Baum aus Brasilien sperrt SARS-CoV-2 dreifach aus
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Baum aus Brasilien sperrt SARS-CoV-2 dreifach aus

Verbindungen aus Copaifera lucens, einem brasilianischen Baum, hemmen SARS-CoV-2 an drei Angriffspunkten gleichzeitig. Die Studie der Universität São Paulo verzeichnet 80 Prozent Hemmung beim Viruseintritt und 85,6 Prozent bei der Replikation.

13. Mai 2026, 16:40 Uhr 664 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die meisten antiviralen Medikamente zielen auf einen einzigen Angriffspunkt. Das macht sie anfällig: Eine Mutation reicht, um ihre Wirkung zu unterlaufen. Forscher der Universität São Paulo haben in Copaifera lucens Dwyer, einem Baum aus Brasiliens Atlantischem Regenwald, Verbindungen identifiziert, die das SARS-CoV-2-Virus an drei unabhängigen Stellen gleichzeitig blockieren. Die im Mai 2026 in Scientific Reports veröffentlichte Studie misst eine Hemmung des Viruseintritts in Körperzellen um 80 Prozent und eine Verlangsamung der viralen Replikation um 85,6 Prozent.

Ein Baum aus dem Atlantischen Regenwald

Brasiliens Mata Atlântica, der Atlantische Regenwald, gehört zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde. Obwohl er auf weniger als 12 Prozent seiner ursprünglichen Fläche geschrumpft ist, beherbergt er laut WWF über 8.000 endemische Pflanzenarten. Die meisten davon wurden noch nie auf medizinische Wirkstoffe untersucht.

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Copaifera lucens Dwyer, ein mittelgroßer Baum aus der Familie der Hülsenfrüchtler, ist in der Volksmedizin Südamerikas bekannt: Aus dem Harz der Copaifera-Gattung werden seit Jahrhunderten Öle gegen Entzündungen gewonnen. Die Blätter rückten erst jetzt ins Zentrum der Forschung. Prof. Jairo Kenupp Bastos und sein Team an der Faculdade de Ciências Farmacêuticas de Ribeirão Preto der Universität São Paulo isolierten aus diesen Blättern sogenannte Galloylquinic acids: phenolische Verbindungen mit antiviraler Wirkung, die laut der Studie in Scientific Reports das Spike-Protein und die Replikationsmaschinerie des Virus blockieren.

Wie Copaifera das Virus an drei Stellen stoppt

SARS-CoV-2 befällt Körperzellen in zwei Schritten: Zunächst bindet das Spike-Protein des Virus an die ACE2-Rezeptoren auf der Zelloberfläche (Viruseintritt), dann repliziert das Virus sein Erbgut mit dem Enzym RdRp (RNA-abhängige RNA-Polymerase). Bisherige antivirale Mittel wie Remdesivir zielen meist nur auf einen dieser Schritte.

Die Galloylquinic acids aus Copaifera lucens hemmen laut der Studie beide Phasen gleichzeitig: Sie blockieren das Spike-Protein bei der Bindung an die Zelle (80 Prozent Hemmung) und verlangsamen die Replikation des Viruserbguts (85,6 Prozent Hemmung). Zusätzlich zeigten die Verbindungen anti-inflammatorische und immunmodulatorische Eigenschaften, was eine Wirkung sowohl auf das Virus selbst als auch auf die Immunreaktion des Körpers nahelegt.

Der Vorteil des Multi-Ziel-Ansatzes: Damit ein Virus gegen ein solches Medikament Resistenz entwickelt, müsste er gleichzeitig mehrere unabhängige Mutationen erwerben. Das ist erheblich unwahrscheinlicher als eine einzelne Mutation, die ein Single-Target-Medikament unwirksam machen kann.

Was Aspirin, Artemisinin und Taxol zeigen

Natürliche Verbindungen aus Pflanzen haben in der Medizin eine lange Erfolgsgeschichte. Aspirin, heute eines der meistverkauften Medikamente der Welt, basiert auf Salicylsäure, die ursprünglich aus Weidenrinde isoliert wurde. Paclitaxel, unter dem Handelsnamen Taxol bekannt, wurde 1971 aus der Rinde der Pazifischen Eibe isoliert und ist seit seiner FDA-Zulassung 1992 Standardtherapie gegen Brust- und Eierstockkrebs.

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Das eindringlichste Beispiel liefert Tu Youyou, die Artemisinin aus dem Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) isolierte. Tu Youyou begann ihre Forschung 1969 im Rahmen des geheimen chinesischen Forschungsprojekts 523 und isolierte den Wirkstoff 1972. Erst in den späten 1980ern verbreitete sich Artemisinin als Malariamedikament in China, die globale WHO-Empfehlung folgte 2001. Zwischen Entdeckung im Labor und weltweiter Anwendung lagen über 30 Jahre. Tu Youyou erhielt dafür 2015 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Copaifera lucens steht an vergleichbarem Anfang. Die Studie belegt einen starken Wirknachweis im Labor. Ob daraus ein Medikament wird, hängt von den nächsten Prüfphasen ab.

Drei Prüfphasen trennen Copaifera vom Medikament

Zunächst müssen In-vivo-Studien folgen: Die gemessenen Effekte gelten bislang nur für Zellkulturen. In einem lebenden Organismus können sich Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen grundlegend anders verhalten. Ohne diese Daten ist keine Aussage über Sicherheit oder Wirksamkeit beim Menschen möglich.

Dann stehen Toxizitätsstudien an: Galloylquinic acids müssen auf mögliche Schäden bei wiederholter Aufnahme untersucht werden. Natürlicher Ursprung bedeutet nicht automatisch sicheren Gebrauch. Viele hochwirksame Pflanzenverbindungen sind in höheren Dosen toxisch.

Schließlich sind klinische Studien der Phasen I bis III erforderlich, die Sicherheit und Wirksamkeit am Menschen nachweisen. Selbst bei günstigem Verlauf aller Vorstufen dauert dieser Weg in der Regel fünf bis zehn Jahre.

Prof. Bastos' Team hat angekündigt, In-vivo-Studien zu starten. Das Projekt wird von der brasilianischen Forschungsförderungsbehörde FAPESP unterstützt. Dass Copaifera lucens ein erfolgversprechender Kandidat ist, hat die Studie klar gezeigt. Der Weg von Brasiliens Atlantischem Regenwald in eine europäische Apotheke wäre lang. Aber er hat schon begonnen.

Quellen (5)

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