WM 2026: Wie Frankreich zum einsamen Favoriten wurde
Vier Tage nach dem deutschen Elfmeterschießen-Aus in Foxborough beginnt morgen das WM-Achtelfinale. Paraguay, die Mannschaft die Deutschland mit 3:4 aus dem Turnier geworfen hat, trifft in Philadelphia auf Frankreich, den klaren Favoriten auf den Titel. Marokko hat die Niederlande eliminiert. Norwegen mit Erling Haaland spielt gegen Brasilien. Alle drei Gastgebernationen sind noch im Turnier. Die WM 2026 sieht anders aus als erwartet.
Deutschland und die Niederlande: Gleicher Abend, gleicher Ausgang
Am vergangenen Montag schieden Deutschland und die Niederlande am selben Abend aus der WM aus, beide durch Elfmeterschießen, beide nach 1:1 nach Verlängerung. Deutschland verlor im Foxborough-Stadion gegen Paraguay mit 3:4: Torhüter Orlando Gill hielt die Versuche von Kai Havertz und Nick Woltemade, Jonathan Tah schoss im plötzlichen Tod über das Tor. Die Niederlande verloren gegen Marokko mit 2:3 im Elfmeterschießen, ebenfalls nach 1:1. Beide Mannschaften hatten die Gruppenphase als Sieger abgeschlossen.
Der Doppelausfall zweier traditionsreicher Fußballnationen am selben Abend war kein reiner Zufall. Deutschland hatte laut Sportschau-Analyse "sogar einfache Mittel gefehlt". Die Niederlande, bei der Euro 2024 noch Halbfinalist, verloren gegen Marokko trotz mehr Ballbesitz. Von den traditionellen europäischen Titelkandidaten sind noch Frankreich, Spanien und England im Turnier, alle anderen sind raus.
Frankreich mit Mbappé auf WM-Rekordkurs
Frankreich ist der deutliche Topfavorit des Turniers. Trainer Didier Deschamps führte die Mannschaft durch eine dominante Gruppenphase: 3:1 gegen Senegal, 3:0 gegen den Irak, 4:1 gegen Norwegen. Kylian Mbappé traf dabei fünfmal allein in der Vorrunde. Die US-amerikanische Wettplattform FanDuel gibt Frankreich eine implizite Titelwahrscheinlichkeit von rund 36 Prozent, deutlich vor Argentinien (rund 20 Prozent) und allen anderen Kandidaten.
Im Achtelfinale wartet Paraguay. Dass genau diese Mannschaft Deutschland aus dem Turnier geworfen hat, macht dieses Spiel für viele WM-Zuschauer besonders aufgeladen. Paraguay spielte gegen Deutschland defensiv diszipliniert, ließ wenig zu und war im Elfmeterschießen kaltblütig. Trainer Gustavo Alfaro setzt auf kompakte Defensive und schnelle Konter. Ob das gegen die überlegene Offensive Frankreichs trägt, ist die zentrale Frage des Spiels am 4. Juli in Philadelphia (23:00 Uhr MESZ).
Marokko: Der Bezwinger der Niederlande
Die überraschendste Geschichte des Turniers kommt aus Nordafrika. Marokko hat die Niederlande im Elfmeterschießen herausgeworfen und trifft im Achtelfinale auf Kanada. Trainer Mohamed Ouahbi, der erst im März 2026 den zurückgetretenen Walid Regragui ablöste, spielt ein kompaktes 4-2-3-1. Bilal El Khannouss (22 Jahre, VfB Stuttgart) war in der Bundesliga-Saison mit neun Toren und sieben Vorlagen der prägende Mittelfeldspieler und bestätigt diese Form. Kapitän Achraf Hakimi (Paris Saint-Germain, Champions-League-Sieger 2026) liefert die Energie über rechts.
Nach dem Sieg über die Niederlande kam es in Den Haag zu schweren Ausschreitungen: Fans blockierten Straßen, Beamte wurden mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen, die Polizei setzte Wasserwerfer ein und nahm 13 Personen fest. Niederländische Medien berichteten von einem der schwersten Vorfälle rund um ein Sportspiel seit Jahren. Ouahbi sagte nach dem Spiel: "Niemand kann uns aufhalten." Im Achtelfinale trifft Marokko am 4. Juli (19:00 Uhr MESZ) in Houston auf Kanada.
Haaland gegen Vinicius Junior
Das faszinierendste Einzelduell des Achtelfinales steigt am 5. Juli (22:00 Uhr MESZ) im MetLife Stadium in East Rutherford: Norwegen gegen Brasilien. Erling Haaland hat in der Gruppenphase viermal getroffen und trifft nun seit 13 aufeinanderfolgenden Länderspielen, ein Rekord für Norwegen. Im Sechzehntelfinale gegen die Elfenbeinküste erzielte er den 2:1-Siegtreffer in der 86. Minute. Flügelstürmer Antonio Nusa (RB Leipzig) schreibt ebenfalls WM-Geschichte für Norwegen.
Brasilien schickt Vinicius Junior und den 18-jährigen Endrick ins Rennen. Trainer Carlo Ancelotti, der nach seinem Champions-League-Sieg mit Real Madrid die Nationalmannschaft übernommen hatte, steht das erste Mal als Nationaltrainer in einem WM-Achtelfinale. In der Gruppenphase hatten Brasilien und Marokko bereits 1:1 gespielt, was zeigt, wie ausgeglichen die Kräfteverhältnisse in diesem Turnier sind.
Alle Gastgebernationen noch dabei
Politisch bemerkenswert: Alle drei Co-Gastgeber sind noch im Turnier. Die USA treffen am 7. Juli (02:00 Uhr MESZ) in Seattle auf Belgien. Mexiko spielt am 6. Juli (02:00 Uhr MESZ) im Estadio Azteca gegen England. Kanada trifft am 4. Juli auf Marokko. Dass alle drei Gastgeber das Achtelfinale erreicht haben, ist statistisch ungewöhnlich. Kritiker hatten bei der WM-Vergabe an drei Länder kommerziellen Interessen den Vorrang vor sportlicher Logik vorgeworfen. Die verbliebenen 16 Mannschaften zeigen, dass das Argument der Qualitätsverwässerung durch das größere Teilnehmerfeld bisher nicht trägt.
Vier Spiele in drei Tagen: Das Programm ab morgen
Das Achtelfinale eröffnet morgen mit zwei Spielen: Kanada gegen Marokko in Houston (4. Juli, 19:00 Uhr MESZ) und Paraguay gegen Frankreich in Philadelphia (4. Juli, 23:00 Uhr MESZ). Am 5. Juli folgt Brasilien gegen Norwegen (22:00 Uhr MESZ, MetLife Stadium). Am 6. Juli spielt Mexiko gegen England im Estadio Azteca (02:00 Uhr MESZ), am 7. Juli USA gegen Belgien in Seattle (02:00 Uhr MESZ). Vier Spiele gegen Teams aus vier verschiedenen Kontinenten: Das Achtelfinale der WM 2026 bietet so viel Unvorhersehbarkeit wie lange kein Turnier zuvor.
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