
Ukraine feuert 600 Drohnen: Wildberries brennt
Quellen (11)
- Tagesspiegel: Wildberries-Lager getroffen — 600 Drohnen, mehrere Totetagesspiegel.de
- Berliner Zeitung: Ukraine greift Moskau mit 600 Drohnen anberliner-zeitung.de
- Apollo News: 600 Drohnen über Moskau — Ukraine startet Großangriffapollo-news.net
- CBS News: Ukraine launches hundreds of drones into Russiacbsnews.com
- t-online Ukraine-News: Anschlag in Sewastopol galt wohl einem Überläufert-online.de
- Echo24: Ex-Marineoffizier auf Krim getötet — Russland beschuldigt Ukraineecho24.de
- Bundeswehr: Generalmajor Jared Sembritzkibundeswehr.de
- ZEIT Online auf X: Jared Sembritzki, Deutschlands kriegerischster Generalx.com
- taz: Kyjiw unter russischem Beschuss — verschlossene Räume und kein Gefühl für Sicherheit mehrtaz.de
- Wikipedia: Timeline of the Russo-Ukrainian war 2026en.wikipedia.org
- Ukrinform: Luftabwehr macht 109 von 128 russischen Drohnen unschädlichukrinform.de
Die Ukraine hat in der Nacht zum 16. August rund 600 Drohnen auf russisches Territorium abgefeuert. Ein Warenlager des Online-Händlers Wildberries bei Podolsk, 40 Kilometer südlich von Moskau, brannte aus. Russland antwortete mit Raketen und Drohnen auf Kyjiw, Kremenchuk und Kryvyi Rih: mindestens drei Menschen starben in der Ukraine, mehr als 20 wurden verletzt. Insgesamt kamen durch die Angriffe beider Seiten mindestens acht Menschen ums Leben.
Zwischen Moskau und Rostow: Die Angriffsserie
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin bestätigte, die Luftabwehr habe über der Hauptstadtregion 201 der angreifenden Drohnen abgefangen. Trotzdem brach im Wildberries-Lager in Podolsk ein Feuer aus; drei Menschen wurden verletzt. Das Unternehmen, Russlands größter Onlinehändler, teilte mit, der Betrieb laufe über andere Standorte weiter.
In der Region Rostow am Don, im Süden Russlands, fiel die Bilanz schwerer aus. In der Stadt Kamensk-Schachtinski kamen nach russischen Behördenangaben mindestens fünf Menschen ums Leben, als Drohnen in Wohngebiete einschlugen.
Wildberries ist seit Mitte Juli ein wiederkehrendes Ziel ukrainischer Angriffe. Mehr als ein Dutzend Standorte wurden laut Reuters seit dem Sommer getroffen. Die Logik dahinter ist militärisch-wirtschaftlich: Das Unternehmen betreibt eines der dichtesten Lager- und Liefernetzwerke Russlands, das auch für Nachschubketten genutzt werden kann.
Russlands Gegenschlag trifft ukrainische Industriestädte
Noch am selben Tag antwortete Russland mit ballistischen Raketen, Gleitbomben und Drohnen auf ukrainische Städte. In Kyjiw wurden Wohnviertel beschossen; Bewohner berichteten der taz über eine Atmosphäre der Erschöpfung und Ohnmacht. Kremenchuk, ein bedeutender Eisenbahn- und Industrieknotenpunkt am Dnipro, sowie Kryvyi Rih, Zentrum der ukrainischen Stahlindustrie und Heimatstadt von Präsident Selenskyj, wurden gleichfalls getroffen. Das ukrainische Innenministerium meldete mindestens drei Tote und mehr als 20 Verletzte.
Einen Ausläufer bildete ein Zwischenfall an der NATO-Ostflanke: Ein Kampfjet des Bündnisses schoss eine russische Drohne über Rumänien ab. Es ist nicht der erste derartige Vorfall in diesem Jahr; Bukarest hat 2026 bereits mehrfach Drohnen auf eigenem Territorium registriert.
