Daraxonrasib: Überleben bei Pankreaskrebs verdoppelt
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Daraxonrasib: Überleben bei Pankreaskrebs verdoppelt

Daraxonrasib verdoppelt das mediane Überleben bei vorbehandeltem Bauchspeicheldrüsenkrebs von 6,7 auf 13,2 Monate. Das Medikament, das 91,8 Prozent aller Pankreastumoren angreift, erhielt bereits FDA-Breakthrough-Therapy-Designation und könnte 2026 oder 2027 regulär zugelassen werden.

20. Mai 2026, 17:03 Uhr 827 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tödlichsten häufigen Krebsarten: Wer nach dem Versagen der Ersttherapie keine Optionen mehr hat, überlebte bisher im Median nur 6,7 Monate. Eine Phase-3-Studie, deren Ergebnisse Anfang Mai im New England Journal of Medicine erschienen sind, zeigt nun, dass das Medikament Daraxonrasib diesen Wert auf 13,2 Monate mehr als verdoppelt. Onkologen bezeichnen das als ersten echten Durchbruch bei dieser Krebsart seit Einführung der FOLFIRINOX-Chemotherapie im Jahr 2011.

Die härteste Diagnose in der Onkologie

Von den 20 häufigsten Krebsarten weltweit weist das Pankreaskarzinom die niedrigste Fünf-Jahres-Überlebensrate auf: 13 Prozent, laut der Krebsstatistik der amerikanischen Pancreatic Cancer Action Network für 2026. Der Grund liegt nicht allein in der Biologie, sondern in der Verstecktheit des Tumors. Die Bauchspeicheldrüse liegt tief im Bauch, von anderen Organen umgeben und erzeugt kaum Frühsymptome. Mehr als die Hälfte aller Patienten erhält die Diagnose erst im metastasierten Stadium, wenn eine Operation nicht mehr möglich ist.

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Was den Tumor biologisch so zäh macht, liegt in einer Mutation: Laut der Studienpublikation in der Zeitschrift New England Journal of Medicine (DOI: 10.1056/NEJMoa2505783) tragen 91,8 Prozent aller Bauchspeicheldrüsenkarzinome eine KRAS-Mutation. Das mutierte Protein RAS bleibt dauerhaft aktiviert und treibt das unkontrollierte Zellwachstum an. Jahrzehntelang galt RAS als pharmakologisch unangreifbar, weil das Protein keine tiefen Bindungstaschen besitzt, in die klassische Wirkstoffe greifen könnten.

Jahrzehnte der gescheiterten Versuche

Die Suche nach RAS-Inhibitoren begann in den 1980er Jahren. Als Sotorasib 2021 und Adagrasib 2022 als erste Wirkstoffe gegen die Unterform KRAS G12C bei Lungenkrebs zugelassen wurden, schien ein Durchbruch greifbar. Beide Mittel erzielten bei KRAS-G12C-mutiertem Lungenkrebs Ansprechraten von rund 37 Prozent. Beim Pankreaskrebs aber blieben sie nahezu wirkungslos: In frühen Studien sprachen weniger als 10 Prozent der Patienten an, weil der Tumor dort rasch Resistenzmechanismen entwickelt.

Daraxonrasib, entwickelt von Revolution Medicines, verfolgt einen breiteren Ansatz. Statt nur eine Mutation zu blockieren, hemmt es RAS-Proteine in mehreren aktivierten Zuständen gleichzeitig. Das Unternehmen bezeichnet diesen Wirkmechanismus als "RAS(ON) multi-selektiv". Ob die Strategie trägt, sollte die Studie RASolute 302 zeigen.

Was die Zahlen aus RASolute 302 bedeuten

Die Phase-3-Studie verglich Daraxonrasib mit Standardchemotherapie bei Patienten mit vorbehandeltem metastasiertem RAS-mutiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das veröffentlichte Ergebnis: medianes Gesamtüberleben von 13,2 Monaten mit Daraxonrasib gegenüber 6,7 Monaten mit Chemotherapie. Der Hazard Ratio lag laut der NEJM-Publikation bei 0,40 (p < 0,0001), was bedeutet, dass das Sterberisiko zu jedem Messzeitpunkt um 60 Prozent verringert ist.

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Das Medikament wird oral eingenommen, 300 mg einmal täglich. Die US-Arzneimittelbehörde FDA vergab sowohl Breakthrough Therapy Designation als auch Orphan Drug Designation. Seit Ende April 2026 ist zudem ein Expanded Access Program aktiv, über das Patienten in den USA Daraxonrasib noch vor einer regulären Zulassung erhalten können.

Im Vergleich mit anderen Präzisionsdurchbrüchen

Das bekannteste Beispiel für die Kraft zielgerichteter Krebstherapie ist Imatinib (Gleevec), 2001 für chronische myeloische Leukämie (CML) zugelassen. CML wird durch eine charakteristische Chromosomenaberration verursacht, die das BCR-ABL-Protein dauerhaft aktiviert, strukturell vergleichbar mit der RAS-Aktivierung im Pankreaskarzinom. Vor Imatinib lag die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei CML bei rund 30 Prozent. Nach der Zulassung des gezielten Inhibitors stieg sie auf über 90 Prozent. CML wurde von einer lebensbedrohlichen zu einer chronisch kontrollierbaren Krankheit.

Ein zweiter Vergleich: Checkpoint-Inhibitoren bei metastasiertem Melanom. Vor 2011, als Ipilimumab als erster Vertreter dieser Klasse zugelassen wurde, überlebten weniger als 5 Prozent der Patienten mit Fernmetastasen die ersten fünf Jahre. Mit modernen Checkpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate heute bei über 30 Prozent. In beiden Fällen waren es die richtigen molekularen Angriffspunkte, die Prognose fundamental veränderten. Beim Pankreaskrebs wäre dasselbe nötig und RAS ist bei 91,8 Prozent aller Tumoren genau dieser Angriffspunkt.

Drei Bedingungen für die Routinetherapie

Damit Daraxonrasib weltweit zur Standardbehandlung wird, müssen drei Bedingungen erfüllt sein. Erstens muss die FDA auf Basis von RASolute 302 eine reguläre Marktzulassung erteilen. Revolution Medicines rechnet mit einer Entscheidung in 2026 oder 2027. Zweitens müssen europäische Behörden wie die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) ein eigenes Verfahren abschließen; in Deutschland folgt dann die Nutzenbewertung nach dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz AMNOG, die über Erstattungsfähigkeit und Preis entscheidet. Drittens muss sich zeigen, ob Tumore langfristig Resistenzen gegen die RAS-Blockade entwickeln, wie es bei ähnlichen zielgerichteten Therapien beobachtet wurde.

Am 31. Mai 2026 werden die vollständigen Phase-3-Daten auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago präsentiert. Es ist das erste Mal, dass die internationale Onkologie-Gemeinschaft die Ergebnisse im Detail prüfen und diskutieren kann.

Update 2. Juni, 11:04 Uhr: Die vollständigen Phase-3-Daten der RASolute-302-Studie wurden am 31. Mai 2026 auf der ASCO-Jahrestagung in Chicago als Plenary-Session präsentiert, der höchsten Programmkategorie des Kongresses. Onkologen reagierten mit einer 42-sekündigen stehenden Ovation. Die ASCO-Daten bestätigen die Anfang Mai im New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse. Revolution Medicines kündigte unmittelbar nach der Präsentation an, den FDA-Antrag auf reguläre Marktzulassung noch 2026 einreichen zu wollen.

Quellen (10)

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