Nach Verhandlungsscheitern: Trump blockiert Straße von Hormus
International

Nach Verhandlungsscheitern: Trump blockiert Straße von Hormus

21 Stunden lang verhandelten amerikanische und iranische Diplomaten in Islamabad, ohne Ergebnis. US-Präsident Trump hat daraufhin die US-Marine angewiesen, die Straße von Hormus zu blockieren, durch die ein Fünftel des weltweiten Ölexports fließt.

12. April 2026, 20:10 Uhr 906 Wörter · 5 Min. Lesezeit

21 Stunden lang verhandelten amerikanische und iranische Diplomaten in Islamabad über einen Waffenstillstand im US-Iran-Krieg. Am Sonntagmorgen brachen die Gespräche ergebnislos ab. US-Präsident Donald Trump reagierte unmittelbar: Die US-Marine werde "ab sofort" alle Schiffe in der Straße von Hormus blockieren, erklärte er. Durch diese Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer fließt rund ein Fünftel des weltweiten Ölexports. Der Brentölpreis liegt bereits bei knapp 98 Dollar pro Barrel.

Worum es bei den Verhandlungen ging

US-Vizepräsident JD Vance führte die amerikanische Delegation in Islamabad, unterstützt von Sondergesandtem Steve Witkoff und Jared Kushner. Die iranische Seite stellte nach Angaben von Vance Bedingungen, die für Washington nicht akzeptabel waren: Teheran forderte die Kontrolle über die Straße von Hormus, Kriegsreparationen, einen regionalen Waffenstillstand der auch den Libanon einschließt, die Freigabe von sechs Milliarden Dollar eingefrorener Vermögenswerte sowie Garantien für sein Nuklearprogramm. Die zentrale Forderung der USA, dass Iran auf das Streben nach Atomwaffen verzichtet, lehnte Teheran ab. Vance erklärte nach dem Scheitern: "Iran weiß, was es zu tun hat."

Was die Blockade konkret bedeutet

Trump ordnete die US-Marine an, sämtliche Schiffe zu blockieren, die Transitgebühren an Iran gezahlt haben, sowie iranische Minen im Gewässer zu räumen. Die Straße von Hormus ist mit einer Engstelle von rund 34 Kilometern die kritischste Schifffahrtsroute der Welt für Energieträger: Neben Rohöl passieren dort täglich Flüssiggastanker, die vor allem Europa und Asien versorgen. Eine vollständige Blockade würde das Angebot an internationalen Ölmärkten empfindlich einschränken. Bereits Anfang April hatte der Brentpreis kurzzeitig 113 Dollar erreicht; der aktuelle Wert von 98 Dollar spiegelt eine gewiße Marktberuhigung nach Hoffnungen auf einen Verhandlungsdurchbruch wider.

Der Iran hatte seit Kriegsbeginn Transitgebühren für Schiffe in der Meerenge erhoben und die Route für einzelne Tanker de facto kontrolliert. Trumps Ankündigung zielt darauf ab, diesen Kontrollmechanismus zu brechen. Wie weit die Durchsetzung in der Praxis reicht, hängt von der militärischen Reaktion Irans und der Haltung der Golfstaaten Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate ab, die ebenfalls auf die Meerenge angewiesen sind.

Deutschland und die Energiepreise

Die Auswirkungen des Konflikts sind in Deutschland bereits spürbar. Energieminister aus 15 Bundesländern forderten die Bundesregierung formell auf, weitere Entlastungsmaßnahmen für Verbraucher und Industrie zu beschließen. Die Bundesregierung hat für 2026 ein Energieentlastungspaket von zehn Milliarden Euro verabschiedet, das Netzgebührenzuschüsse und einen Industriestrompreisdeckel enthält. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche lehnte Forderungen nach einer Abschöpfung von Übergewinnen der Ölkonzerne ab.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Schulze und Thüringens Mario Voigt erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme: "Gesprochen sei genug." Sie forderten konkrete Bundesbeschlüsse zur Entlastung der Bevölkerung und der Wirtschaft in ihren Ländern. Ob das bestehende Paket angesichts einer vollständigen Blockade der Hormusstraße ausreicht, ist unter Ökonomen umstritten: Sollten die Preise erneut Richtung 120 Dollar klettern, dürften die Bundesländer ihre Forderungen verschärfen.

Der Libanon-Faktor

Der Konflikt hängt eng mit dem anhaltenden Krieg zwischen Israel und Hisbollah im Libanon zusammen. Israels Ministerpräsident Netanjahu erklärte ausdrücklich, ein möglicher Iran-Waffenstillstand schließe den Libanon nicht automatisch ein. Das ist für die Verhandlungen problematisch: Iran besteht auf einem regionalen Waffenstillstand als Bedingung für jede Einigung. Eine Entspannung im Persischen Golf setzt also auch einen parallelen Waffenstillstandsprozess im Norden Israels voraus.

Was als nächstes passiert

Die US-Marine hat mit der Umsetzung der Blockadeanweisung begonnen. Diplomatisch sind nach dem Scheitern der Islamabad-Gespräche vorerst keine neuen Verhandlungsrunden angekündigt. Wie die OPEC-Mitgliedsstaaten auf die verschärfte Lage reagieren, entscheidet sich bei einem Notfalltreffen, das nach Berichten von Brancheninsidern für die kommende Woche erwartet wird. Für Deutschland und die EU stellt sich die Frage, ob eigene diplomatische Initiativen ergänzend zu den US-geführten Verhandlungen möglich sind oder ob man auf eine amerikanische Lösung warten muss.

Quellen (15)

Kommentare