Attentat in Sewastopol: Mehr Fragen als Antworten
Parallel zu den Luftangriffen wurde in Sewastopol auf der Krim ein russischer Marineoffizier getötet. Robert Schagejew, 49, Kapitän bei der Schwarzmeerflotte, starb durch eine in einem Mülleimer versteckte Bombe auf einer Treppe. Schagejew war eine politisch aufgeladene Figur: Als ukrainischer Marineoffizier übergab er bei der russischen Annexion der Krim 2014 sein Schiff kampflos und wechselte anschließend in den Dienst Moskaus.
Russische Behörden nahmen Margarita Reut, 32, wegen Mordes fest. Nach russischen Medienberichten soll sie gestanden haben; sie wurde wegen Terrorismus mit Todesfolge angeklagt. Russland beschuldigte die Ukraine, Kiew kommentierte den Vorfall nicht. Die Frankfurter Rundschau wies darauf hin, dass Moskaus Darstellung mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet: Warum sollte die Ukraine ausgerechnet einen Überläufer ins Visier nehmen, dessen Name in der Öffentlichkeit kaum bekannt war? Unabhängige Bestätigung der russischen Behördenversion gibt es nicht.
Der deutsche General und die Rolle des Amboss
Während ukrainische und russische Drohnen die Nacht bevölkerten, erschien ein viel beachtetes Porträt von Generalmajor Jared Sembritzki in der ZEIT. Sembritzki kommandiert seit September 2025 die Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf, Hessen, mit rund 18.000 Soldaten. Er gilt als der erfahrenste Kampfkommandeur der Bundeswehr; als Brigadegeneral leitete er die einzige Großoffensive, die Deutschland in Afghanistan geführt hat.
Sein Auftrag heute: die Bundeswehr auf einen Krieg vorzubereiten, der kein abstraktes Szenario mehr ist. Sembritzki beschreibt Deutschlands Rolle in einem möglichen NATO-Verteidigungsfall mit einem Bild aus dem Handwerk: Die Deutschen sollen der Amboss sein. Nicht der Hammer, der schlägt, sondern die unerschütterliche Basis, auf der Feind zerschlagen wird. In diesem Konzept würde Deutschland die Verstärkungs- und Versorgungskorridore der Allianz sichern, während anderen Mitgliedern der aktive Gegenangriff zufiele.
Das ist keine politische Lyrik. Die Division Schnelle Kräfte ist konkret auf Mobilität ausgerichtet: schnell verlegbare Infanterie- und Gebirgsjägerverbände, die Lücken an der NATO-Ostflanke schließen könnten. Dass ein Bundeswehr-General diese Rolle so offen benennt, zeigt, wie weit sich das öffentliche Verteidigungsgespräch in Deutschland in drei Jahren verschoben hat.
Diplomatische Pause bis September
Der Rhythmus gegenseitiger Massenangriffe hält seit dem Scheitern der Waffenruhe im Mai an. Weder die Ukraine noch Russland signalisierten am Wochenende Verhandlungsbereitschaft. Für August sind keine hochrangigen Friedensgespräche angesetzt; die nächste diplomatische Verdichtung ergibt sich mit dem UN-Hochrangigen Politischen Forum im September in New York. Bis dahin bleibt das Feld den Drohnen überlassen.
Aktualisierungen
Update 17. August, 08:30 Uhr: In der zweiten Nacht in Folge griff Russland die Ukraine mit Drohnen an. Von 128 eingesetzten Drohnen machte die ukrainische Luftverteidigung bis zum Morgen 109 unschädlich. Besonders hart traf es die Stadt Sumy im Nordosten, die bereits am Sonntagabend massiv mit Drohnen angegriffen worden war; Brände wurden gemeldet und Menschen verletzt. An 14 Orten im Norden, Süden und Osten der Ukraine registrierten Behörden direkte Einschläge.
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