Brände zwei Wochen zu früh: Südeuropa in Flammen
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Brände zwei Wochen zu früh: Südeuropa in Flammen

3.000 Menschen in Südfrankreich mussten ihre Campingplätze verlassen, die A9 wurde mehrfach gesperrt. Die Brandsaison 2026 begann zwei bis drei Wochen früher als üblich und trifft mitten in die Urlaubszeit.

5. Juli 2026, 19:01 Uhr 820 Wörter · 5 Min. Lesezeit

In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag fuhren Busse durch Canet-en-Roussillon und holten Campingurlauber ab. Le Brasilia und Homair-La Marina, zwei der größten Campingplätze an der katalanischen Küste Frankreichs, wurden evakuiert. 1.700 Menschen wurden auf Notunterkünfte verteilt, rund 1.500 Hafenbeschäftigte mussten ebenfalls die Gegend verlassen, sechs Verletzte wurden gemeldet. Gleichzeitig brannten bei Narbonne 950 Hektar, 500 Feuerwehrleute kämpften die Nacht durch. Premierminister Sébastien Lecornu sprach danach in Marseille von 8.700 verbrannten Hektar in ganz Südfrankreich und bestätigte, was Meteorologen seit Wochen prognostiziert hatten: Die Brände kamen zwei bis drei Wochen früher als in normalen Jahren.

Perpignan, Narbonne und die gesperrte Urlaubsroute

Den größten Einzeleinsatz der bisherigen Saison löste ein Brand nahe Perpignan aus. 800 Feuerwehrkräfte und 150 Fahrzeuge rückten aus, konnten die Ausbreitung jedoch zunächst nur bremsen. Tramontanaböen mit mehr als 80 km/h trieben die Flammen über trockene Pinienwälder. Die Campingplätze an der Küste zwischen Perpignan und Narbonne sind in dieser Jahreszeit voll belegt: Le Brasilia fasst allein rund 700 Stellplätze.

Nahe Narbonne, 60 Kilometer westlich, fraßen sich die Flammen durch 950 Hektar Vegetation. Das Feuer war bis zum Morgen nicht vollständig unter Kontrolle, die Ausbreitung aber gestoppt. Weitere Brände entwickelten sich bei Roquemaure nördlich von Avignon sowie bei Lançon-Provence und Rognac nahe Marseille, wo insgesamt rund 300 Hektar verbrannten. Die A9, eine der meistbefahrenen Urlaubsrouten Europas, wurde am 3. Juli bei Béziers in Richtung Barcelona gesperrt. Bereits am 2. Juli war sie nahe Avignon in beiden Richtungen stundenlang dicht. Der ADAC warnte Reisende auf der Route nach Südfrankreich und Spanien vor Streckensperrungen ohne konkrete Vorankündigung.

Griechenland: 40 neue Brände in 24 Stunden

Parallel zu Frankreich verzeichnete Griechenland innerhalb eines einzigen Tages mehr als 40 neue Waldbrände. Die meisten konnten eingedämmt werden, bevor sie sich ausbreiteten, aber der Feuerschutzdienst war über das gesamte Land verteilt im Dauereinsatz. Erhöhte Waldbrandwarnungen gelten für das Attikabecken rund um Athen, Delphi, Rhodos-Stadt, Olympia und Thessaloniki.

Kreta trat nach Angaben der griechischen Inselbehörden in die Hochsaison der Waldbrände ein. Die Behörden ordneten Drohnenpatrouillen über besonders gefährdeten Gebieten an und riefen die höchste Alarmbereitschaft auf der gesamten Insel aus. Auf Kreta, das im Hochsommer täglich Zehntausende Touristen empfängt, gilt die Kombination aus ausgedörrten Kiefernbeständen und Olivenhainen sowie touristischer Infrastruktur in Waldrandlage als besonders riskant. Wanderwege und Waldgebiete sind auf weiten Teilen der Insel gesperrt.

Warum die Feuersaison früher begann

Der Frühstart hat mehrere Ursachen, die sich 2026 überlagern. Ein Klimaphänomen El Niño erhöhte die Meeresoberflächentemperaturen im westlichen Mittelmeer und lieferte mehr Energie für Extremwetterereignisse. Gleichzeitig baute sich über Kontinentaleuropa ein stabiles Hochdruckgebiet auf, das warme Saharaluft nach Norden leitete. Ein Höhentrog über dem Nordatlantik blockierte den atlantischen Westwind und ließ die Hitze über Westeuropa stagnieren. Météo-France hatte deshalb für 58 französische Departements Hitzeorangewarnungen ausgegeben.

Die Böden waren im Mittelmeerraum bereits ungewöhnlich früh ausgetrocknet. In der Provence und den Pyrénées-Orientales begann die Trockenperiode nach Angaben des europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS im Mai, zwei bis drei Monate vor dem langjährigen Durchschnitt. EFFIS hatte in seinem Saisonausblick für 2026 Hochrisikophasen für Frankreich, Spanien und Griechenland bereits ab Ende Juni prognostiziert. Lecornu sagte, Frankreich habe die Zahl seiner Löschflugzeuge und Hubschrauber seit 2023 um 30 Prozent erhöht. Angesichts von Tramontanaböen bei 80 Kilometern pro Stunde und vollständig ausgetrockneten Böden stößt auch dieser Ausbau an Grenzen, wie die ersten Julitage zeigen.

Klimaforscher des EFFIS betonen, dass der Frühstart kein Ausreißer ist: Die Kombination aus strukturell höherer Temperaturbasis durch den Klimawandel und natürlicher Klimavariabilität durch El Niño produziert eine Art Amplifikationseffekt. Wenn El Niño und Klimawandel zusammenfallen, ist das Ergebnis schlimmer als El Niño allein. Die Daten zeigen, dass extreme Brandereignisse im Mittelmeerraum seit den 1990er Jahren im Durchschnitt zwei bis drei Wochen früher auftreten.

Zweite Hitzewelle ab 7. Juli: Die Saison hat kaum begonnen

Das europäische Wettermodell ECMWF prognostizierte für die Woche ab dem 7. Juli eine weitere Hitzeglocke über Westeuropa und Südeuropa. Sie trifft auf Böden, die bereits an ihrer Kapazitätsgrenze trocknen. Für Reisende nach Südfrankreich empfiehlt der ADAC aktuell tägliche Abfrage der Reisewarnungen, Meidung von Waldwegen und Spontangrills sowie vorsorgliches Informieren über Evakuierungsrouten beim Campingplatz. In Griechenland gilt das Gleiche: Die Behörden haben für Kreta und andere Inseln das europaweite Notfallwarnsystem 112 aktiviert.

Die eigentliche Brandsaison beginnt im Mittelmeerraum normalerweise Mitte Juli und reicht bis Ende September. 2026 ist sie bereits in der ersten Juliwoche in vollem Gange. 8.700 Hektar in Südfrankreich allein, Griechenland im Dauereinsatz, die A9 wiederholt gesperrt: Das ist die Ausgangslage für einen Sommer, der noch drei Monate vor sich hat.

Quellen (9)

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