Kiews Lavra brennt erneut: 611 Drohnen, fünf Tote
Als Wolodymyr Selenskyj beim G7-Gipfel im französischen Évian mit Donald Trump über ein mögliches persönliches Treffen mit Putin in den USA sprach, brannte das Kiewer Höhlenkloster zum zweiten Mal. Russland feuerte in der Nacht zum Montag 611 Drohnen und 70 Raketen auf die Ukraine, zwei davon trafen gezielt den Lavra-Stadtteil. Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, eines der bedeutendsten orthodoxen Gotteshäuser Osteuropas, trug laut UNESCO erhebliche Schäden davon. Bei dem Angriff starben in Kyiv fünf Menschen.
975 Jahre alt, zum zweiten Mal Rauch
Das Kiewer Höhlenkloster gehört zu den ältesten sakralen Stätten des orthodoxen Christentums. Der Einsiedler Antonius gründete es im Jahr 1051 am Ufer des Dnipro, später erhob die Kirche die Anlage zur Lawra, einem Titel, der nur wenigen besonders bedeutenden orthodoxen Klöstern zusteht. Seit 1990 trägt die Pechersk-Lavra den Status UNESCO-Welterbe. Mehr als eine Million Menschen besuchen die Anlage jährlich. Im Mittelpunkt steht die Mariä-Entschlafens-Kathedrale mit ihren Goldkuppeln und den Höhlengängen, in denen die Gründermönche begraben sind.
Bereits Mitte Juni 2026 hatte eine einzelne russische Drohne das Dach der Kathedrale getroffen und einen Brand ausgelöst. Der Angriff in der Nacht zum Montag war anders: Russland setzte diesmal zwei Drohnen spezifisch auf den Lavra-Stadtteil an. Die UNESCO erklärte, der Angriff habe "erhebliche Schäden am Äußeren und Inneren der Mariä-Entschlafens-Kathedrale verursacht". Selenskyj besuchte die Stätte am frühen Montagmorgen, nachdem die Löscharbeiten abgeschlossen waren. Er bezeichnete den Angriff als "eines der schwersten Verbrechen Russlands gegen die christliche Kultur".
611 Drohnen: Der Angriff in Zahlen
In der Nacht feuerte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe 611 Drohnen und 70 Raketen ab. Abgewehrt wurden 582 Drohnen und 50 Raketen. Die restlichen 29 Drohnen und 20 ballistische Raketen erreichten ihre Ziele. Allein in Kyiv kamen nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko fünf Menschen ums Leben. Es war einer der umfangreichsten russischen Luftangriffe seit Kriegsbeginn.
Zum Vergleich: Im Mai 2026 setzte Russland in einer einzelnen Nacht 675 Drohnen und 56 Marschflugkörper ein. Damals wurde erstmals seit Kriegsbeginn das Kabinett der ukrainischen Ministerien in Kyiv getroffen. Der Angriff in der Nacht zum Montag erreichte damit ein ähnliches Ausmaß wie jene Nacht im Mai. Deutschland verurteilte den Angriff als "abscheulichen Terrorakt", wie Außenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte. Er nannte den Brand der Lavra einen "neuen Tiefpunkt in Russlands Versuchen, die ukrainische Kultur zu vernichten".
Gespräche in Évian, Feuer in Kyiv
Selenskyj war während der Angriffsnacht in Frankreich. Beim G7-Gipfel in Évian traf er Trump persönlich. Anschließend teilte er mit, beide hätten besprochen, "dass ein solches Treffen in den USA organisiert werden könnte" - gemeint war ein direktes Gespräch mit Wladimir Putin. Trump sagte öffentlich, Russland solle "ein Abkommen schließen".
Moskau hat auf den USA-Vorschlag bis Montagnachmittag nicht offiziell reagiert. Der Kreml hatte zuvor jede Selenskyj-Initiative zu Direktgesprächen abgelehnt: das Angebot für ein Randtreffen beim G7-Gipfel selbst und frühere Vorschläge für neutrale Drittstaaten wie die Schweiz oder die Türkei. Als Bedingung für Verhandlungen nennt Moskau weiterhin die vollständige Kontrolle der Donbass-Region durch Russland.
Bemerkenswert ist, was der weißrussische Machthaber Alexander Lukaschenko sagte, der als engster außenpolitischer Partner Putins gilt. Er empfahl sowohl Russland als auch der Ukraine Kompromissbereitschaft. Was er damit konkret meinte, ließ er offen. Lukaschenko hatte in den vergangenen Monaten gelegentlich eine vermittelnde Rolle angedeutet, ohne dass daraus je etwas Substanzielles folgte.
Bis Moskau auf den USA-Vorschlag antwortet
Die nächste Entscheidung liegt in Moskau. Selenskyjs Vorschlag, sich in den USA mit Putin zu treffen, ist öffentlich, konkret und von Trump mitgetragen. Bislang hat Russland jeden vergleichbaren Schritt abgelehnt. Wie Moskau auf diesen Vorschlag antwortet, wird zeigen, ob direkte Gespräche zwischen Russland und der Ukraine unter amerikanischer Vermittlung überhaupt möglich sind.
Was die Pechersk-Lavra betrifft: Die UNESCO rief zu einer Notbegehung der Stätte auf. Wie tief der zweite Brand in die mittelalterlichen Strukturen gedrungen ist, steht noch nicht fest. Der erste Brand vom 15. Juni hatte das Dach beschädigt, ohne die historischen Gemäuer zu zerstören. Die Schadensaufnahme für die Nacht zum Montag läuft.
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