Krywyj Rih: Drohnenangriff auf Einkaufszentrum, 14 Tote
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Krywyj Rih: Drohnenangriff auf Einkaufszentrum, 14 Tote

Russische Drohnen trafen am Freitagnachmittag das größte Einkaufszentrum von Krywyj Rih in zwei Wellen: Die zweite Welle zielte gezielt auf eintreffende Rettungskräfte. Mindestens 14 Menschen starben, über 120 wurden verletzt, darunter 22 Kinder.

Quellen (13)
  1. t-onlinet-online.de
  2. t-online (Liveblog)t-online.de
  3. Spiegelspiegel.de
  4. SRFsrf.ch
  5. Berliner Zeitungberliner-zeitung.de
  6. CNNcnn.com
  7. RFERLrferl.org
  8. Tagesspiegeltagesspiegel.de
  9. Handelsblatthandelsblatt.com
  10. onvistaonvista.de
  11. Ukrinform (Selenskyj)ukrinform.net
  12. Yahoo (Europäische Reaktionen)yahoo.com
  13. Wikipedia (Krywyj-Rih-Angriffe)en.wikipedia.org
22. August 2026, 7:10 Uhr812 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Wenn russische Streitkräfte ein Zivilzentrum angreifen, schicken sie manchmal eine zweite Drohne nach, diesmal auf die Rettungskräfte. Am Freitagnachmittag traf diese Taktik das größte Einkaufszentrum von Krywyj Rih, der Heimatstadt von Präsident Selenskyj: Mindestens 14 Menschen starben, mehr als 120 wurden verletzt, darunter 22 Kinder. Die Taktik hat einen Namen. Im humanitären Völkerrecht kann ein solcher Angriff als schweres Kriegsverbrechen eingestuft werden.

Doppelangriff am helllichten Tag

Krywyj Rih ist eine Industriestadt im Süden der Ukraine mit rund 600.000 Einwohnern und Geburtsort des ukrainischen Präsidenten. Das Einkaufszentrum, das am 21. August Angriffsziel war, ist das größte der Stadt. Nachmittags ist es gut besucht.

Nach Angaben ukrainischer Behörden trafen russische Drohnen das Gebäude in zwei Wellen. Der erste Einschlag verwüstete Teile des Kaufhauses und löste sofort einen Großeinsatz von Feuerwehr, Sanitätern und Polizei aus. Rund 30 Minuten später schlug eine zweite Drohne ein, diesmal, so Selenskyj auf Telegram, gezielt auf die eingetroffenen Einsatzkräfte.

Regionalgouverneur Oleksandr Hanscha bestätigte, dass sich unter den 29 Schwerverletzten fünf Kinder befinden. Der vorläufige Todesstand stieg im Laufe des Abends nach verschiedenen Berichten auf bis zu 16. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen eingeleitet.

Was den Doppelangriff völkerrechtlich auszeichnet

Der sogenannte „double tap“, zwei aufeinanderfolgende Schläge auf denselben Ort mit dem Ziel, auch Rettungskräfte zu treffen, ist nach Einschätzung westlicher Beobachter und Menschenrechtsorganisationen ein klarer Verstoß gegen das Zusatzprotokoll I zu den Genfer Konventionen von 1977. Es schützt medizinisches Personal und Rettungsdienste durch spezifische Artikel vor gezielten Angriffen. Ein Angriff, der diese Schutzgruppen wissentlich ins Visier nimmt, gilt als schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts.

Selenskyj bezeichnete den Angriff als „absolut zynisch und verabscheuungswürdig“. Die zweite Welle sei „kein Zufall“ gewesen: „Sie wollten zuerst Menschen töten und dann die Retter töten.“ Er kündigte an, die Ukraine werde „definitiv reagieren“, ohne Details zu nennen. Zugleich appellierte er an die internationale Gemeinschaft: „Für Frieden muss Russland wirklich zur Rechenschaft gezogen werden.“

Europäische Regierungschefs verurteilten den Angriff scharf. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schrieb: „Russland zerstört weiter die Ukraine und hat kein Interesse am Frieden.“ Der niederländische VVD-Fraktionsvorsitzende Ruben Brekelmans erklärte, man müsse „die Unterstützung für die Ukraine beschleunigen“. Estlands Außenminister Margus Tsahkna fasste zusammen: „Russland sucht den Krieg, nicht den Frieden und Angriffe auf Zivilisten, darunter Kinder, sind der brutale Beweis.”

