Nordkoreanische Raketen treffen Saporishshja: Sechs Tote
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Nordkoreanische Raketen treffen Saporishshja: Sechs Tote

In der Nacht zum 11. August griff Russland Saporishshja mit nordkoreanischen KN-23-Raketen, Zirkons und 120 Drohnen an: Sechs Menschen starben, 19 wurden verletzt. Präsident Selenskyj bestätigte den Waffenmix und forderte mehr Flugabwehr.

Quellen (11)
  1. Euronewseuronews.com
  2. Blick (Schweiz)blick.ch
  3. Al Jazeeraaljazeera.com
  4. Tagesspiegeltagesspiegel.de
  5. Ukrinformukrinform.net
  6. Ukr. Pravdapravda.com.ua
  7. United24 Mediaunited24media.com
  8. France 24france24.com
  9. t-online (NK-Einheit)t-online.de
  10. Militarnyi (KN-23 Identifizierung)militarnyi.com
  11. news-pravda.com/DE (NK-Lieferungen)deutsch.news-pravda.com
11. August 2026, 18:42 Uhr623 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Eine 90-köpfige nordkoreanische Raketeneinheit steht seit Wochen in der russischen Region Woronesch. In der Nacht zum Dienstag zielten ihre KN-23-Raketen auf Saporishshja: Sechs Menschen starben, 19 wurden verletzt. Präsident Selenskyj bestätigte explizit den Einsatz nordkoreanischer Munition in einem kombinierten Angriff, der gleichzeitig auf Kiew, Saporishshja und sechs weitere Regionen zielte.

120 Drohnen, Zirkons und Gleitbomben: Das Waffenarsenal der Nacht

Der Angriff in der Nacht zum 11. August umfasste vier Waffensysteme gleichzeitig. Russlands Streitkräfte feuerten nordkoreanische KN-23-Kurzstreckenraketen, Zirkon-Hyperschallraketen und KAB-Gleitbomben ab; gleichzeitig starteten 120 Shahed-Drohnen, darunter Varianten mit Düsenantrieb sowie Gerbera-Täuschdrohnen. Die ukrainische Luftwaffe meldete, 98 der Drohnen seien abgeschossen oder elektronisch gestört worden. Die ballistischen Raketen und Zirkons ließen sich kaum abfangen: Sie fliegen zu schnell, zu hoch oder auf zu flachen Trajektorien für die verfügbaren Systeme.

Abgefeuert wurden die Raketen aus den russischen Regionen Kursk, Rostow, Woronesch und Orjol. Saporishshja und Kiew waren die Hauptziele. In Kiew beschädigte ein Raketentreffer ein Krankenhausgebäude sowie mehrere Geschäfte; Feuer brach aus. In der Region Dnipropetrowsk töteten Drohnen und Artillerie drei weitere Menschen, fünf wurden verletzt. Umspannwerke in Cherson und Charkiw wurden getroffen und verursachten lokale Stromausfälle.

KN-23: Identifiziert am Bolzenmuster

Dass die eingesetzten Raketen nordkoreanischen Ursprungs sind, belegen ukrainische Rüstungsanalysten anhand eines physischen Details: dem Bolzenkranz an der Steuerflächen-Halterung. Nordkoreanische Raketen vom Typ Hwasong-11 verwenden 20 gleichmäßig verteilte Bolzen; russische Iskander-Varianten nutzen 18 Bolzen in sechs Dreiergruppen. Trümmer, die nach Einschlägen sichergestellt wurden, weisen das nordkoreanische Muster auf. Selenskyj hat die Identifizierung in seiner Videobotschaft ausdrücklich bestätigt.

Die KN-23, offiziell Hwasong-11Ga, ist eine Festtreibstoff-Kurzstreckenrakete mit einer Reichweite von rund 690 Kilometern. Laut ukrainischen Geheimdienstangaben hat Nordkorea bis Anfang 2025 insgesamt 148 Raketen der Typen KN-23 und KN-24 nach Russland geliefert. In einer jüngsten Lieferung wurden laut Reuters 40 Raketen zusammen mit rund 90 nordkoreanischen Soldaten verschifft, ausgestattet mit sechs mobilen Startrampen.

15.000 Nordkoreaner in Russland: Pjöngjangs stiller Krieg

Der Raketeneinsatz steht nicht allein. Südkoreas Militärgeheimdienst schätzt, dass seit 2025 rund 15.000 nordkoreanische Soldaten nach Russland entsandt wurden. Viele kämpfen nach ukrainischen Angaben im Gebiet Kursk, wo Russland eigene Verluste durch nordkoreanische Einheiten kompensiert. Die Raketeneinheit ist in der Region Woronesch stationiert, rund 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und damit außerhalb der Reichweite der meisten ukrainischen Präzisionswaffen.

Nordkorea erhält für seine Hilfe nach südkoreanischen Geheimdiensteinschätzungen wirtschaftliche Unterstützung, Lebensmittelhilfe und möglicherweise Rüstungstechnologie. Ein 2024 geschlossener Beistandspakt zwischen Putin und Kim verpflichtet beide Seiten zur gegenseitigen Hilfe bei einem Angriff. Kritiker in Seoul und Washington warnen: Wenn Nordkorea im Gegenzug Raketentechnologie erhält, könnte das die Reichweite nordkoreanischer Interkontinentalraketen verbessern und die Sicherheitslage im Indopazifik verändern. Belastbare öffentliche Belege für einen solchen Technologietransfer liegen bisher nicht vor.

Für ukrainische Zivilisten hat die Kooperation eine unmittelbare Konsequenz: Russland kann mit nordkoreanischen Raketen die eigenen Bestände schonen und Angriffe fortsetzen, ohne die eigene Rüstungsproduktion zu überlasten. Westliche Geheimdienstkreise hatten dies als eines der Risiken des Putin-Kim-Pakts von Anfang an benannt.

Patriot-Lücke in Saporishshja

Saporishshja ist eine der größten ukrainischen Städte in unmittelbarer Frontnähe. Sie liegt rund 40 bis 50 Kilometer vom besetzten Süden entfernt und wird seit Kriegsbeginn wiederholt beschossen. Selenskyj machte aus dem Angriff unmittelbar eine politische Forderung: Nato-Mitglieder müssten Luftabwehrsysteme priorisieren.

Das Waffenarsenal vom Dienstagmorgen folgt einem Muster, das ukrainische Militäranalysten seit Monaten beschreiben: Russland setzt verschiedene Waffensysteme gleichzeitig ein, die jeweils unterschiedliche Abwehrkapazitäten erfordern. KN-23 und andere ballistische Raketen erfordern Hochflugabwehr wie Patriot, Zirkons fliegen schneller als viele Systeme reagieren können, Drohnen binden Kurzstreckenabwehr. Keine dieser Bedrohungen ist für sich allein unlösbar. Zusammen überlasten sie die vorhandene Kapazität.

Die Ukraine hat von mehreren Nato-Mitgliedern Patriot-Systeme erhalten; Selenskyj hat öffentlich weitere gefordert und dabei auf Saporishshja verwiesen. Wie viele Systeme nötig wären, um alle Frontstädte ausreichend zu schützen, hat das ukrainische Militär nie beziffert. Die Angriffsnacht vom Dienstag lieferte ein konkretes Beispiel dafür, was diese Lücke kostet.

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