PET warnt: Russland plant Sabotage in Dänemark
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PET warnt: Russland plant Sabotage in Dänemark

Dänemarks Inlandsgeheimdienst PET warnt vor konkreten russischen Sabotageplänen gegen die dänische Rüstungsindustrie. Die Ziele und Vorbereitungen seien so konkret, dass eine öffentliche Warnung notwendig sei. Brandstiftung ist eine der genannten Methoden.

Quellen (8)
  1. Daily Northern: PET uncovers Russian sabotage plans targeting Danish defence firmsdailynorthern.com
  2. Daily Northern: DI urges serious response to Russian sabotage plansdailynorthern.com
  3. Deutschlandfunk: Russland bereitet Sabotage in Dänemark vordeutschlandfunk.de
  4. Spiegel: Dänemark warnt vor russischen Sabotageplänenspiegel.de
  5. n-tv: Russland bereitet Sabotage in Dänemark vorn-tv.de
  6. Handelsblatt: Russland plant Sabotage in Dänemarkhandelsblatt.com
  7. Tagesspiegel: Rüstungsindustrie im Visiertagesspiegel.de
  8. ua.news: Danish intelligence warns of possible defense industry sabotageua.news
3. September 2026, 7:02 Uhr780 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Wie konkret sind russische Sabotagepläne gegen westliche Länder tatsächlich? Konkret genug, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen, sagt Emil Græsholm, der Chef für Spionageabwehr beim dänischen Inlandsgeheimdienst PET. Laut einem Bericht der dänischen Zeitung Berlingske haben dänische Behörden konkrete Pläne und Vorbereitungen für russische Sabotageaktionen gegen Unternehmen der Rüstungsindustrie aufgedeckt, die militärische Ausrüstung für die Ukraine liefern. Das Hauptziel laut PET: spezifische Lieferungen an die ukrainische Verteidigung zu stoppen. Gleichzeitig warnen die Sicherheitsbehörden davor, dass Russland normale dänische Bürger anwirbt, oft, ohne dass diese überhaupt wissen, wessen Interessen sie vertreten.

Rüstungsfirmen im Visier

Dänemark ist seit Beginn des Ukrainekriegs 2022 einer der pro-Kopf größten Waffenlieferanten für Kyjiw. Das Land hat Haubitzen, Panzerfäuste, Kampfdrohnen und Artilleriemunition geliefert und ist Teil mehrerer NATO-Koalitionen zur langfristigen Verteidigungsunterstützung. Genau diese Lieferketten sind laut PET das Ziel der russischen Sabotagepläne.

Græsholm nennt Brandstiftung als eine der möglichen Methoden, die in den russischen Plänen identifiziert wurden. Das ist keine abstrakte Bedrohung: Im Oktober 2024 brannte in Deutschland ein Lagerkomplex, der Munitionslieferungen an die Ukraine koordinierte; die Ermittlungen zur möglichen russischen Beteiligung dauern an. Im selben Monat wurden in mehreren westeuropäischen Ländern gleichzeitig Pakete mit Brandsätzen abgefangen, die auf Frachtmaschinen geladen werden sollten, koordiniert nach Einschätzung europäischer Geheimdienste aus Moskau.

Damit die Sabotage gelingt, braucht Russland Informationen über die Ziele: Grundrisse, Sicherheitskonzepte, Lieferrhythmen. Dafür wird rekrutiert.

Die Rekrutierung der Ahnungslosen

Russland versuche, „ganz gewöhnliche Dänen" für seine Pläne zu gewinnen, sagte Græsholm der Berlingske, oft, ohne dass diese wüssten, dass sie für Moskau arbeiten. Das Einstiegstor ist niedrigschwellig: Fotografieren oder Filmen von Firmengeländen, Gebäuden, Eingängen. Solche Informationen können dann für konkrete Sabotagepläne genutzt werden.

