McLarens Riffmaschine: Zehnmal mehr Korallen pro Jahr
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McLarens Riffmaschine: Zehnmal mehr Korallen pro Jahr

McLaren Racing und die Great Barrier Reef Foundation haben Machine One in die Feldversuche gebracht: eine halbautomatische Maschine, die Korallengeräte neunmal schneller zusammensetzt als menschliche Hände. Die Jahreskapazität soll von 100.000 auf bis zu eine Million Einheiten steigen.

12. Mai 2026, 9:05 Uhr 707 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Was Formel-1-Ingenieure über Tempo und Präzision wissen, hat McLaren Racing nun für das Great Barrier Reef eingesetzt: Machine One, ein halbautomatisches Gerät, setzt Korallengeräte zehnmal schneller zusammen als per Hand. Die Jahreskapazität der Korallenrestauration soll damit von 100.000 auf bis zu eine Million Einheiten steigen. Seit März 2026 läuft die Maschine in Feldversuchen am National Sea Simulator in Townsville, Australien.

Warum Handarbeit nicht reicht

Das Great Barrier Reef erstreckt sich über 2.300 Kilometer entlang der australischen Nordostküste und ist das größte Korallenriffsystem der Welt. Korallenriffe bedecken weniger als ein Prozent der Ozeanfläche, beherbergen aber schätzungsweise ein Viertel aller Meeresarten. Wenn die Wassertemperaturen dauerhaft über 28 Grad Celsius steigen, stoßen Korallen die symbiontischen Algen ab, die ihnen Nährstoffe liefern. Sie bleichen aus und sterben. Bleichen sich Korallen mehrmals innerhalb weniger Jahre, können sie sich nicht mehr erholen. Das Australian Institute of Marine Science (AIMS) dokumentiert seit 2016 fünf schwere Massenbleichen am Riff.

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Die Restaurierung geschah bisher per Hand: Taucher sammeln lebende Korallenbruchstücke, ziehen sie in Baumschulen heran und befestigen sie in Gestellen auf dem Riffboden. Pro Gestell braucht eine erfahrene Taucherin bis zu 90 Sekunden. Die gesamte australische Restaurierungskapazität liegt bei rund 100.000 solcher Einheiten im Jahr, verteilt auf eine Rifffläche von rund 344.000 Quadratkilometern.

Wie Machine One die Gleichung ändert

McLaren Racing übertrug die Fertigungslogik der Formel 1 auf ein Naturschutzproblem. Laut Pressemitteilung der Great Barrier Reef Foundation reduziert Machine One die Montagezeit pro Korallengerät von 90 auf 10 Sekunden. Das Gerät positioniert und sichert Korallenbruchstücke in Trägerkonstruktionen halbautomatisch. Bei Vollbetrieb sollen bis zu 100.000 Einheiten pro Monat entstehen, auf das Jahr gerechnet rund eine Million, zehnmal mehr als heute.

Intern trägt die Maschine den Namen OSCAR (Operational System for Coral Assembly and Restoration). Entwickelt wurde sie gemeinsam von McLaren Racing, dem AIMS sowie der Queensland University of Technology, die Robotik beisteuerte. Nach Fabrikversuchen soll sie jetzt am National Sea Simulator unter realen Meeresforschungsbedingungen getestet werden, bevor sie in der diesjährigen Laichsaison des Riffs eingesetzt wird.

AIMS betont in seinen jährlichen Riff-Gesundheitsberichten, dass technische Restaurierung die Ursache der Bleiche nicht beseitigt: die steigende Wassertemperatur durch den Klimawandel. Das Riff erholte sich zuletzt 2020 und 2021 während zweier aufeinanderfolgender La-Niña-Phasen mit kühleren Wassertemperaturen. Machine One beschleunigt die Restaurierung, kann das Riff aber nur dauerhaft sichern, wenn die globale Erwärmung wirksam begrenzt wird.

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Im Vergleich: Was Korallenrestaurierung bisher leistete

Die Coral Restoration Foundation in Florida betreibt eines der ältesten Korallenrestaurierungsprogramme der Welt. Seit ihrer Gründung 2007 hat sie Hunderttausende von Korallen in Karibikgewässern ausgepflanzt, auf Dutzenden von Riffen. Machine One könnte bei Vollbetrieb vergleichbare Jahresmengen in wenigen Monaten erreichen. Ähnliche Programme laufen in Australien, Indonesien und auf den Malediven, aber alle haben denselben Flaschenhals: Tauchgänge sind begrenzt, langsam und teuer. Mit Machine One nähert sich die Restaurierung erstmals der Logik industrieller Fertigung.

Vergleichbar ist der Schritt mit dem Übergang von handgepflanzten Bäumen zur maschinellen Direktsaat in der Forstwirtschaft. Das brasilianische Muvuca-Verfahren, das Samen direkt in degradierten Boden sät, brachte auf 1.200 Hektar statt der erwarteten drei Millionen am Ende 9,6 Millionen Bäume hervor, dreimal mehr als geplant. Die Logik ist dieselbe: Wenn Restaurierung industrielle Dimensionen erreicht, ändert sich die Gleichung grundlegend.

Den Maßstab für die Aufgabe gibt eine Zahl der US-amerikanischen Meeres- und Atmosphärenbehörde NOAA: Das vierte globale Massenbleichingereignis, das 2023 und 2024 anhielt, war das bisher schlimmste jemals dokumentierte. Mehr als die Hälfte aller Korallenriffe weltweit war über längere Zeit kritischen Wassertemperaturen ausgesetzt. Gegen diese Dynamik können Restaurierungsprogramme nur dann etwas ausrichten, wenn sie eine Größenordnung erreichen, die mit der Bleichgeschwindigkeit zumindest annähernd Schritt halten kann.

Wenn Townsville klappt, kommt Machine One weltweit zum Einsatz

Korallenriffe in über 100 Ländern stehen unter ähnlichem Klimadruck wie das Great Barrier Reef. Von der Karibik bis zum Indischen Ozean haben Massenbleichen in den vergangenen zehn Jahren weite Teile globaler Riffökosysteme beschädigt. Die Great Barrier Reef Foundation sieht Machine One als modulares System: anpassbar an verschiedene Rifftypen, einsetzbar in verschiedenen Klimazonen.

Die Feldversuche in Townsville sollen zeigen, ob die Maschine unter Strömung, Salzwasser und variabler Wassertemperatur zuverlässig arbeitet. Die Laichsaison des Great Barrier Reefs findet typischerweise im November statt. Gelingt der Einsatz in diesem Jahr, wäre Machine One schon in seiner ersten Feldversuchssaison ein messbarer Beweis für die Skalierbarkeit des Ansatzes. Eine modulare, global einsetzbare Restaurierungsplattform für Korallenriffe gab es bisher nicht.

Quellen (6)

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