Berggorillas: Von 254 auf 1.063 in 40 Jahren
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Berggorillas: Von 254 auf 1.063 in 40 Jahren

Die globale Berggorilla-Population hat sich seit ihrem Tiefstand von 254 Tieren im Jahr 1981 mehr als vervierfacht. Hinter dem Erfolg steckt ein System aus Rangerpatrouillen, Tourismuseinnahmen und grenzüberschreitender Kooperation. Aber der Konflikt im Ostkongo und ein winziger Lebensraum machen den Fortschritt fragil.

1. Juni 2026, 17:07 Uhr 666 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die globale Population der Berggorillas hat sich in vier Jahrzehnten mehr als vervierfacht: von einem dokumentierten Tiefstand von 254 Tieren im Jahr 1981 auf 1.063 im letzten kombinierten Zensus. Im November 2018 stufte die Weltnaturschutzunion IUCN die Art erstmals von "vom Aussterben bedroht" auf "gefährdet" herab. Es ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten des modernen Artenschutzes, die durch unabhängige Zählungen über vier Jahrzehnte belegt ist. Aber auch eine unter anhaltend großem Druck.

Von 254 Tieren auf über 1.000

In den frühen 1980er Jahren schien die Zukunft des Berggorillas besiegelt. Feldforscherin Dian Fossey zählte 1981 im Virunga-Massiv nur noch 254 Individuen. Wilderei, Bürgerkrieg und die Zerstörung des Lebensraums durch eine der am dichtesten besiedelten Regionen Afrikas hatten die Population nahezu ausgelöscht.

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Heute existieren weltweit zwei getrennte Berggorilla-Populationen. Das Virunga-Massiv, das sich über Ruanda, die Demokratische Republik Kongo und Uganda erstreckt, beheimatet laut Zensus von 2016 genau 604 Tiere. Das Bwindi-Sarambwe-Ökosystem an der Uganda-DRC-Grenze zählte beim Zensus 2018/2019 459 Tiere. Zusammen sind das 1.063 bestätigte Individuen. Ein neuer Bwindi-Zensus, der am 6. Mai 2025 begann und an dem 15 Naturschutzorganisationen beteiligt sind, wird voraussichtlich 2026 aktualisierte Zahlen liefern.

1989 lag die Gesamtpopulation beider Lebensräume bei schätzungsweise 620 Tieren. Der Anstieg auf 1.063 entspricht einem Zuwachs von über 70 Prozent seither.

Drei Faktoren, die den Unterschied machten

Der Erfolg lässt sich auf drei Kernelemente zurückführen.

Erstens: konsequenter Schutz im Gelände. Über 1.000 Ranger bewachen die vier Schutzparks. Im Virunga-Nationalpark allein wurden seit der Gründung über 200 Ökowächter getötet. 2024 patrouillierten die Teams nach Parkangaben über 8.461 Kilometer und überwachten per Flugzeug und Drohne mehr als 180.000 Kilometer Terrain. Hinzu kommt das digitale Monitoringsystem SMART, das seit 2012 Wilderei-Hinweise und Tierbeobachtungen in Echtzeit erfasst und heute an über 1.000 Standorten in 70 Ländern eingesetzt wird.

Zweitens: Tourismus als Finanzierungsmodell. Ruanda verlangt 1.500 Dollar pro Gorilla-Trekking-Erlaubnis, Uganda 800 Dollar. Insgesamt generiert der Gorilla-Tourismus nach Angaben der African Wildlife Foundation über 200 Millionen Dollar jährlich und macht rund 60 Prozent von Ruandas Tourismuseinnahmen aus. Ruanda leitet 10 bis 15 Prozent der Parkeintrittsgelder direkt an umliegende Gemeinden weiter; über 400 Gemeinschaftsprojekte wurden so finanziert.

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Drittens: grenzüberschreitende Institutionen. Die Greater Virunga Transboundary Collaboration (GVTC) koordiniert Rangereinsätze, Tiermonitoring und Schmuggelbekämpfung über drei nationale Grenzen.

Vergleichbare Tier-Comebacks als Maßstab

Der Berggorilla steht nicht allein in dieser Kategorie. Der Iberische Luchs zählte 2002 auf der Iberischen Halbinsel noch unter 100 Tiere; laut IUCN-Datenlage 2024 waren es über 2.000. Der Europäische Wisent, 1925 in freier Wildbahn ausgerottet, lebt heute laut IUCN in über 8.000 Exemplaren, vor allem im Bialowieza-Urwald an der polnisch-belarussischen Grenze. Der Kalifornische Kondor, 1987 mit nur 27 Individuen vollständig aus der Natur entnommen, zählte 2024 wieder über 500 Tiere in freier Wildbahn und in Gefangenschaft zusammen.

Was diese Fälle eint: Der Erfolg brauchte Jahrzehnte, verlässliche internationale Zusammenarbeit und konsequente Finanzierung. Beim Berggorilla war ein entscheidender Vorteil, dass die Art nie vollständig aus ihrem Lebensraum verschwand. Das machte Wiederansiedlungen überflüssig, beließ aber den Schutz in einem dauerhaft umkämpften Gebiet.

Drei offene Risiken: Konflikt, Krankheit, Raumnot

Das unmittelbarste Risiko ist der andauernde Konflikt in der DRC. Seit Januar 2025 kontrolliert die Rebellengruppe M23 Teile des östlichen Kongo nahe dem Virunga-Nationalpark. Mongabay berichtete im April 2025 von einem 50-prozentigen Rückgang aller Wildtiere in den besetzten Zonen; Ökowächter mussten Posten verlassen, die Zahl der aufgefundenen Schlingen stieg auf Rekordniveau. Die Gorilla-Population selbst hat offenbar bislang standgehalten: 2024 wurden 10 Geburten registriert, bis März 2026 bereits 7, darunter ein zweites seltenes Zwillingspaar im Virunga-Park.

Das zweite Risiko ist biologisch. Berggorillas teilen 98 Prozent ihrer DNA mit Menschen und sind anfällig für dieselben Erreger. Atemwegserkrankungen sind nach Verletzungen die häufigste Todesursache bei habituation-nahen Tieren. Speziell nach Ausbrüchen humaner Atemwegsinfektionen in Grenznähe steigt die Gefährdung der Gruppen.

Das dritte Risiko ist strukturell. Der gesamte Lebensraum der Art umfasst nur etwa 800 Quadratkilometer, aufgeteilt auf zwei nicht verbundene Ökosysteme, umgeben von einer der am dichtesten besiedelten Regionen Afrikas. Eine Erweiterung ist biologisch und politisch nicht möglich. was auch die IUCN in ihrer Statusanpassung festhielt: Die Art sei "immer noch gefährdet und Naturschutzmaßnahmen müssen weitergehen."

Quellen (10)

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