
Hürtgenwald brennt: Kriegsmunition sperrt Löschzonen
Quellen (17)
- tagesschau: Löscharbeiten im Hürtgenwaldtagesschau.de
- t-online Aachen: 1.400 Einsatzkräfte bekämpfen 300 Hektar Feueraachen.t-online.de
- Euronews: Bundeswehr schickt Bergepanzer und Hubschrauberde.euronews.com
- Tagesspiegel: Größter Waldbrand in Geschichte NRWstagesspiegel.de
- Deutschlandfunk: Bundeswehr im Einsatz gegen Feuer im Hürtgenwalddeutschlandfunk.de
- ZDF heute: Waldbrand wohl größter in NRW-Historiezdfheute.de
- Land NRW: Ministerin Gorißen macht sich Bild vor Ortland.nrw
- Kreis Düren: Waldbrand Gey breitet sich auskreis-dueren.de
- nw.de Liveblog: Panzer sollen Ort schützennw.de
- Wikipedia: Waldbrand im Hürtgenwald 2026de.wikipedia.org
- Bundeswehr: Waldbrand Eifelbundeswehr.de
- Tagesspiegel: Bewohner kehren nach Waldbrand in Hürtgenwald zurücktagesspiegel.de
- Aachener Zeitung: Liveblog Hürtgenwaldaachener-zeitung.de
- ingenieur.de: Vier Bergepanzer, zehn Hubschrauberingenieur.de
- Tagesspiegel: Monschau bereitet sich auf Evakuierungen vortagesspiegel.de
- Rhein-Zeitung: Brand im Hohen Vennrhein-zeitung.de
- Epochtimes (Wüst Hoffnung)epochtimes.de
Kurz nach Mitternacht am 14. August detonierte auf der Brandfläche im Hürtgenwald das erste Mal Munition. Der Landrat des Kreises Düren bestätigte es nüchtern: In einem Waldbrand, der 1.800 Menschen zur Flucht zwang, explodiert der Krieg. Granaten und Blindgänger aus den Schlachten von 1944/45 machen einen ohnehin historisch großen Einsatz zur bisher einmaligen Herausforderung für Deutschlands Feuerwehren.
300 Hektar, kein Regen in Sicht
Der Brand brach am 13. August 2026 in der Gemeinde Hürtgenwald im Kreis Düren aus. Innerhalb weniger Stunden fraß er sich durch Waldgebiet, das nach Wochen ohne Regen extrem ausgedörrt war. Bis zum Morgen des 15. August hatten die Flammen rund 300 Hektar erfasst, eine Fläche größer als 400 Fußballfelder. Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) besuchte die Einsatzkräfte und sprach von einem "Ausmaß, mit dem wir seit Jahrzehnten nicht zu tun hatten." Der Brand gilt als der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens.
Der Deutsche Wetterdienst sieht keine kurzfristige Entspannung: Für die kommenden Tage werden keine nennenswerten Niederschläge erwartet. Unter diesen Bedingungen rechnen Einsatzkräfte damit, dass die Löscharbeiten noch bis mindestens Montag, den 17. August, andauern werden. Fünf Menschen wurden bei dem Brand verletzt. Die Brandursache ist noch ungeklärt.
Der Hürtgenwald-Brand steht in einem Sommer, der für Deutschland und ganz Europa als Feuersommer in die Geschichte eingehen wird. In den Niederlanden brannte wenige Wochen zuvor ein Heidegebiet nahe der deutschen Grenze, das erst mit Bundeswehrhubschraubern unter Kontrolle gebracht werden konnte. Frankreich kämpfte im Juli mit dem größten Waldbrand seit dem Zweiten Weltkrieg in der Gironde. Was den Hürtgenwald-Brand von all diesen Feuern unterscheidet, ist nicht nur sein Ausmaß.
Bergepanzer statt Löschzüge
1.400 Einsatzkräfte sind im Hürtgenwald gebunden, im Rotationssystem rund um die Uhr. Darunter sind Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreis Düren und angrenzenden Regionen sowie Kräfte des Technischen Hilfswerks und des Landesbetriebs Wald und Holz NRW. Die Bundeswehr leistet Amtshilfe auf zwei Wegen: aus der Luft und mit Panzern.
Zwei NH-90-Hubschrauber des Transporthubschrauberregiments 10 aus Faßberg (Niedersachsen) löschen aus der Luft, wo Fahrzeuge und Fußtrupps nicht hinkönnen. Auf dem Boden schlagen zwei Bergepanzer Typ 2 Schneisen durch den Wald: Sie walzen Bäume nieder und entziehen dem Feuer so Brennmaterial. Reguläre Löschfahrzeuge können diese Arbeit in Teilen des Gebiets nicht übernehmen, weil auf der Brandfläche in weiten Bereichen ein striktes Betretungsverbot gilt. Der Grund: Munition.
Einer der munitionsreichsten Wälder Deutschlands
In der Nacht auf den 14. August explodierte auf der Brandfläche bereits Munition, bestätigte der Landrat des Kreises Düren. Das ist in dieser Region kein Ausnahmefall, sondern eine erwartete Gefahr: Der Hürtgenwald gilt als eines der munitionsreichsten Waldgebiete Deutschlands.