Krywyj Rih: Wiederholt im Visier

Krywyj Rih ist nicht zufällig Ziel russischer Angriffe. Die Stadt ist ein bedeutendes Zentrum der ukrainischen Stahlindustrie; ihre Lage im Südosten macht sie strategisch und symbolisch wichtig. Russische Angriffe auf die Stadt sind seit Kriegsbeginn 2022 dokumentiert.

Im April 2025 starben bei einem russischen Raketenangriff auf eine belebte Straße mit Wohngebäuden, einem Restaurant und einem Kinderspielplatz mindestens 16 Menschen. Der Angriff vom August 2026 trifft dieselbe Stadt erneut, diesmal mit einer Methode, die nach Einschätzung von Beobachtern auf die Erschöpfung der Zivilschutzkapazitäten abzielt.

Ob die wiederholten Angriffe auf Krywyj Rih eine gezielte Botschaft an Selenskyj persönlich darstellen sollen, lässt sich nicht belegen. Russland hat sich bislang nicht zu dem Angriff geäußert. Klar ist: Die Wahl von Zivilinfrastruktur als Angriffsziel folgt einem Muster, das Medien und Militärbeobachter seit 2022 dokumentieren.

Morale als Kriegsziel: Was hinter der Taktik steht

Humanitäre Organisationen und das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) dokumentieren seit Jahren, dass russische Streitkräfte im Ukraine-Krieg systematisch auf Zivilinfrastruktur zielen. Energieanlagen, Krankenhäuser, Bahnhöfe und Einkaufszentren sind wiederholt getroffen worden, nicht nur in Krywyj Rih, sondern auch in Kiew, Dnipro, Mariupol und Charkiw.

Der Doppelanschlag als Taktik hat eine spezifische Wirkung: Er tötet nicht nur unmittelbare Opfer, sondern erschüttert das Vertrauen in staatliche Schutzfähigkeit. Wer nach einer Explosion nicht mehr sicher ist, ob das Eintreffen der Rettung einen zweiten Angriff auslöst, zögert beim Ruf um Hilfe. Laut CNN dokumentiert die Ukraine derartige Muster seit 2022 systematisch und legt sie dem Internationalen Strafgerichtshof vor.

Der UN-Menschenrechtsrat hat seit Kriegsbeginn zahlreiche Untersuchungen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in der Ukraine eingeleitet. Nach dem Angriff vom 21. August sprach auch der frühere tschechische Außenminister Jan Lipavský von „Barberei, nicht Krieg”.

Selenskyjs Ankündigung und die Grenzen der Strafverfolgung

Selenskyj hat eine Reaktion angekündigt. Was er damit meint, bleibt offen, militärisch, diplomatisch oder beides. Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten mehrfach russisches Territorium mit Drohnen und Raketen angegriffen, darunter Energieanlagen in der Nähe von Moskau.

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Krieges geht langsamer. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat seit 2023 Haftbefehle gegen sechs russische Staatsbürger ausgestellt: Putin und Kinderverschleppungs-Beauftragte Maria Lvova-Belova 2023, sowie die Ex-Minister Shoigu und Generalstabschef Gerasimow 2024 wegen Angriffen auf ukrainische Energieinfrastruktur. Verhaftet wurde niemand. Die Strafverfolgung bei Kriegsverbrechen dauert aber die Strafverfolgung bei Kriegsverbrechen dauert regelmäßig Jahrzehnte.

Für die Menschen in Krywyj Rih, die am Freitagnachmittag einkaufen gingen, ist das eine abstrakte Perspektive. Konkret ist: Mindestens 16 von ihnen kehren nicht mehr nach Hause zurück.

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