
18 Tage Gros Bessillon: Frankreichs Brandsommer ohne Ende
Quellen (10)
- Nachrichten.fr: Waldbrand im Var flammt erneut aufnachrichten.fr
- Nachrichten.fr: Waldbrand im Var breitet sich vorerst nicht weiter ausnachrichten.fr
- NEWZS.de: Frankreich — Ausbreitung von Waldbrand gestopptnewzs.de
- Euronews: Wildfires — Var department once again facing the flameseuronews.com
- Fireworld.at: Frankreichs Feuerwehren kämpfen gegen historischen Waldbrandsommerfireworld.at
- ZEIT Online: Waldbrand Frankreich Gros Bessillonzeit.de
- Deutschlandfunk: Ausbreitung von Waldbrand nach 18 Tagen gestopptdeutschlandfunk.de
- Euronews: Wildfire season in Europe on track for worst year on recordeuronews.com
- SRF: Heftige Waldbrände in Frankreich und Spanien — aktuelle Lagesrf.ch
- ZDF heute: Lage in Frankreich und Spanien verschärft sichzdfheute.de
Seit Dienstagabend gilt der Waldbrand am Gros Bessillon im Département Var als „fixé”, eingedämmt, aber nicht erloschen. 700 Feuerwehreinsatzkräfte, acht Canadair-Wasserflugzeuge, sechs Hubschrauber und zwei Dash-Löschflugzeuge haben einen Brand unter Kontrolle gebracht, der 18 Tage lang wütete, 6.300 Hektar Wald und Macchia vernichtete, 31 Häuser zerstörte und 2.500 Menschen zur Evakuierung zwang. Das Dorf Correns mit rund 1.000 Einwohnern war tagelang vollständig abgeschnitten.
Wie Gros Bessillon begann und eskalierte
Das Feuer brach am 21. Juli nahe Pontevès im Hinterland des Var aus. Zu diesem Zeitpunkt galt das Département als Risikogebiet: vier Monate anhaltende Dürre hatten die Vegetation so ausgetrocknet, dass Experten von Feuchtewerten sprachen, die sonst für den Hochsommer typisch sind, bereits im Juli. Bis zum 28. Juli hatte das Feuer 4.500 Hektar verbrannt; die Einsatzkräfte meldeten es als unter Kontrolle.
Am 31. Juli änderte sich das. Starke Mistralwinde fachten die Glut wieder an und trieben die Flammen westwärts auf Correns zu. Simon Babre, Präfekt des Var, ordnete sofortige Evakuierungen an. Innerhalb von 48 Stunden wurden 2.500 Personen aus sechs Gemeinden in Sicherheit gebracht. Die Feuerwehr kämpfte in dieser Phase unter Bedingungen, die Einsatzleiter als „extreme Brandintensität” beschrieben: Die Kombination aus ausgedörrtem Unterholz, topografischen Mulden, die Sauerstoff kanalisieren und dem Mistral schuf Feuerfronten, gegen die Löschhubschrauber zeitweise wirkungslos waren.
Seit dem 5. August machte das Feuer keine Fortschritte mehr. Die endgültige Eingrenzung erfolgte am Dienstagabend.
Ein Sommer der Superlative
Gros Bessillon ist kein Ausreißer, sondern der Schwerpunkt eines Saisonmusters. Bis Ende Juli 2026 verbrannten in Frankreich nach Angaben des Innenministeriums rund 119.000 Hektar, mehr als im gesamten Jahr 2025. 14.320 Brände wurden registriert. Allein in der Gironde um Bordeaux, wo im Juli das bislang größte Feuer der Saison wütete, verbrannten zeitweise mehr als 42.000 Hektar; 220.000 Menschen wurden evakuiert, zwei Feuerwehrleute kamen ums Leben. Im Département Var brannten seit Mai bereits drei größere Feuer, bevor der Gros Bessillon ausbrach.
Spanien trifft es ähnlich: Das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus meldete für Spanien bis Ende Juli über 200.000 verbrannte Hektar, mehr als in jedem anderen EU-Land. Die Waldbrandnotstandsregion Sierra Oeste wurde erstmals seit Jahrzehnten unter nationalen Ausnahmezustand gestellt.
In den USA verlief die Saison bereits historisch: Bis Anfang August hatten Brände mehr als 5,6 Millionen Hektar vernichtet, die schwerste Saison seit zwei Jahrzehnten. Der Superior National Forest in Minnesota brennt auf rund 27.500 Hektar.
Struktur, nicht Pech
Dass der Gros Bessillon überhaupt 18 Tage brennen konnte, liegt nicht nur am Mistral. Klimatologen des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) haben für die Brandsaison 2026 drei Ursachen identifiziert, die sich verstärken: anhaltende Trockenphasen seit April, in Teilen der Provence fiel seit März 2026 weniger als 40 Prozent der üblichen Regenmenge, Hitzewellen, die Vegetation in wenigen Tagen von feucht auf brandfähig abtrocknen lassen und erhöhte Windaktivität durch eine veränderte Zirkulation im Mittelmeerraum.
Der langfristige Trend in Europa ist tatsächlich gemischt: Copernicus weist darauf hin, dass die durchschnittliche verbrannte Fläche in südeuropäischen Ländern über die vergangenen 20 Jahre leicht gesunken ist, weil Brandmanagement und Frühwarnsysteme besser wurden. Doch die Extremereignisse nehmen zu: Feuer, die hundert oder mehr Tage brennen, gibt es häufiger als je zuvor. Die Statistik verschleiert, dass ein einziges Megafeuer wie Bordeaux 2026 oder das griechische Mati-Feuer 2018 mehr zerstören kann als Dutzende kleiner Brände zusammen.
Frankreichs Regierung kündigte nach dem Bordeaux-Brand eine Überprüfung der Brandschutzpläne für alle Küstenregionen an. Die Marseiller Feuerwehr hat für die Provence ein Echtzeitüberwachungssystem aus Infrarot-Drohnen beantragt, das automatisch Temperaturanomalien meldet, bevor ein Feuer sich ausbreitet. Das Budget dafür ist für 2027 eingeplant.
Was Gros Bessillon kostet
Die 31 zerstörten Häuser werden nach ersten Schätzungen der Präfektur rund 12 Millionen Euro Versicherungsschaden verursachen. Die Forstbehörde Département Var schätzt den ökologischen Schaden, vernichtete Biomasse, zerstörte Habitate, Bodenerosion durch fehlende Vegetationsdecke, auf das Dreifache davon. Wiederaufforstungen in mediterranen Brandzonen dauern in der Regel 40 bis 60 Jahre, bis die ursprüngliche Artenvielfalt sich annähert.
Für die evakuierten Bewohner von Correns und den umliegenden Gemeinden beginnt der Rückweg, sobald die Nachlöscharbeiten abgeschlossen sind. Das Innenministerium rechnet mit einer Freigabe der Evakuierungsgebiete bis Mitte August. Das Gros Bessillon selbst wird als Brandgebiet noch Wochen unter Beobachtung bleiben: Glutnester in tiefer Wurzelzone können sich bei erneuter Windzunahme reaktivieren.
Drei weitere aktive Brände brennen derzeit in der Region Occitanie. Die Saison endet in Südfrankreich statistisch erst im Oktober.
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