Belarus schaltet Drohnen ab und baut Armee auf
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Belarus schaltet Drohnen ab und baut Armee auf

Selenskyjs Sieben-Tage-Ultimatum zeigte Wirkung: Belarus schaltete russische Drohnenrelais vor Fristablauf ab. Doch parallel erhöhte Minsk die Zahl seiner Berufssoldaten um die Hälfte, verfünffachte das Militärbudget und strich die Neutralität aus der Verfassung. Dokumentiert von der belarussischen Exilregierung.

10. Juli 2026, 17:09 Uhr 797 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Selenskyj setzte Lukaschenko mit einem Sieben-Tage-Ultimatum unter Druck: Die russischen Drohnenrelais auf belarussischem Boden müssten weg. Andernfalls würde die Ukraine russische Militärstützpunkte in Belarus angreifen. Belarus gehorchte und schaltete die Geräte vier Tage vor Fristablauf ab. Was gleichzeitig passiert, fasste die belarussische Exilregierung im Juni in einem Bericht zusammen: verdoppelte Soldatenzahl, verfünffachtes Militärbudget und eine abgeschaffte Verfassungsneutralität.

Wie Belarus in den Krieg hineingezogen wurde, ohne offiziell dabei zu sein

Im Februar 2022 nutzte Russland belarussisches Territorium als Aufmarschgebiet für seinen Vorstoß auf Kyjiw. Der Angriff scheiterte, Belarus blieb offiziell außen vor. Seither hält Lukaschenko an dieser Linie fest: Keine belarussischen Soldaten kämpfen in der Ukraine, Belarus ist kein Kriegsteilnehmer.

Was er nicht sagt: Belarus hat seit 2022 russische Drohnenrelaisstationen auf seinem Gebiet geduldet. Diese Anlagen leiteten russische Angriffsdrohnen auf ukrainische Ziele um, indem sie die Signale verstärkten und das Navigationssignal durch belarussisches Territorium führten. Ukrainische Geheimdienste identifizierten entsprechende Standorte in den Regionen Homiel und Brest, unmittelbar an der ukrainisch-belarussischen Grenze. Außerdem stationierte Russland seit 2023 taktische Atomwaffen in Belarus, nachdem Lukaschenko einem entsprechenden Abkommen zugestimmt hatte.

Selenskyjs Ultimatum und das überraschende Einlenken

Am 19. Juni 2026 setzte Selenskyj Lukaschenko eine öffentliche Frist von sieben Tagen: Belarus solle alle Anlagen abschalten, die Russland für die Drohnensteuerung nutzt. Andernfalls werde die Ukraine russische Militär- und Sicherheitsobjekte auf belarussischem Boden direkt angreifen. Die Drohung war ungewöhnlich konkret. Und sie wirkte.

Am 24. Juni, zwei Tage vor Fristablauf, berichtete Selenskyj, die entsprechenden Relaisstationen in Belarus hätten seit dem 22. Juni aufgehört zu senden. „Ich weiß nicht, ob sie abgebaut oder nur abgeschaltet wurden”, sagte Selenskyj. „Ich überwache das täglich.” Der Tagesspiegel und das Kyiv Independent bestätigten unabhängig voneinander, dass die Signale aus Homiel und Brest nicht mehr messbar waren.

Lukaschenko gab seinerseits eine eigene Erklärung ab: Belarus befinde sich im „hybriden Krieg” von außen, aber seine Streitkräfte würden keine Truppen in die Ukraine entsenden. Er habe zuletzt eine Delegation aus Kyjiw empfangen. „Lasst uns verhandeln, Leute”, sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Belta.

Was die Exilregierung dokumentierte

Am selben Tag, an dem Belarus die Relais abschaltete, überreichte das Vereinigte Übergangskabinett, die belarussische Exilregierung mit Sitz in Warschau, dem ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha einen detaillierten Bericht. Sein Inhalt ist alarmierend.

Das Kabinett dokumentierte acht Warnzeichen, die auf eine zunehmende Kriegsvorbereitung hinweisen, darunter: Erstens wurde die Neutralität aus der belarussischen Verfassung gestrichen. Belarus ist damit formal kein neutraler und atomwaffenfreier Staat mehr. Zweitens stieg die Zahl der Berufssoldaten seit 2022 um das Anderthalbfache. Drittens stieg das Militärbudget im Staatshaushalt auf das Fünffache. Viertens ermächtigte ein Regierungsdekret vom 15. Mai 2026 die Requisition von Privatfahrzeugen für militärische Transportkolonnen. Fünftens wurden im gesamten Jahr 2026 großangelegte Militärübungen abgehalten, die nach Einschätzung der Exilregierung als Mobilisierungstests konzipiert sind. Sechstens wird die Gesellschaft zunehmend militarisiert, inklusive Schulkinder.

Präsident Selenskyj hatte kurz zuvor, am 25. Juni, eine weitere Beobachtung öffentlich gemacht: An der belarussisch-ukrainischen Grenze sei der Bau von Straßen, Munitionslagern und Treibstoffdepots „kurz vor dem Abschluss”. Diese Infrastruktur habe keinen anderen erkennbaren Verwendungszweck als einen militärischen.

Wie Lukaschenkas Spielraum schrumpft

Die Washington Post beschrieb die Situation am 7. Juli als „Belarus zwischen den Mühlsteinen”: Wladimir Putin mache zunehmend Druck, weil die russische Offensive in der Donezk-Region nicht die erhofften Fortschritte mache. Lukaschenko stehe zwischen der Option, Putins Bitten nachzugeben und damit Selenskyjs Drohung zu riskieren und der Option, Putin zu verweigern und damit die eigene Regime-Stabilität zu gefährden.

Die Abschaltung der Drohnenrelais war ein taktisches Nachgeben gegenüber Kyjiw. Strukturell aber rüstet Belarus weiter auf. Die Exilregierung warnte: Die Relaisanlagen können innerhalb von Wochen reaktiviert werden. Und die militärische Infrastruktur an der Grenze, die Verfassungsänderung und die Budgetentscheidungen sind dauerhafter Natur.

Die Frage, die Polen und die baltischen NATO-Staaten beobachten, lautet: Ob Lukaschenko im nächsten russischen Offensivversuch noch einmal standhält. Oder ob der Druck aus Moskau dann zu groß ist.

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