USA forstet 115.000 Hektar auf, Rekord seit 25 Jahren
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USA forstet 115.000 Hektar auf, Rekord seit 25 Jahren

Der US Forest Service hat im Haushaltsjahr 2025 rund 115.000 Hektar Wald neu bepflanzt, so viel wie seit 25 Jahren nicht mehr. Dahinter steht ein Milliardenprogramm als Reaktion auf Jahrzehnte eskalierender Waldbrandzerstörung, aber auch die Erkenntnis, dass selbst dieser Rekord möglicherweise nicht ausreicht.

25. Juli 2026, 16:41 Uhr 770 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Im April 2026 pflanzten Helfer im Mendocino National Forest rund 71.000 Baumkeimlinge auf 74 Hektar verbrannter Erde, acht Tage Arbeit mit klimaresistenten Arten, ausgewählt für das Klima von 2060. Die Szene steht exemplarisch für einen ungewöhnlichen Befund: Im Haushaltsjahr 2025 hat der US Forest Service insgesamt 115.000 Hektar Wald neu bepflanzt, den höchsten Wert seit 25 Jahren, ermöglicht durch 6,35 Milliarden Dollar Katastrophenhilfe des Kongresses. Das zeigt, was möglich ist, wenn die Mittel vorhanden sind. Allerdings zeigen aktuelle Analysen, dass allein Kalifornien ab 2030 jährlich eine ähnliche Aufforstungsleistung bräuchte, um mit seinen eigenen Brandschäden Schritt zu halten.

Waldbranddekaden schaffen den Bedarf

Nach Jahrzehnten sinkender Aufforstungsleistung bei gleichzeitig wachsenden Brandflächen verabschiedete der US-Kongress Ende 2024 den American Relief Act, der 6,35 Milliarden Dollar für die Katastrophenwiederherstellung im nationalen Waldsystem bereitstellt. 85 Nationalwälder und zwei nationale Graslandschaften sind laut US Forest Service von insgesamt 98 Katastrophen zwischen 2022 und 2024 betroffen, von Waldbränden über Stürme bis hin zu Schädlingsbefall.

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Im Haushaltsjahr 2025 wurden 285.000 Acres (rund 115.000 Hektar) neu bepflanzt sowie weitere 165.000 Acres (rund 67.000 Hektar) in ihren Holzbeständen verbessert. Das Programm konzentriert sich auf Post-Feuer-Restauration: Stabilisierung erosionsgefährdeter Böden, Wiederherstellung von Wassereinzugsgebieten und Schaffung neuer Wildtierlebensräume. Den Wert von 285.000 Acres beschreibt der US Forest Service als höchsten seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Im Haushaltsjahr 1998 hatte die Behörde zuletzt rund 292.000 Acres bepflanzt, danach sanken die Werte über Jahrzehnte auf teils unter 100.000 Acres jährlich.

Mendocino als Modellfall

Ein Beispiel aus Nordkalifornien zeigt, wie das Programm konkret arbeitet. Im April 2026 wurden im Mendocino National Forest rund 71.000 klimaresistente Baumkeimlinge auf etwa 74 Hektar östlich der Gemeinden Nice und Lucerne eingepflanzt. Die Aktion dauerte acht Tage und ist Teil des North Shore Restoration Project, eines 16.000-Hektar-Restaurierungsprojekts in der Brandschneise des Ranch Fire von 2018. Damals verbrannte das Mendocino-Komplex-Feuer rund 186.000 Hektar.

Die gepflanzten Baumarten, Ponderosa-Kiefer, Douglasie und Weihrauchzeder, wurden anhand von Klimamodellen ausgewählt, die Forscher der University of California in Davis entwickelt haben. Ziel ist ein Bestand, der resistenter gegen künftige Dürren und Brände ist als die historischen Fichtenmonokulturen. Die Keimlinge stammen aus einer Forest-Service-Baumschule in Placerville. Wie solche Projekte langfristig wirken, zeigt das Restaurierungsprojekt am Mount Shasta: Dort wachsen fünf Jahre nach dem Lava Fire bereits 1,47 Millionen Bäume auf der ehemaligen Brandfläche.

