Südeuropas Waldbrände: Portugal wird zum Epizentrum
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Südeuropas Waldbrände: Portugal wird zum Epizentrum

Mehr als 14.000 Hektar sind in Portugal allein in diesem Sommer verbrannt, die schlimmste Bilanz für diesen Zeitraum seit 2017. Ein einziger Brand nahe Vouzela hat mit 12.000 Hektar die Gesamtbrandfläche ganz Frankreichs übertroffen.

6. Juli 2026, 17:15 Uhr 759 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Als in der Nacht auf Mittwoch nahe Vouzela in Zentralportugal ein Feuer ausbrach, schien es zunächst einer unter vielen zu sein. Vier Tage später hat es 12.000 Hektar Wald und Buschland vernichtet. Das ist mehr als alle Waldbrände zusammen, die Frankreich seit dem 1. Juli 2026 registrierte. In vier Ländern verbrannten nach AFP-Berechnungen bis Montag insgesamt mehr als 19.000 Hektar. Südeuropas Brandsaison 2026 hat ein neues Epizentrum gefunden.

2. Juli: Das Feuer in den Serras de Arada

Kurz nach drei Uhr morgens des 2. Juli brachten Branddetektoren im Hochland der Serras de Arada ein Signal. Das Feuer gewann durch starken Wind und extreme Trockenheit schnell an Fläche. Schon am Folgetag hatte es laut dem europäischen Waldbrand-Informationssystem EFFIS eine Fläche von mehr als 7.000 Hektar überquert. Portugal aktivierte am 3. Juli den europäischen Zivilschutzmechanismus und bat die EU um Unterstützung durch Löschflugzeuge und Spezialeinheiten. Innerhalb von 24 Stunden schickten Marokko, Spanien und Italien Verstärkung.

Über 1.200 Feuerwehrleute rückten in der Spitze für diesen Brand an, mit rund 400 Fahrzeugen und 15 Löschflugzeugen. Das Feuer fraß sich durch die Serras de Arada und breitete sich auf die Bezirke Viseu und Aveiro aus, auf Oliveira de Frades, Tondela und Águeda. Der portugiesische Norden ist geografisch besonders anfällig: dichte Eukalyptus- und Pinienbestände, kaum natürliche Brandschneisen und in diesem Jahr eine seit Wochen anhaltende Dürre.

5. bis 6. Juli: Portugal überholt Frankreich

Am Wochenende stiegen die verbrannten Flächen im Vouzela-Feuer auf 12.000 Hektar. Damit hatte ein einzelner Brand die Gesamtbilanz überholt, die Frankreich seit Saisonbeginn verzeichnete. Insgesamt sind in Portugal 2026 bereits 14.000 Hektar verbrannt, die schlimmste Bilanz für diesen Zeitraum seit 2017. Allein der Norden verzeichnet rund 9.600 Hektar, 68 Prozent der landesweiten Brandfläche, laut der portugiesischen Zivilschutzbehörde.

In Frankreich ist die Lage angespannt. In der Region Pyrénées-Orientales westlich Perpignan wurden 10.000 Menschen evakuiert. Insgesamt sind in Frankreich seit Saisonbeginn 8.700 Hektar verbrannt, verteilt auf Brände rund um Perpignan und Narbonne sowie kleinere Feuer nahe Avignon und Marseille. In Griechenland registrierten die Behörden binnen 24 Stunden 60 neue Waldbrände. Ein Feuer nördlich von Thessaloniki bedrohte zeitweise drei Stadtteile und trieb toxischen Rauch über die Region, ist aber inzwischen unter Kontrolle. In Spanien ist der Costa-Brava-Brand, der 2.200 Hektar Naturschutzgebiet vernichtet hatte, eingedämmt.

19.000 Hektar: Warum die Brände jedes Jahr früher beginnen

Nach AFP-Berechnungen verbrannten in Portugal, Frankreich, Spanien und Griechenland zusammen mehr als 19.000 Hektar. Die Meteorologen des europäischen Copernicus-Programms haben für 2026 Anfang Juli Temperaturrekorde verzeichnet. Historisch beginnt die mediterrane Waldbrandsaison Mitte Juli. In diesem Jahr brannten die ersten Großfeuer in der ersten Juliwoche.

Klimaforschende sehen in diesem Muster eine langfristige Verschiebung. Joël Guiot vom CEREGE (Centre Européen de Recherche et d'Enseignement des Géosciences de l'Environnement) hatte bereits im Juni in der Fachzeitschrift Nature Climate Change beschrieben, dass mediterraner Sommer sich strukturell verlängert: wärmere Frühjahre, frühere Austrocknung der Vegetation und spätere Herbstregen verlängern das Brandfenster an beiden Enden. Hinzu kommt eine landschaftliche Besonderheit Südeuropas: Jahrzehntelange Aufforstungen mit schnell wachsendem Eukalyptus und Pinienwäldern haben die Brennmasse in Küstennähe erhöht.

Bis mindestens 8. Juli: Keine Abkühlung für die Feuerwehren

Die europäischen Wettermodelle ECMWF prognostizieren, dass die aktuelle Hitzewelle bis mindestens zum 8. Juli andauert. Für die Feuerwehren in Vouzela und den Pyrenäen bedeutet das: keine nächtliche Abkühlung, keine Entspannung der Luftfeuchtigkeit, kein Regen in Sicht.

Portugals Brandsaison läuft traditionell von Juli bis September. Die Katastrophensaison 2017, die mehr als 100 Menschenleben kostete und rund 540.000 Hektar verbrannte, hat Portugal zu umfangreichen Reformmaßnahmen gezwungen: neue Feuerschutzkorridore, Pflichtpflege von Waldflächen durch Eigentümer und ein erweitertes Frühwarnsystem. Diese Maßnahmen haben die Effizienz der Erstreaktion verbessert. Sie können nicht verhindern, dass ein Feuer bei Windgeschwindigkeiten über 70 km/h und null Prozent relativer Luftfeuchtigkeit kaum zu stoppen ist. Das Jahr 2026 hat dieses Frühwarnsystem früher als je zuvor auf die Probe gestellt.

Update 7. Juli, 05:05 Uhr: Die Prognose für die Sommerwoche hat sich verschlechtert. Das europäische Wettermodell ECMWF meldet, dass nach der aktuellen Hitzewelle ab dem 7. Juli eine zweite Wärmeglocke einsetzt, ausgelöst durch ein blockierendes Hochdrucksystem über Kontinentaleuropa. Meteorologen rechnen mit der intensivsten Phase zwischen dem 9. und 14. Juli; betroffen sind Frankreich, Deutschland, Spanien, Portugal und Norditalien. Für die Feuerwehren in der Region Pyrénées-Orientales, wo allein 4.600 Hektar verbrennen und rund 700 Einsatzkräfte aktiv sind, bedeutet das sechs bis neun weitere Tage ohne Abkühlung. Einzig auf Kreta zeichnet sich eine Entspannung ab: Das Feuer nahe Ierapetra im Süden der Insel gilt seit etwa dem 4. Juli als eingedämmt.

Quellen (14)

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