Sieben Jahre Dengueschutz: Was Qdenga besser macht
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Sieben Jahre Dengueschutz: Was Qdenga besser macht

2024 war das schlimmste Denguejahr seit Beginn systematischer Aufzeichnungen: 14,4 Millionen Fälle, zwölfmal mehr als 2014. Eine abgeschlossene Sieben-Jahres-Studie zeigt nun, dass der Impfstoff Qdenga zuverlässig schützt und als erster Dengueimpfstoff auch für Menschen ohne frühere Infektion sicher ist.

18. Mai 2026, 17:02 Uhr 698 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Dengvaxia, der erste zugelassene Dengueimpfstoff, erhöhte bei Menschen ohne frühere Infektion das Risiko schwerer Krankheitsverläufe. Dieser Makel hielt die globale Dengue-Impfstrategie jahrelang zurück. Eine jetzt abgeschlossene Sieben-Jahres-Studie mit mehr als 20.000 Probanden belegt, dass Takedas Qdenga dieses Problem nicht teilt: 84 Prozent Schutz gegen Krankenhausaufenthalte, sicher auch für Erstinfizierte und das über sieben Jahre.

Dengue auf Rekordniveau

Denguefieber wird durch vier verwandte Virustypen übertragen, alle über die Aedes-aegypti-Mücke. Eine Erstinfektion verläuft oft mild; bei einer Zweitinfektion mit einem anderen Serotyp steigt das Risiko schwerer Verläufe. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in dengue-endemischen Gebieten, darunter weite Teile Südostasiens, Lateinamerikas und zunehmend auch Teile Südeuropas.

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Laut WHO stiegen die gemeldeten Fälle von rund 1,2 Millionen im Jahr 2014 auf 14,4 Millionen 2024, dem bisherigen Rekordjahr mit mehr als 11.000 Todesfällen. Klimawandel und Urbanisierung begünstigen die Ausbreitung der Mücken in bislang wenig betroffene Regionen.

Was die TIDES-Studie nach sieben Jahren zeigt

Die TIDES-Studie (Takedas Dengue-Vakzin-Wirksamkeitsstudie) ist die umfangreichste Langzeitstudie zu einem Dengueimpfstoff. Mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche in acht Ländern wurden über sieben Jahre begleitet: in Brasilien, Kolumbien, Panama, der Dominikanischen Republik, Nicaragua, den Philippinen, Thailand und Sri Lanka.

Nach 4,5 Jahren lagen die Ergebnisse laut Takeda-Pressemitteilung von Oktober 2025 bei 61,2 Prozent Wirksamkeit gegen laborbestätigte Denguekrankheit und 84,1 Prozent gegen dengue-bedingte Krankenhausaufenthalte. Mit einer Auffrischungsimpfung nach 4,5 Jahren stieg die Wirksamkeit gegen Hospitalisierung auf 90,6 Prozent. Der Schutz war über alle vier Dengue-Serotypen hinweg nachweisbar, über den gesamten Beobachtungszeitraum von sieben Jahren.

Der entscheidende Unterschied zu Dengvaxia

Der erste zugelassene Dengueimpfstoff, Dengvaxia von Sanofi Pasteur (Zulassung 2015), hat ein kritisches Problem: Er erhöht bei Menschen, die noch nie an Dengue erkrankt waren, das Risiko schwerer Verläufe bei späterer natürlicher Infektion. Der Mechanismus: Die erzeugten Antikörper reagieren bei Seronegativen wie bei einer Zweitinfektion und können schwere Krankheitsverläufe begünstigen. Auf den Philippinen wurden mehr als 830.000 Kinder ohne vorherigen Serostatus-Test geimpft, was zu einem Sicherheitsskandal führte.

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Qdenga zeigt dieses Problem nach verfügbaren Studiendaten nicht. Der Impfstoff erwies sich in der TIDES-Studie sowohl bei Seropositiven als auch bei Seronegativen als sicher, ein entscheidender Vorteil für Massenimpfkampagnen ohne vorherigen Bluttest. Bis September 2025 wurden laut Takeda 18,6 Millionen Dosen in elf endemischen Ländern verabreicht; zugelassen ist der Impfstoff in 41 Ländern.

Im Vergleich: Masern und Hepatitis C

Zwei andere Impf- und Therapieerfolge zeigen, welche Größenordnungen möglich sind. Die globale Masernimpfung verhindert laut WHO jährlich rund 21,1 Millionen Todesfälle, die ohne Impfschutz in den Jahren 2000 bis 2023 eingetreten wären. Die Masernimpfung erreichte 2022 eine globale Abdeckung von 83 Prozent bei der ersten Dosis.

Bei Hepatitis C gelang ab 2014 mit Direktwirkstoffen (DAAs) ein ähnlicher Sprung wie nun potenziell bei Dengue: Eine Erkrankung, die zuvor aufwendige und nebenwirkungsreiche Interferontherapien erforderte, ist heute in mehr als 95 Prozent der Fälle heilbar. Die Herausforderung blieb der Zugang. Hepatitis-C-Behandlungen kosten in Hochlohnländern bis zu 80.000 US-Dollar pro Patient; in vielen Ländern war die Therapie für Jahrzehnte nicht verfügbar.

Was 4 Milliarden Gefährdete vom Impfschutz trennt

Qdenga ist in 41 Ländern zugelassen und bisher hauptsächlich in Europa, Brasilien und Teilen Asiens eingesetzt worden. Zwei Faktoren bestimmen, wie weit der Impfschutz tatsächlich reicht.

Erstens der Preis: Im Privatmarkt kostet Qdenga zwischen 50 und 100 Euro pro Dosis, bei einem empfohlenen Zwei-Dosen-Schema. Für öffentliche Gesundheitsprogramme in einkommensschwachen Ländern sind Verhandlungen über günstigere Konditionen nötig; wie beim Hepatitis-C-Beispiel ist der wissenschaftliche Durchbruch schneller als der Zugang für alle. Zweitens die Logistik: Ein Dengueimpfstoff für alle Altersgruppen in allen Endemiegebieten braucht Kühlketten und Vertriebsnetze, deren Aufbau Jahre dauert. Die 14,4 Millionen Fälle von 2024 warten nicht.

Quellen (7)

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