Putin plant heimliche Massenrekrutierung ab Herbst
International

Putin plant heimliche Massenrekrutierung ab Herbst

Selenskyj warnt: Russland plant eine verdeckte Massenrekrutierung von mehreren Hunderttausend Soldaten, ohne offizielle Ankündigung nach der Parlamentswahl im September. Gleichzeitig sollen bis zu 50.000 nordkoreanische Soldaten nach Russland verlegt werden. Die Ukraine hat zeitgleich Bilanz einer 40-tägigen Drohnenoffensive gegen russische Infrastruktur gezogen.

Quellen (7)
  1. t-online (40-Tage-Bilanz)t-online.de
  2. t-online (Mobilisierung)t-online.de
  3. nau.chnau.ch
  4. Euronews (Nordkorea)euronews.com
  5. Tagesspiegeltagesspiegel.de
  6. Spiegel Auslandspiegel.de
  7. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
13. August 2026, 7:06 Uhr712 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Wolodymyr Selenskyj hat Geheimdiensterkenntnisse veröffentlicht, die den weiteren Verlauf des Ukraine-Krieges bis Ende 2026 beschreiben. Der Kern: Russland plant eine verdeckte Mobilisierung mehrerer Hunderttausend Soldaten, zeitlich kalkuliert nach der russischen Parlamentswahl im September. Gleichzeitig sollen bis zu 50.000 nordkoreanische Soldaten auf russischem Boden stationiert werden. Die Warnung erscheint kurz nachdem die Ukraine eine 40-tägige Drohnenoffensive gegen russische Rüstungs- und Energieinfrastruktur abgeschlossen hat.

Vierzig Tage gegen russische Raffinerien

Ende Juni beauftragte Selenskyj den ukrainischen Inlandsgeheimdienst SBU mit einer groß angelegten Angriffsserie auf russisches Hinterland. Ziel war nicht die Front, sondern Russlands Rohstoffinfrastruktur: Treibstoffdepots, Tanker auf dem Schwarzen Meer, Rüstungsfabriken. Die Operation lief 40 Tage. Nach ukrainischen Angaben wurden acht der zehn größten russischen Raffinerien getroffen und rund ein Drittel aller russischen Raffinerien vorübergehend stillgelegt.

Selenskyj zog sich als "absolut zufrieden" aus der Operation zurück. Die Strategie dahinter: Verhandlungsbereitschaft durch militärischen Druck erzeugen. Russland soll spüren, dass ein Krieg im Hinterland kostspielig ist, bevor die eigentlichen Friedensgespräche beginnen. Ob das Kalkül aufgeht, ist offen. Die Verhandlungen in Abu Dhabi und Genf wurden zuletzt suspendiert.

Putins verdeckter Mobilisierungsplan

Selenskyj erklärte in einer Videobotschaft, Kiew verfüge über nachrichtendienstliche Hinweise und russische Dokumente. Der Plan: Massenrekrutierung ohne offizielle Ankündigung, um die russische Bevölkerung nicht zu beunruhigen. "Er überlegt, wie er sein eigenes Volk täuschen kann. Eine Massenmobilisierung durchzuführen, ohne sie anzukündigen. Schattenverträge abzuschließen, Grenzen zu blockieren und so weiter", sagte Selenskyj über Putin.

Konkret soll Russland nach ukrainischer Einschätzung bis Ende 2026 mehrere Hunderttausend Rekruten einziehen und im darauffolgenden Jahr eine ähnliche Zahl. Die Rekrutierung solle bewusst auf die Zeit nach der Parlamentswahl im September fallen, wenn der innenpolitische Druck geringer ist. Putins Kalkül wäre dann: erst Legitimation durch die Wahl sichern, danach mobilisieren.

Nordkoreanische Verstärkung als zweite Eskalationsstufe

Parallel zur russischen Mobilisierung warnte Selenskyj vor einem weiteren Faktor: bis zu 50.000 nordkoreanische Soldaten sollen auf russischem Territorium stationiert werden. Kim Jong-un hat seit dem ersten Nordkoreaner-Einsatz in der Ukraine offensichtlich Interesse an einer Vertiefung der Militärkooperation. Für Nordkorea ist der Krieg ein Testfeld für eigene Waffensysteme und Ausbildungserfahrungen.

Der ukrainische Geheimdienst hatte zuletzt gemeldet, dass nordkoreanische KN-23-Raketen für Angriffe auf Saporishshja eingesetzt wurden. Mehrere europäische Regierungen haben diese Informationen bestätigt. Was Kim Jong-un aus der bisherigen Kooperation gelernt hat und wie er es für seine eigene Rüstungsentwicklung nutzt, bleibt bislang weitgehend unklar.

Ukraines Gegenstrategie: Rüstung und Diplomatie

Die Ukraine reagiert auf beiden Ebenen. Militärisch hat Kiew ein größeres Rüstungspaket aus US-Beständen erworben, das über die Türkei abgewickelt wird: darunter 70 ATACMS-Raketen, 12 M270-Raketenwerfer, 2.500 Kurzstreckenraketen und 47.000 Artilleriegeschosse des Kalibers 203 Millimeter. Die ATACMS erlauben Angriffe auf russisches Hinterland in einer Reichweite, die bisher nicht verfügbar war.

Diplomatisch hat Selenskyj der US-Regierung neue Friedensvorschläge übermittelt. Vertreter der Trump-Regierung haben Besuche in Kiew und Moskau in Aussicht gestellt, ohne konkreten Zeitplan. Experten wie der frühere Brigadegeneral Erich Vad halten einen territorialen Kompromiss für unausweichlich und schlagen ein Referendum über die umstrittenen Gebiete vor, wenn bilaterale Verhandlungen scheitern.

Bis zur russischen Parlamentswahl im September

Der September ist der nächste strategische Zeitpunkt beider Seiten. Für Russland: Die Parlamentswahl schafft den innenpolitischen Kontext für eine Mobilisierung ohne Aufschrei. Für die Ukraine: Die 40-Tage-Mission ist abgeschlossen, die nächste Phase muss noch definiert werden. Für die USA: Der Druck, sichtbare Diplomatie zu zeigen, wächst nach innen wie außen.

Selenskyj hat die Initiative für den Moment. Ob die Drohnenoffensive den gewünschten Verhandlungsdruck erzeugt hat, wird sich daran zeigen, ob Moskau vor dem September wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Anzeichen dafür gibt es bislang nicht.

Kommentare