USA greifen Teheran an: Frist endet morgen
Katarische Unterhändler landeten am Mittwoch in Teheran, um einen Waffenstillstandsdeal zu retten. In derselben Nacht bombardierten US-Streitkräfte erstmals auch die iranische Hauptstadt. Bisher galten alle CENTCOM-Schläge Küstenanlagen an der Straße von Hormus; Teheran als Ziel hat eine andere Dimension. In weniger als 24 Stunden läuft die Freitagsfrist ab.
Was CENTCOM in dieser Nacht angegriffen hat
Das US-Zentralkommando bestätigte, seine Kräfte hätten auf direkten Befehl von Präsident Trump weitere Schläge auf iranische Militärziele abgeschlossen. Als Ziele nannte CENTCOM Militärüberwachungsanlagen, Kommunikationssysteme und Luftverteidigungsstellungen in mehreren Landesteilen. Explosionen wurden im Raum Teheran sowie in den südlichen Städten Sirik und Minab gemeldet. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, die USA würden weiter schlagen und die Operationen bei Bedarf fortsetzen.
Alle bisherigen CENTCOM-Angriffe seit dem Apache-Abschuss am 9. Juni galten Küstenanlagen: Radarstationen und Luftabwehrsysteme auf der Insel Qeschm, in Bandar Abbas und an der Küstenstation Jask, dann erneut Hafeninfrastruktur in Sirik. Teheran hat eine andere strategische Bedeutung. Kommunikationsinfrastruktur in der Hauptstadt liegt in der Nähe der Kommandozentralen der Islamischen Revolutionsgarde. Wer diese Systeme trifft, greift in die Koordinierungsfähigkeit des gesamten IRGC-Apparats ein, nicht nur in einzelne Küstenverteidigungen.
Die Eskalationsspirale der letzten 48 Stunden
Die Angriffe auf Teheran sind das Ergebnis einer sich beschleunigenden Schlagfolge. Am Dienstag hatten US-Streitkräfte nach dem Apache-Abschuss erstmals auf iranische Radaranlagen und Luftabwehr an der Küste reagiert. Die Islamische Revolutionsgarde antwortete in der Nacht auf Mittwoch mit 21 deklarierten Angriffen auf US-Militärbasen in drei Ländern: Drohnen auf Bahrains Sheikh-Isa-Basis und auf die kuwaitischen Basen Ali Al Salem und Ahmad Al-Jaber, Langstreckenraketen auf die Al-Azraq-Basis in Jordanien. Kuwait, Bahrain und Jordanien meldeten, nahezu alle Geschosse abgefangen zu haben. Einen F-35-Hangar in Jordanien habe die IRGC zerstört, so die eigene Behauptung; Jordaniens Militär widersprach. CENTCOM schlug in dieser zweiten Nacht mit dem Fokus auf Kommunikationssysteme zurück und weitete den Aktionsradius bis in die Hauptstadt aus.
Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte nach dem IRGC-Angriff auf Bahrains Sheikh-Isa-Basis: Die Gastgeberstaaten amerikanischer Truppen trügen eine rechtliche und moralische Mitverantwortung für die Angriffe auf Iran. Kuwait und Bahrain befinden sich damit in einem politisch kaum lösbaren Dilemma zwischen ihren Stützpunktabkommen mit Washington und der Drohung Teherans.
Verhandeln und bomben gleichzeitig
Die US-Angriffe auf Teheran finden parallel zu Verhandlungen statt, nicht statt ihnen. Katarische Unterhändler sind am Mittwoch in Teheran eingetroffen, um die letzten Streitpunkte eines Waffenstillstandsdeals zu klären. Kern des Entwurfs sind 24 Milliarden Dollar eingefrorene iranische Vermögen: 12 Milliarden bei Unterzeichnung, weitere 12 Milliarden innerhalb von 60 Tagen danach.
Trump hat eine Frist gesetzt: Bis Freitag, den 12. Juni, muss ein Abkommen stehen, sonst gehen die Angriffe weiter. Trump deutete an, Kraftwerke und Brücken ins Visier nehmen zu können und warnte, Iran habe too long to negotiate. Hegseth kündigt weitere Angriffe an, während Katar im US-Auftrag die letzten Meter Verhandlungsraum abmisst. Araghchi hielt dagegen: Teheran werde jeden Angriff beantworten und die USA müssten die Region verlassen. Einen Schlag auf Teherans Kommunikationsanlagen als Anlass für Deeskalation zu nutzen, ist nach dieser Nacht noch schwerer geworden.
Im Kongress wächst der Druck auf eine formale Kriegsermächtigungsdebatte. Senator Chris Murphy (Demokrat) erklärte auf X, Trump habe die Kontrolle über den Irankrieg verloren und solle den vorliegenden Waffenstillstandsentwurf unverzüglich unterzeichnen. Europäische Partner, allen voran Frankreich als G7-Vorsitzland, dringen auf eine Verhandlungslösung. Macron hatte seit Kriegsbeginn sowohl Teheran als auch Washington auf Deeskalation gedrängt. Angriffe auf die iranische Hauptstadt verändern die Lage, mit der Frankreich beim Gipfel in Évian auftreten muss.
Was Freitag entscheidet
Drei realistische Szenarien liegen auf dem Tisch. Die Katar-Verhandlungen bringen bis Freitag eine Einigung. Trump verlängert die Frist still und die Gespräche laufen weiter. Oder Trump hält die Frist und ordnet einen qualitativ anderen Schlag an, der Energieinfrastruktur und Verkehrsinfrastruktur einbezieht. Für die Märkte ist der Ausgang von direkter Relevanz: Rohöl der Sorte Brent hat im Verlauf des Konflikts wiederholt die 100-Dollar-Marke berührt und liegt aktuell bei knapp 94 Dollar. Strom- und Gaspreise in Deutschland stiegen auf dem Höhepunkt der Hormuz-Krise im April um bis zu 27 Prozent.
Vier Tage nach Ablauf der Frist trifft sich die G7 in Évian-les-Bains. Frankreich, das den Vorsitz hat, hat Kontakt zu beiden Seiten gesucht. Europäische Partner haben klargemacht, dass eine Ausweitung der Angriffe auf Infrastruktur Konsequenzen für die atlantische Koordination hätte. Trump hat diese Signale bisher nicht als bindend behandelt. Ob Freitag etwas beendet oder fortschreibt, entscheidet sich in Teheran, Doha und Washington. In Évian wird man das Ergebnis zur Kenntnis nehmen.
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