DFB gegen Elfenbeinküste: Der erste echte WM-Test
Heute Abend trifft Deutschland auf seinen bislang härtesten WM-Gegner. Das 7:1 gegen Curaçao war imposant, die Elfenbeinküste ist eine andere Aufgabe: Afrikameister 2024, defensiv kompakt, mit einem der gefährlichsten Joker des Turniers im Kader. Am Samstag, 22 Uhr MESZ, trifft Deutschland im BMO Field in Toronto auf die Ivoirer. Wer gewinnt, steht mit großer Wahrscheinlichkeit im Achtelfinale der WM 2026.
Sieben Tore und ein System
Felix Nmecha traf in der sechsten Minute, nach einem Steilpass von Florian Wirtz. Curaçao glich aus: Livano Comenencia traf in der 21. Minute per Kopf. Dann rollte die Schablone: Nico Schlotterbeck köpfte in der 38. Minute, Kai Havertz verwandelte kurz vor der Pause einen Elfmeter (45.+5), Jamal Musiala vollendete nach dem Wiederanpfiff (47.). Nathaniel Brown, in Amberg geboren und seit 2023 für Deutschland spielberechtigt, markierte seinen WM-Debüttreffer mit einem technisch makellosen Volley zum 5:1 (68.). Deniz Undav nach Einwechslung (78.), Havertz mit dem Schlusspunkt (88.).
Florian Wirtz erzielte kein Tor, war aber der ruhende Pol im deutschen Kombinationsspiel. Der 23-Jährige vom FC Liverpool legte den ersten Treffer auf und hatte in seinen sechs vorangegangenen Länderspielen sechsmal selbst getroffen. Gegen Curaçao trat er als Architekt auf. Havertz führt die interne WM-Torjägerliste mit zwei Treffern an. Es war Deutschlands zehnter Sieg in Serie unter Nagelsmann.
Nathaniel Brown, 23 Jahre alt, Linksverteidiger bei Eintracht Frankfurt, in Amberg geboren als Sohn eines Amerikaners und einer Deutschen, war für die USA und Deutschland spielberechtigt und entschied sich für das DFB-Team. Sein Volley in der 68. Minute war der Moment des Abends: kein Zufallstreffer, sondern ein Tor, das Kadertiefe demonstriert. Die Ersatzspieler treffen.
Die Elfenbeinküste: Afrikameister, defensiv stark
Die Elfenbeinküste gewann im Februar 2024 den Afrika-Cup der Nationen auf eigenem Boden. Trainer Emerse Fae, erst nach dem frühen Ausscheiden seines Vorgängers Jean-Louis Gasset übernommen, führte das Team vom Zwischenrunden-Aus zum Titel. Das Muster blieb: defensive Kompaktheit, schnelles Umschalten, individuelle Qualität vorne.
Beim WM-Auftakt am 14. Juni bezwang die Elfenbeinküste Ecuador 1:0. Amad Diallo, 23 Jahre alt, kam als Einwechselspieler und traf in der Nachspielzeit. Kapitän Franck Kessie kontrollierte das zentrale Mittelfeld mit physischer Dominanz. Die Ivoirer haben noch nicht die Torjubelexzesse Deutschlands gezeigt, aber ein 1:0 gegen Ecuador ohne Gegentor zeigt, was sie können: kein Gegentor, ein Siegtreffer, minimaler Aufwand.
Diallo ist der Typ Spieler, den Scouts als klassischen Gamechanger von der Bank bezeichnen. Er traf gegen Ecuador erst in der Nachspielzeit, nachdem das Spiel über weite Strecken torlos verlaufen war. Gegen Deutschland könnte er früher kommen müssen, falls die Ivoirer in Rückstand geraten. Das wäre ihre stärkste Karte.
Führungsspieler und die Frage nach dem Leader
Die Debatte, ob dem DFB-Team Führungsspieler fehlen, ist nicht neu. Joshua Kimmich ist Kapitän, zum wiederholten Mal Stammrechtsverteidiger, nachdem ein Versuch im zentralen Mittelfeld bei der EM 2024 nicht funktioniert hatte. Er ist ein professioneller Anführer, kein emotionaler Antreiber.
Manuel Neuer, 40 Jahre alt, ist zurück. Nach dem EM-Ausscheiden 2024 gegen Spanien hatte er seinen Rücktritt erklärt, noch im Februar 2026 sagte er gegenüber der DFB-Website, eine Rückkehr sei kein Thema. Dann doch. Nagelsmann wählte ihn vor Oliver Baumann. Gegen Curaçao blieb sein Einsatz weitgehend ruhig, doch die Ausstrahlung, die Neuer im eigenen Strafraum erzeugt, ist messbar: Kein Bundesligatorwart hat diese Präsenz.
Serge Gnabry fehlt verletzungsbedingt. Er hätte Torgefahr und internationale Routine eingebracht. Stattdessen kamen Undav und Brown von der Bank und trafen. Das ist die Tiefe dieses Kaders: Die Ersatzspieler können Spiele entscheiden.
Toronto am Samstag: Mit einem Sieg quasi ins Achtelfinale
Beide Teams gehen mit drei Punkten aus Spiel eins ins Duell. Wer in Toronto gewinnt, steht mit sechs Punkten da und benötigt beim dritten Gruppenspiel am 25. Juni in New Jersey keinen Sieg mehr. Das dritte Gruppenspiel Deutschlands: Ecuador, das den Ivoirern mit 0:1 verlor.
Die Elfenbeinküste hat gegen Deutschland wenig Grund, tiefzustehen und auf das 0:0 zu hoffen. Sechs Punkte brauchen sie für das sichere Weiterkommen. Ein Unentschieden ist möglich, aber keines dieser Teams ist an einem Punkt interessiert. Das Spiel wird Tore sehen.
Nagelsmann hat die Startelf noch nicht bekanntgegeben. Die Aufstellung gegen Curaçao dürfte weitgehend gleich bleiben. Das Pressing, das Deutschland in Houston zeigte, zwang Curaçao zu Fehlern. Die Elfenbeinküste wird sich davon nicht so leicht beeindrucken lassen, aber eines hat das 7:1 gezeigt: Wenn Deutschland läuft, kann jeder Gegner ins Trudeln geraten.
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