagle verfolgt haben: Seit dem 8. Juli trainierten ägyptische und türkische Spezialoperatoren gemeinsam in Kairo, das Manöver endete am 18. Juli.

Ein Pakt nach NATO-Vorbild sucht sein viertes Mitglied

Recep Tayyip Erdoğan, Mohammed bin Salman und Premierminister Shehbaz Sharif unterzeichneten den Mekka-Verteidigungspakt am vergangenen Freitag in Dschidda. Sein Mechanismus ist dem NATO-Vertrag nachempfunden: Jeder bewaffnete Angriff auf einen der drei Staaten gilt als Angriff auf alle. Die Mitglieder können je nach Bedrohungslage unterschiedliche Unterstützung einfordern, von Geheimdienstinformationen über Munitionslieferungen bis hin zu Militärverbänden. Die Koalitionstechnik ist vertraut; neu ist die Zusammensetzung. Saudi-Arabien und die Türkei galten jahrelang als Rivalen um die Führungsrolle in der islamischen Welt. Der Irankrieg hat diese Konkurrenz überlagert.

Die Erweiterungspläne folgten unmittelbar. Fidan nannte gegenüber der pakistanischen Zeitung Dawn mehrere Länder, die bereits Interesse signalisiert hätten und bezeichnete Ägypten als „natürlichen Partner" des Bündnisses. Erdoğan hatte beim Gipfel in Mekka erklärt, die Türkei wolle sich nicht auf drei Mitglieder beschränken, sondern das Bündnis offen halten und „falls nötig, alle Länder unter diesen Schirm holen". Al Jazeera listete heute als weitere Kandidaten Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indonesien.

Wie Ankara und Kairo sich angenähert haben

Die Grundlagen für Ägyptens potenziellen Beitritt wurden nicht über Nacht gelegt. Im Februar 2026 reiste Erdoğan nach Kairo und unterzeichnete mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi ein bilaterales Sicherheitsrahmenabkommen. Es war Erdoğans erster Besuch in Ägypten seit mehr als einem Jahrzehnt: Ankara und Kairo hatten nach dem Sturz Mohammed Mursis 2013 ihre Beziehungen faktisch eingefroren, weil Erdoğan Mursi als islamisch-demokratische Erfolgsgeschichte unterstützt hatte und al-Sisi die Muslimbruderschaft als Terrororganisation einstufte. Dass beide Regierungen diesen Graben überbrücken, ist selbst eine geopolitische Nachricht.

Seit dem Rahmenabkommen haben die Streitkräfte die Zusammenarbeit konkretisiert. Am 8. Juli 2026 starteten ägyptische und türkische Spezialkräfte die gemeinsame Übung „Golden Eagle". Ägyptens Fallschirmjäger und die Sa'ka-Eliteeinheiten (Thunderbolt Forces) trainierten gemeinsam mit türkischen Spezialoperatoren. Das Programm umfasste Drohnenabwehr, Scharfschussübungen unter Realbedingungen und eine abschließende Simulation: ein hubschraubergestützter Zugriff auf ein Geiselnahme-Szenario im städtischen Gefecht. Laut Egypt Today endete das Manöver am 18. Juli 2026. Es ist das erste gemeinsame Großmanöver beider Länder.

Ägypten bringt erhebliches Gewicht mit. Der Global Firepower Index ordnet Ägyptens Streitkräfte als stärkste konventionelle Militärmacht des afrikanischen Kontinents ein. Im Vergleich zu den Gründerstaaten des Mekka-Pakts verfügt Kairo über mehr moderne Kampfpanzer als Pakistan und mehr Kampfflugzeuge als Saudi-Arabien.

Was die technischen Hürden verbergen

Fidan ließ offen, was konkret hinter den „technischen Hürden" steckt. Mindestens drei Faktoren erschweren den formalen Beitritt. Erstens pflegt Kairo enge Sicherheitsbeziehungen mit Washington: Die USA liefern seit dem Camp-David-Abkommen von 1978 umfangreiche Militärhilfe an Ägypten und ein Beistandspakt mit eigenem Artikel-5-Mechanismus bedarf sorgfältiger diplomatischer Absicherung gegenüber dem amerikanischen Partner. Zweitens kennt der Mekka-Pakt noch keine etablierten Beitrittsverfahren: Die drei Gründungsmitglieder müssen erst formale Aufnahmeregeln definieren. Drittens steht die ägyptische Außenpolitik traditionell auf Distanz zu Militärblöcken, die eigene Handlungsfreiheit einschränken könnten.

Haaretz berichtete heute, dass Fidan die technischen Hindernisse als lösbar bezeichnet habe. Die genaue Verhandlungsstruktur ist nicht öffentlich.

Warum Israel genau zuhört

Das israelische Nachrichtenportal All Israel News analysierte die türkisch-ägyptische Annäherung als strategischen Alarm für Jerusalem: Eine Türkei, die im Irankrieg scharfe Kritik an Israel formuliert hat und ein Ägypten, das an den Gazastreifen grenzt und die Hamas-Infrastruktur jahrelang unter Beobachtung hatte, bilden gemeinsam die schlagkräftigste Militärkoalition, die Israel von zwei Flanken gleichzeitig umspannt. Im Frühjahr 2026 hatte Fidan Israel in einer Rede als Bedrohung für die Menschheit bezeichnet und damit eine scharfe Reaktion aus Berlin und Brüssel ausgelöst.

Für die NATO ist die Lage komplexer als die öffentliche Debatte bisher abbildet. Die Türkei ist Bündnismitglied und durch Artikel 5 mit ihren Partnern verbunden. Ein gleichzeitiger Beistandspakt mit Nicht-NATO-Staaten ist vertraglich nicht verboten, aber politisch heikel. Das Bündnis hat bisher keine klare Linie entwickelt, wie es mit einer Türkei umgeht, die eigene regionale Sicherheitsstrukturen aufbaut. Die NATO-Partner beobachten nach eigenen Angaben und kommentieren nicht.

Kairos Entscheidung vor dem Herbst

Laut Vertragstexten des Mekka-Pakts sollen die Außenminister der drei Gründungsstaaten innerhalb von 30 Tagen nach der Unterzeichnung erstmals zusammentreten, um unter anderem Beitrittsverfahren zu formalisieren. Das wäre Anfang September. Das Abschlusskommuniqué der Übung „Golden Eagle", das für Ende August erwartet wird, gilt als mögliches Signal, wie weit Kairo bereit ist zu gehen. Ägypten hat in der Vergangenheit regionale Sicherheitsbündnisse bevorzugt, die ihm operativen Spielraum ließen. Ob ein bindender Beistandspakt dieser Logik entspricht, ist die offene Frage, über die das ägyptische Außenministerium entscheidet.

Kommentare