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International
Hormuskonferenz in Paris: Merz reist, Iran nutzte Chinas Spionagesatelliten

Hormuskonferenz in Paris: Merz reist, Iran nutzte Chinas Spionagesatelliten

Am Freitag beraten Merz, Macron und weitere Partner in Paris über eine multinationale Schifffahrtsmission für die Straße von Hormus. Gleichzeitig zeigt eine FT-Recherche: Der Iran nutzte einen chinesischen Spionagesatelliten, um US-Militärbasen in Saudi-Arabien, Jordanien, Bahrain und dem Irak für Angriffe zu vermessen.

15. April 2026, 16:06 Uhr 1030 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Bundeskanzler Friedrich Merz reist am Freitag persönlich zur Hormuskonferenz nach Paris. Gleichzeitig ist Pakistans Feldmarschall Asim Munir in Teheran eingetroffen, um bilateral mit dem Iran zu verhandeln. Die Krise hat zwei parallele Diplomatiekanäle hervorgebracht, die dieselbe Frist haben: Am 21. April läuft die Waffenruhe aus.

Zwei Spuren, ein Ziel

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat für Freitag, den 17. April, eine Konferenz in Paris organisiert, bei der auch Großbritanniens Premier Keir Starmer und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erwartet werden. Merz hat nach Angaben der Bundesregierung persönlich zugesagt. Das Ziel ist eine strikt defensive, von den Kriegsparteien unabhängige multinationale Mission zur Wiederherstellung der freien Durchfahrt durch die Straße von Hormus.

Das schließt nach Berichten des Wall Street Journal ausdrücklich auch die USA ein. Frankreich will eine Mission, die nicht als Verlängerung der US-Blockade erscheint, sondern als eigenständige europäische Initiative. Das ist heikel: Die Blockade selbst wird von der US-Navy durchgesetzt. Eine europäische Gegenpräsenz könnte als Konfrontation mit einem Nato-Partner wirken.

Der zweite Kanal läuft über Islamabad. Feldmarschall Asim Munir ist gemeinsam mit Innenminister Mohsin Naqvi nach Teheran gereist und wurde dort von Außenminister Abbas Araghchi empfangen. Pakistan hatte bereits die gescheiterten Gespräche in Islamabad der vergangenen Woche vermittelt. Laut Reuters war Munir in den Tagen zuvor nächtelang gleichzeitig mit US-Vizepräsident JD Vance, Sondergesandtem Steve Witkoff und Araghchi im Gespräch, um die Verhandlungen zu reaktivieren.

Der Satellit, der alles ändert

Eine FT-Recherche vom heutigen Mittwoch zeigt eine neue technologische Dimension des Konflikts. Der Iran nutzte den chinesischen Spionagesatelliten TEE-01B, um US-Militärbasen gezielt zu überwachen, bevor er im April Drohnenangriffe und Raketenangriffe durchführte. Der Satellit wurde von der chinesischen Firma Earth Eye Co gebaut und Ende 2024 ins All gebracht. Nach dem Start übergab Earth Eye Co ihn über ein Orbital-Übergabeverfahren direkt aus dem chinesischen Orbit an die Islamische Revolutionsgarde.

TEE-01B bietet eine Auflösung von rund 0,5 Metern. Das ist fünfmal schärfer als Irans eigener Satellit Noor 3 und vergleichbar mit kommerziellen westlichen Satelliten. Mit dieser Auflösung lassen sich Flugzeuge, Fahrzeuge und Veränderungen an Infrastruktur identifizieren. Zeitgestempelte Koordinatenlisten, Satellitenbilder und Orbitalanalysen zeigen, dass iranische Kommandeure den Satelliten einsetzten, um die Luftwaffenbasis Prince Sultan in Saudi-Arabien, die Luftwaffenbasis Muwaffaq Salti in Jordanien, den US-Flottenstützpunkt in Bahrain und den Flughafen Erbil im Irak zu überwachen. Die Aufnahmen erfolgten im März, vor und nach den Raketenangriffen vom 14. April.

Peking wies den Bericht zurück. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums bezeichnete die Vorwürfe als haltlos. Earth Eye Co äußerte sich zunächst nicht. Für die USA und ihre Verbündeten stellt der Fall eine neue Frage: Wie soll eine Diplomatie Druck auf den Iran aufbauen, wenn China ihm gleichzeitig militärisch verwertbare Satelliteninfrastruktur bereitstellt?

Trumps Bedingungen bleiben unverändert

Trumps offizielle Position hat sich nicht verschoben: Die Blockade bleibt bestehen, bis der Iran auf Urananreicherung verzichtet und die Bitcoinmautgebühren für Tanker im Persischen Golf abschafft. Beide Forderungen lehnt Teheran bisher ab. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf bekräftigte am Dienstag, das Recht auf Urananreicherung sei für den Iran nicht verhandelbar.

Was sich verändert hat: Trump deutete intern an, er halte eine zweite Gesprächsrunde nicht für ausgeschlossen. CNN und Time berichteten das unabhängig voneinander unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Ein konkreter Termin steht nicht fest.

Was die Blockade kostet

Kerosin kostet in Nordwesteuropa inzwischen 239 Dollar pro Barrel, dreimal so viel wie vor Kriegsbeginn. ACI Europe, der Dachverband europäischer Flughafenbetreiber, warnt: Ohne Öffnung der Meerenge droht binnen drei Wochen ein systemischer Kerosinmangel. Lufthansa prüft die Stilllegung von bis zu 40 Flugzeugen. Die Tankerversicherungsprämien im Persischen Golf haben sich laut Lloyd's-Daten seit Kriegsbeginn versiebenfacht.

Ausblick: Freitag Paris, Dienstag Frist

Die Konferenz in Paris am 17. April soll zunächst eine politische Absichtserklärung produzieren. Eine operative Schifffahrtsmission braucht danach noch Wochen zur Vorbereitung. Am 21. April läuft die Waffenruhe aus. Falls bis dahin keine Gespräche zwischen den USA und dem Iran beginnen, droht die nächste Eskalationsstufe: eine iranische Gegenreaktion gegen US-Marineeinheiten im Persischen Golf oder ein Angriff der Huthis auf die Meerenge Bab al-Mandeb. Beide Szenarien könnten den Ölpreis über 150 Dollar treiben.

Update 17. April, 04:36 Uhr: Die Pariser Konferenz hat am 17. April mit mehr als 40 Partnern stattgefunden, die meisten per Videokonferenz. Bundeskanzler Merz machte ein konkretes Angebot: Minenjagdboote der Bundeswehr, ein Versorgungsschiff und Aufklärungsflieger, jeweils unter der Bedingung, dass die Waffenruhe hält. Großbritanniens Premier Starmer bekräftigte, London lehne die einseitige US-Blockade ab. Ein operativer Beschluss zur multinationalen Mission blieb aus; die Konferenz verabschiedete zunächst eine politische Absichtserklärung. Das US Central Command bestätigte unterdessen, dass Navy-SEAL-Teams im Einsatz sind, um die Blockade durchzusetzen und im Bedarfsfall Schiffe zu entern.

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