Zwischen September 1944 und Februar 1945 war der Hürtgenwald Schauplatz einer der verlustreichsten Schlachten an der Westfront. US-amerikanische und deutsche Truppen kämpften fast fünf Monate lang in dem dicht bewaldeten Gebiet. Granaten, Landminen, Phosphorbomben und Blindgänger, die nie detoniert sind, liegen noch heute im Waldboden. Kampfmittelräumdienste finden bei regulären Sondierungen regelmäßig aktive Munition. Wie viel noch im Boden liegt, ist bis heute nicht vollständig kartiert.
Für den laufenden Einsatz bedeutet das: Feuerwehrleute können das Gebiet nicht systematisch mit Löschhörnern und Druckschläuchen durchkämmen. Hubschrauber und Bergepanzer übernehmen Aufgaben, die anderswo Fußtrupps leisten. Zeitweise lagen die Flammen nur noch 150 Meter vom Ortsteil Großhau entfernt, bevor eine breitere Schneise den Vormarsch des Feuers verlangsamen konnte.
1.800 Evakuierte ohne klaren Rückkehrtermin
Der Ort Gey, ein Ortsteil der Gemeinde Hürtgenwald mit rund 1.800 Einwohnern, wurde in der Nacht auf den 14. August vollständig evakuiert. Wann die Bewohner zurückkehren können, ist unklar: Solange die Brandfront nicht gesichert und die unmittelbare Munitionsgefahr durch Erstbewertung nicht eingegrenzt ist, bleibt das Gebiet gesperrt.
Was nach dem Brand folgt, wird ebenfalls außergewöhnlich aufwendig: Die verbrannte Fläche muss von spezialisierten Kampfmittelräumdiensten systematisch sondiert werden, bevor sie dauerhaft für Menschen freigegeben werden kann. Bei rund 300 Hektar ist das ein Prozess, der Monate dauern kann. Die Hitze eines Waldbrands kann instabile Munition in einen Zustand erhöhter Detonationsbereitschaft versetzen, was die Räumung nach dem Feuer noch gefährlicher macht als im Normalbetrieb. Der Hürtgenwald wird auch nach der Brandbekämpfung noch lange kein normales Waldgebiet sein.
Montag, der 17. August, als nächste Zäsur
Bis Montag, den 17. August, wollen die Einsatzkräfte die Brandfront unter Kontrolle gebracht haben. Ob das gelingt, hängt vom Wind und davon ab, ob ausreichend Schneisen rechtzeitig angelegt werden können. Nordrhein-Westfalen hat in den vergangenen Jahren in Waldbrandprävention investiert, unter anderem in Früherkennungssysteme und Brandschneisen. Der Hürtgenwald-Brand zeigt die Grenzen dieser Vorbereitung: Wenn extreme Trockenheit auf ein Gebiet trifft, das Jahrzehnte Kriegsgeschichte in den Boden eingeschrieben hat, stoßen konventionelle Löschkonzepte an ihre Grenzen. Für diese Kombination gibt es in Deutschland kein erprobtes Standardverfahren.
Aktualisierungen
Update 15. August, 22:05 Uhr: Die rund 1.800 Bewohner des evakuierten Ortsteils Gey durften am Samstagnachmittag in ihre Häuser zurückkehren. Der Landrat des Kreises Düren bestätigte, dass der Brandabschnitt um Gey gesichert worden sei und keine unmittelbare Gefahr mehr bestehe. Die Löscharbeiten im übrigen Brandgebiet dauern weiter an. Parallel hat sich im belgischen Hohes Venn, rund 50 Kilometer westlich, ein zweiter Waldbrand auf 1.600 Hektar ausgedehnt, den Belgien als größten seiner Geschichte bezeichnet. Die Stadt Monschau bat Anwohner mehrerer Siedlungen, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Belgien löste erstmals den europäischen Katastrophenschutzmechanismus für einen Waldbrand aus.
Update 16. August, 01:00 Uhr: Die Bundeswehr hat ihre Mittel nochmals aufgestockt. Vier Bergepanzer sind jetzt im Einsatz: Bergepanzer 2 der Technischen Schule des Heeres aus Aachen und Bergepanzer 3 Büffel des Versorgungsbataillons 7 aus Unna. Die Gesamtzahl der Hubschrauber liegt bei zehn Maschinen von Bundeswehr, Bundespolizei und Landespolizei, darunter zwei CH-53 des Hubschraubergeschwaders 64 aus Holzdorf mit je 5.000 Litern Fassungsvermögen. Im Brandgebiet wird gezielt Gegenfeuer eingesetzt: Kurz vor der herannahenden Feuerfront wird Vegetation kontrolliert abgebrannt, um dem Feuer das Brennmaterial zu entziehen. Der Brand im belgischen Hohen Venn hat sich auf mehr als 2.000 Hektar ausgedehnt, die Brandfront steht noch rund drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Monschau hat die Einwohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich aufgefordert, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten.
Update 16. August, 10:10 Uhr: Ministerpräsident Hendrik Wüst sieht erstmals konkreten Grund zur Hoffnung in den NRW-Waldbrandgebieten. Die Lage im Hürtgenwald habe sich im Verlauf des Sonntags stabilisiert, der aktive Brandherd sei weitgehend eingedämmt. Die Löschflugzeuge und Hubschrauber konnten zeitweise abgezogen werden. Für die Bewohner von Gey, die bereits am Samstagabend zurückkehren durften, besteht keine unmittelbare Rückkehrgefahr mehr. Die Einsatzkräfte konzentrieren sich nun auf die Brandnachsorge und die Sicherung von Glutnestern, die in der Tiefe des Torfbodens noch tagelang weiterglimmen können.
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