DRK warnt: Blutreserven reichen nur für zwei Tage
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DRK warnt: Blutreserven reichen nur für zwei Tage

Kurz nach dem Weltblutspendetag meldet das Deutsche Rote Kreuz kritisch niedrige Blutreserven. In einzelnen Regionen reichen die Bestände nur noch für zwei Tage. Das Problem ist nicht saisonal, sondern strukturell und wächst.

17. Juni 2026, 14:41 Uhr 731 Wörter · 4 Min. Lesezeit

In einzelnen Regionen Deutschlands reichen die Blutreserven nur noch für zwei Tage. Das Deutsche Rote Kreuz hat kurz nach dem Weltblutspendetag am 14. Juni Alarm geschlagen: Die Bestände an den Blutgruppen 0-, A- und 0+ sind auf einem kritischen Niveau. Das Problem hat wenig mit mangelnder Bereitschaft zu tun und viel mit Demografie.

Was ein Vorrat für zwei Tage medizinisch bedeutet

Täglich werden in Deutschland zwischen 14.000 und 15.000 Blutspenden benötigt, um die Versorgung von Schwerkranken, Unfallopfern und Patientinnen nach großen Operationen sicherzustellen. Die Vorhaltemenge, die das System für einen reibungslosen Betrieb braucht, liegt laut DRK bei rund vier bis fünf Tagen. Ein Puffer von zwei Tagen ist medizinisch riskant: Blut, das heute gespendet wird, ist nach Testung und Verarbeitung frühestens nach 24 bis 48 Stunden einsetzbar. Sinkt der Vorrat unter diese Schwelle, müssen planbare Eingriffe verschoben werden.

Besonders problematisch ist die Lage bei der Blutgruppe 0 Rhesus negativ. Nur etwa 6 Prozent der deutschen Bevölkerung haben diese Blutgruppe, aber sie ist universell verträglich: Im Notfall kann 0- an Patientinnen und Patienten jeder Blutgruppe gegeben werden, bevor das Testergebnis vorliegt. Das macht sie zum bevorzugten Notfallblut in Schockraumversorgungen und bei Massenanfalllagen. Wenn 0- knapp wird, schränkt das die Handlungsfähigkeit der Notfallmedizin direkt ein.

Warum der Nachschub strukturell schrumpft

Der Blutspendedienst NSTOB des DRK hat zum Weltblutspendetag die Ursache benannt: demografischer Wandel. Jährlich scheiden rund 100.000 aktive Blutspenderinnen und Blutspender aus dem Pool aus, weil sie die Altersgrenze von 73 Jahren erreichen oder wegen eigener Erkrankungen nicht mehr spenden dürfen. Die Lücke, die sie hinterlassen, schließen Erstspender nicht mehr ausreichend.

Laut DRK registrierten die Blutspendedienste in Deutschland im Jahr 2025 insgesamt 283.054 Erstspendewillige, knapp zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Im Jahr 2024 war die Zahl der Erstspender bereits um mehr als sechs Prozent gesunken. Das ist keine saisonale Schwankung, sondern ein anhaltender Rückgang über mehrere Jahre.

Hinter den Zahlen steckt ein Strukturproblem: Der Spenderpool in Deutschland wird durchschnittlich älter. Viele langjährige Stammspender sind 60 Jahre und älter, ein Altersbereich, in dem das Risiko für Erkrankungen steigt, die eine Spende ausschließen. Gleichzeitig gelingt es nicht, junge Menschen im selben Tempo nachzurekrutieren. Heute spenden weniger als drei Prozent der Deutschen regelmäßig Blut.

Was das System jetzt braucht

Das DRK setzt auf Sommerappelle, Firmenkooperationen und verstärkte Werbung an Schulen und Hochschulen. DRK-Sprecher Patric Nohe sagte der Deutschen Presse-Agentur vor dem Weltblutspendetag: "Wir haben immer mehr ältere Spender und weniger junge, die nachkommen." Die Spendeintervalle sind gesetzlich begrenzt: Männer dürfen sechsmal, Frauen viermal jährlich spenden. Eine Ausweitung dieser Obergrenzen ist aus medizinischen Gründen nicht sinnvoll.

Eine bereits in der Debatte befindliche Maßnahme ist die Erweiterung des Spenderkreises auf risikoorientierter Basis. Frankreich, Großbritannien und mehrere andere EU-Länder haben den pauschalen Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben, durch eine individuelle Risikoabschätzung ersetzt. Deutschland diskutiert ähnliche Schritte. Würde die Spendereignung auf Basis konkreter Verhaltensrisiken statt auf Basis von Gruppenmerkmalen bewertet, könnten bisher ausgeschlossene Menschen die Spende aufnehmen.

Was die Entwicklung bis 2030 entscheidet

Wenn die Erstspenderzahlen weiter mit zwei bis sechs Prozent jährlich sinken, fällt die Spendermenge bis 2030 deutlich unter die kritische Marke. Der DRK-Blutspendedienst NSTOB warnt, dass allein der demografiebedingte Verlust ohne ausreichende Ersatzrekrutierung binnen weniger Jahre zu chronischen regionalen Engpässen führen kann, besonders in strukturschwachen Regionen mit wenigen großen Arbeitgebern als Spendestandorte.

Drei Faktoren entscheiden, ob das gelingt: eine Reform der Spendeeignungskriterien auf risikoorientierter Basis, eine systematische Einbindung von Betrieben und Hochschulen als Rekrutierungsorte und eine stärkere öffentliche Sichtbarkeit des Problems. Das letzte ist die einfachste Maßnahme. Deutschland zählt rund 60 Millionen potenziell spendebereite Erwachsene. Drei Prozent davon nehmen tatsächlich teil.

Quellen (8)

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