Korsika und Spanien brennen: Zweite Hitzewelle naht
Auf Korsika kämpften Feuerwehrleute in den vergangenen zwei Wochen gleichzeitig gegen drei separate Brände. Im Bavella-Massiv allein fraßen sich Flammen durch 120 Hektar Vegetation, zwei Canadair-Löschflugzeuge flogen 80 Einsätze und warfen 480 Tonnen Wasser ab, bis das Feuer eingedämmt war. Bevor die Mannschaften durchatmeten, zeigte das europäische Wettermodell ECMWF für die Woche ab dem 7. Juli eine neue Hitzeglocke über Westeuropa und Südeuropa.
Das ist der Stand am Beginn des Hochsommers: Der Juni hat nicht nur mehr als 1.000 Menschen in Spanien das Leben gekostet und in Deutschland einen neuen Allzeitrekord gesetzt. Er hat die Böden von Korsika bis zur Iberischen Halbinsel so tief ausgedörrt, dass jede zweite Extremwelle schneller zu Bränden führt. Und der Kreislauf läuft bereits.
Was die Junihitzewelle hinterließ
Die Hitzewelle Hartmut setzte am 18. Juni ein und übertraf jeden bisherigen Maßstab. Am 26. Juni registrierte der Deutsche Wetterdienst in Saarbrücken-Burbach 41,3 Grad Celsius, eine Zehntelgrad über dem bisherigen deutschen Allzeitrekord aus dem Juli 2019. Der DWD sprach in seiner Bilanz vom 28. Juni von einer Hitzewelle für die Geschichtsbücher.
In Spanien starben nach Angaben des Gesundheitsinstituts Carlos III allein im Juni 1.028 Menschen an den Folgen der Hitze, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahresmonat. Die spanische Wetterbehörde AEMET hat ergänzt, dass das erste Halbjahr 2026 das heißeste in der Geschichte der spanischen Wetteraufzeichnungen war.
Was die Hitzewelle neben Todesopfern hinterlässt, ist schwerer zu quantifizieren: ausgedörrte Böden. Wochenlange Extremhitze entzieht dem Boden die Restfeuchtigkeit. Trockene Böden absorbieren weniger Wasser, halten Wärme länger und geben dem Feuer mehr Nahrung. In Südeuropa ist dieser Boden nun der Ausgangspunkt für den Hochsommer.
Die ersten Brände der Saison
Auf Korsika brach am 20. Juni in Castellu-di-Rostinu ein Buschbrand aus, der rund 65 Hektar Vegetation zerstörte. Nahe Porto-Vecchio im Süden der Insel vernichteten Flammen 40 bis 50 Hektar. Den umfangreichsten Brand der bisherigen Saison löste ein Blitzschlag im Bavella-Massiv aus: 120 Hektar, 80 Luftangriffe der Löschflugzeuge, 480 Tonnen Wasser. Die Einsatzkräfte hatten das Feuer unter Kontrolle, als die nächsten Wettermodelle bereits neue Hitze zeigten.
In Frankreich registrierten die Behörden innerhalb von 30 Tagen 155 Brände. In Nordspanien fraß ein Waldbrand Mitte Juni 330 Hektar, die Behörden ordneten Evakuierungen an. Spanien stellte daraufhin einen offiziellen EU-Hilfsantrag und forderte Canadair-Löschflugzeuge aus dem Europäischen Zivilschutz-Pool an.
Die Europäische Union hatte sich vorbereitet: Seit Anfang Juni sind im Rahmen des rescEU-Katastrophenschutzmechanismus 777 Feuerwehrkräfte aus mehreren Mitgliedstaaten in sechs Ländern stationiert, ein Rekordaufgebot gegenüber früheren Jahren. Dazu kommen 22 Löschflugzeuge in Bereitschaft.
ECMWF zeigt neue Hitzewelle ab 7. Juli
Das europäische Wettermodell ECMWF berechnet für die Woche ab dem 7. Juli eine klare Erhaltungsneigung: Das Hochdrucksystem, das die Junihitzewelle ausgelöst hatte, soll sich über dem Atlantik und Westeuropa neu aufbauen. Temperaturen bis 40 Grad sind nach dieser Berechnung in Spanien und Portugal möglich, in Teilen Deutschlands könnten die Werte auf 35 bis 37 Grad steigen.
Weniger eindeutig ist das amerikanische Wettermodell GFS. Es simuliert ein Szenario, in dem Deutschland bis weit in den Juli in einer wechselhaften Nordwestströmung verbleibt, mit Höchstwerten zwischen 22 und 27 Grad. Zwei Modelle, zwei Szenarien. Die Unsicherheit für die zweite Juliwoche ist erheblich und die entscheidenden neuen Berechnungen werden am 4. und 5. Juli vorliegen.
Was die Meteorologen unabhängig vom Nordszenario einig sind: Spanien und Portugal bleiben überdurchschnittlich warm. Die Dürrebedingungen auf der Iberischen Halbinsel gelten als gesetzt, die Waldbrandgefahr bleibt hoch. Der DWD hatte bereits am 25. Juni gewarnt, dass Deutschland noch nie so früh im Jahr über einen so langen Zeitraum vor Hitze gewarnt worden sei.
Warum eine zweite Welle gefährlicher ist als eine erste
Klimatologen sprechen bei aufeinanderfolgenden Hitzewellen ohne ausreichende Erholungspause von einem kumulativen Risiko. Nach der Junihitzewelle fehlen alle drei Dämpfer, die Extremhitze normalerweise abmildern: Bodenfeuchte, Vegetationsfeuchte und Nachtabkühlung. Die Nächte der Junihitzewelle lagen in Teilen Spaniens und Südfrankreichs konstant über 25 Grad, sogenannte Tropennächte ohne erholsame Kühle.
Für die Brandbekämpfung bedeutet das: Selbst wenn die zweite Welle kürzer oder schwächer ausfällt als die erste, trifft sie auf ein Ökosystem, das keine Reserven mehr hat. Korsika, wo die Feuerwehrleute derzeit noch aktive Brandherde überwachen, ist ein Beispiel dafür. Die Brände dort konnten eingedämmt, aber nicht vollständig gelöscht werden.
Spanien hat die EU bereits um Hilfe gebeten, bevor die zweite Welle überhaupt begonnen hat. Das ist eine Reaktion auf Erfahrungen der Vorjahre: 2022 brannten in Spanien innerhalb einer Woche mehr als 100.000 Hektar ab, weil die Koordination mit dem EU-Mechanismus zu langsam anlief. Diesmal soll das System früher eingreifen.
Ob der ECMWF-Befund eintritt, entscheidet sich in wenigen Tagen. Die Feuerwehren auf Korsika und der Iberischen Halbinsel bereiten sich auf beide Szenarien vor: Abkühlung mit Regeneration oder Fortsetzung mit verschärftem Brandrisiko.
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