Im Vergleich: Was andere Länder und frühere Jahrzehnte zeigen

Die Dimension der US-Aufforstungsleistung wird im internationalen Vergleich deutlich. Deutschland musste nach den Dürre- und Borkenkäferjahren 2018 bis 2021 mindestens 300.000 Hektar geschädigter Waldflächen in klimaresistente Mischwälder umwandeln, in ähnlicher Größenordnung wie das gesamte US-Programm in einem Jahr leistet. Die Bundesregierung stellte dafür 800 Millionen Euro aus dem Waldklimafonds bereit, rund ein Siebtel des amerikanischen Programmvolumens für eine vergleichbare Schadensfläche.

Auch im historischen US-Vergleich ist die Verschiebung auffällig. In den späten 1990er Jahren pflanzte der US Forest Service noch rund 65 Millionen Baumkeimlinge pro Jahr. Bis 2004 hatte sich die jährliche Baumschulproduktion auf rund 25 Millionen Keimlinge reduziert: Budgetkürzungen und eine Neuausrichtung der Waldbewirtschaftung hatten die Kapazitäten über Jahrzehnte erodiert. Das Haushaltsjahr 2025 markiert nach Einschätzung der Behörde den Wendepunkt nach einem langen Rückgang.

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Worauf Kritiker hinweisen

Trotz des Rekords wächst die Lücke zwischen Bedarf und Kapazität. Dem CalMatters-Bericht vom Juli 2026 zufolge müsste Kalifornien seine Aufforstungsleistung jährlich um 35 Prozent steigern, um ab 2030 ein Ziel von rund 113.000 Hektar Aufforstung im Bundesstaat allein zu erfüllen. Das entspricht nahezu dem gesamten Jahreswert des US Forest Service von 2025, für einen einzigen Bundesstaat.

Hinzu kommen strukturelle Probleme. Die Trump-Administration hatte den US Forest Service zuletzt um mehr als 10 Prozent seiner Belegschaft reduziert, darunter erfahrene Forstwirtschaftler und Pflanzteams. Forstwirtschaftsforscher, die CalMatters zitiert, warnen: Die Aufforstungslücke im Westen der USA werde durch den Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich auf das Doppelte bis Dreifache des heutigen Rückstands anwachsen. Ein weiterer Engpass ist die Saatgutversorgung: Klimaresistente Bäume aus Hochlagen brauchen spezifisches Saatgut, das erst gesammelt, dann ein bis zwei Jahre in Baumschulen vorgezogen werden muss. Bei steigenden Brandfrequenzen entsteht ein strukturelles Zeitproblem.

Drei Bedingungen für einen dauerhaften Kurswechsel

Ob das Rekordjahr 2025 ein dauerhafter Wendepunkt wird oder ein Ausnahmeeffekt durch einmalige Fördergelder bleibt, hängt nach Einschätzung von Forstwirtschaftsforschern von drei Faktoren ab.

Die Finanzierung muss verstetigt werden. Der American Relief Act war ein Einmalpaket als Reaktion auf definierte Katastrophen. Ein dauerhaftes reguläres Aufforstungsbudget in vergleichbarer Größenordnung existiert nicht. Gleichzeitig muss der Personalabbau gestoppt und rückgängig gemacht werden: Pflanzprogramme in diesem Maßstab erfordern ausgebildete Teams und institutionelles Wissen, das sich nicht kurzfristig aufbauen lässt. Und drittens müssen Saatgutbanken sowie Baumschulkapazitäten systematisch ausgebaut werden, eine Investition mit fünf bis zehn Jahren Vorlaufzeit, bevor sie Wirkung zeigt.

Das Haushaltsjahr 2025 zeigt: Wenn Ressourcen bereitstehen, kann Aufforstung in industriellem Maßstab gelingen. Die Frage ist nicht mehr, ob das technisch möglich ist, sondern ob der politische Wille dauerhaft vorhanden ist.

Quellen (8)

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