Diese Rekrutierungstaktik ist kein dänisches Phänomen. Europäische Geheimdienste haben in den letzten zwei Jahren mehrere Fälle öffentlich gemacht, in denen russische Nachrichtendienste, insbesondere der GRU und der FSB, Bürger über Messenger-Apps, Kleinanzeigenplattformen oder Scheinfirmen kontaktierten und ihnen für scheinbar harmlose Aufgaben Geld anboten: Fotos von Militärkasernen, Informationen zu Warenströmen an Häfen, Namenslisten von Sicherheitspersonal. Erst wenn die Informationen an GRU-Kontrolleure weitergeleitet werden, wird aus der vermeintlichen Gelegenheitstätigkeit Spionage.

PET schätzt, dass die Bedrohung „in Umfang und Komplexität weiter zunehmen wird".

Ein Muster quer durch NATO-Europa

Die dänische Warnung reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Meldungen aus anderen NATO-Ländern in den vergangenen Monaten. Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 hat gemeinsam mit seinem deutschen Pendant BfV und fünf weiteren Diensten öffentlich vor russischer Sabotage auf westlichem Boden gewarnt. Großbritannien hat drei russische U-Boote verfolgt, die sich über kritischen Unterseekabeln positionierten. In Polen wurden russische Agenten verhaftet, die Infrastruktur für Sabotageaktionen gegen Frachtbahnen aufgebaut hatten.

In Deutschland ist das Muster inzwischen ebenfalls sichtbar: Am 4. August fand Sicherheitspersonal auf dem Flughafen Leipzig-Halle eine mit Sprengstoff bestückte Drohne, die unentdeckt vier Stunden auf dem Rollfeld gelegen hatte. Leipzig ist Drehkreuz für Rüstungslieferungen an die Ukraine. Daraufhin gründeten am 28. August neun Innenminister aus Ostseeanrainerstaaten die Ostsee-Taskforce gegen hybride Bedrohungen. Am selben Tag warnte auch Roderich Kiesewetter (CDU) vor einem russischen Angriffsmuster, das sich auf Rüstungsbetriebe in der ganzen Allianz ausrichtet.

Was Dänemark von Deutschland unterscheidet: Kopenhagen hat eine geschlossene, vergleichsweise überschaubare Rüstungsproduktion mit wenigen großen Firmen wie Terma, Chemring und Falck Safety Services, die direkt in die Ukraine-Lieferkette eingebunden sind. Das macht konkrete Sabotagepläne einfacher zu entwerfen. Das macht die PET-Warnung glaubwürdig.

Was Russland damit bezweckt

Die Sabotage-Drohung verfolgt nach PET-Einschätzung zwei Ziele gleichzeitig: Erstens sollen konkrete Lieferungen an die Ukraine gestört oder unterbrochen werden. Zweitens soll Unsicherheit und Angst in westlichen Gesellschaften erzeugt werden, mit dem politischen Ziel, die Unterstützungsbereitschaft für Kyjiw zu schwächen. Wer fürchtet, dass ein Engagement für die Ukraine Konsequenzen im eigenen Land hat, stimmt unter Umständen anders ab.

Dieser zweite Effekt ist schwer zu messen, aber nicht zu ignorieren. In Schweden, das erst 2024 der NATO beigetreten ist, zeigen Umfragen eine wachsende Skepsis gegenüber dem Ukraine-Engagement, korreliert mit der Intensität der Medienberichterstattung über russische Sabotageakte auf schwedischem Boden. Ob das Kausalität oder Korrelation ist, lässt sich nicht abschließend beantworten. Der Kalkül hinter der russischen Strategie ist klar.

Bis zum nächsten NATO-Gipfel im Oktober

Die Ostsee-Taskforce, die Ende August gegründet wurde, ist eine erste Koordinationsstruktur, aber kein Bündnis mit operativen Vollmachten. Die nächste Gelegenheit, die Bedrohungslage zu eskalieren und konkrete Maßnahmen zu beschließen, ist der NATO-Außenministergipfel im Oktober. Dänische Vertreter haben signalisiert, das Thema Rüstungsschutz auf die Agenda zu setzen.

Was bis dahin passiert, liegt an den Firmen selbst. PET hat die dänische Rüstungsindustrie aufgefordert, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen: Zugangskontrollen, Mitarbeitersensibilisierung, Überwachung unbekannter Kontakte. Das klingt banal und es ist genau das, was häufig nicht gemacht wird, weil Rüstungsunternehmen sich an der Hardware orientieren, nicht an der menschlichen Sicherheitslücke.

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