Trump verlängert Waffenruhe auf Pakistans Bitte
Am Dienstagabend, Stunden vor dem geplanten Ende der zweiwöchigen Waffenruhe, erklärte US-Präsident Donald Trump auf Truth Social die Verlängerung der Feuerpause. Noch am Montag hatte er eine Verlängerung als „hochunwahrscheinlich" bezeichnet. Den Kurswechsel begründete er mit Irans „ernsthaft gespaltener" Führung und einem Gesuch Pakistans: Armeechef Field Marshal Asim Munir und Premierminister Shehbaz Sharif hätten Washington gebeten, den Angriff auf Iran zurückzuhalten, bis Teheran einen einheitlichen Verhandlungsvorschlag vorlegen könne.
Pakistan als Schlüsselakteur
Pakistan hatte die erste zweiwöchige Feuerpause zwischen den USA und Iran am 8. April vermittelt und ist seither der einzige direkte Kommunikationskanal zwischen Washington und Teheran. Der Appell der pakistanischen Führung hatte diesmal Gewicht: Premierminister Sharif dankte Trump öffentlich und bestätigte, dass Pakistan das Gesuch gestellt hatte.
Gleichzeitig sagte Vizepräsident JD Vance seine Reise nach Islamabad ab, da Teheran bis dahin keine Delegation entsandt hatte. Vance, Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner sollten in der Nacht auf Mittwoch nach Pakistan fliegen, um eine zweite Verhandlungsrunde zu begleiten. Vance stand im Weißen Haus bereits reisefertig; nach rund fünf Stunden verließ er es wieder, ohne abgereist zu sein. Das Weiße Haus teilte mit, weitere Ankündigungen zu Treffen würden gesondert bekanntgegeben.
Gespaltenes Iran, gespaltene Reaktion
Trumps Diagnose, Irans Führung sei „ernsthaft gespalten", deckt sich mit der Beobachtung der vergangenen 48 Stunden. Irans Oberster Führer Ali Khamenei hatte am Montagabend die Teilnahme an einer zweiten Verhandlungsrunde genehmigt. Trotzdem schickte Teheran bis Dienstagabend keine Delegation nach Islamabad. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte auf X, Iran akzeptiere „keine Verhandlungen, die von Drohungen überschattet sind".
Außenminister Abbas Araghtschi warf den USA einen Verstoß gegen die Waffenruhe vor. Am 20. April hatten US-Marines das Frachtschiff Touska im Golf von Oman beschlagnahmt, das nach amerikanischen Angaben iranisches Öl transportierte. Außenministeriumssprecher Esmail Baghäi sagte dem staatlichen Fernsehen, Iran habe „noch keine endgültige Entscheidung" über weitere Gespräche getroffen; die USA begingen weiterhin „nicht akzeptable Handlungen". Die Kernbedingung für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch: Washington muss die Seeblockade iranischer Häfen aufheben.
Während Teheran verhandelt oder verweigert, rüstet es auf. Sprecher der Revolutionsgarden erklärten öffentlich, die Feuerpause habe ihnen erlaubt, Raketenlager und Drohnenwerfer schneller als vor Kriegsbeginn aufzufüllen. Der Chef der US Defense Intelligence Agency bestätigte, Iran verfüge weiterhin über Tausende Raketen und Angriffsdrohnen. US-Geheimdienstberichte deuten darauf hin, dass China in den nächsten Wochen neue Luftabwehrsysteme nach Iran liefern will. Eine verlängerte Feuerpause gibt Teheran mehr Zeit für genau das.
Was die Märkte einpreisen
Brent-Rohöl notierte am Dienstag bei rund 96 Dollar pro Barrel, rund 35 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Das Tagesplus von 6,5 Prozent signalisiert, dass die Märkte die Verlängerung nicht als Entspannungssignal werten, sondern als weiteres Zeichen für eine ungelöste Krise. Das britische Militär hat die maritime Sicherheitslage als „kritisch" eingestuft, die höchste Risikostufe seiner Schifffahrtsbewertung.
Für Deutschland sind die Folgen messbar. Eine DIHK-Umfrage unter 2.400 Betrieben zeigt, dass 83 Prozent negative Auswirkungen melden; in der Industrie sind es 87 Prozent. 39 Prozent der Unternehmen planen Investitionskürzungen 2026. Das ifo-Institut hat die Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,6 Prozent gesenkt. Hält die Hormusblockade dauerhaft an, prognostiziert die Internationale Energieagentur Brent-Preise von 150 bis 200 Dollar pro Barrel.
Kein Termin, kein Rahmen
Trump hat keine neue Frist gesetzt. Die Verlängerung gilt „bis zur Vorlage eines einheitlichen Vorschlags" durch Iran. Was das konkret bedeutet, wer diesen Vorschlag erarbeiten soll und bis wann, blieb offen. Pakistan will in den nächsten Tagen nach Teheran reisen, um die Bedingungen für eine Wiederaufnahme der Gespräche zu klären.
Die US-Seeblockade iranischer Häfen bleibt in Kraft. Hormus ist de facto gesperrt. Trump erklärte zuletzt, er erwarte, Iran „bald bombardieren zu müssen", falls die Gespräche scheitern. Die Verlängerung der Waffenruhe verhindert die unmittelbare Eskalation, löst aber keinen der Konflikte, die zur Krise geführt haben: nicht die Blockade, nicht die Atombedingungen, nicht die Forderung nach dauerhaftem Verzicht auf Urananreicherung, die Teheran als rote Linie bezeichnet. Für Ölmärkte, Schifffahrtsunternehmen und Wirtschaftsplaner bedeutet das: Die Unsicherheit ist verlängert worden.
Aktualisierungen
Update 22. April, 23:00 Uhr: Trump hält eine neue Verhandlungsrunde für möglich. Auf die Frage von Journalisten, ob innerhalb von 36 bis 72 Stunden neue Gespräche in Islamabad beginnen könnten, antwortete er: "Es ist möglich." Ende dieser Woche gilt damit als möglicher Zeitraum. Pakistan bestätigte, weiter an einer Wiederaufnahme der Gespräche zu arbeiten. Iran hat sich nicht zu einem konkreten Zeitplan geäußert und knüpft eine Rückkehr an den Verhandlungstisch weiterhin an die Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Häfen.
Update 23. April, 03:00 Uhr: Die Gespräche, die Trump für möglich gehalten hatte, fanden statt und scheiterten. Vizepräsident JD Vance reiste am Mittwoch nach Islamabad und traf dort auf eine iranische Delegation unter Leitung von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf. Nach 21 Stunden Verhandlungen verließen beide Seiten die pakistanische Hauptstadt ohne Einigung. Irans Kernforderung blieb unerfüllt: Teheran besteht auf der vollständigen Aufhebung der US-Seeblockade als Vorbedingung für weitere Gespräche, die USA lehnen das ab. Parallel erklärte Iran die Straße von Hormus erneut für gesperrt. Pakistan plant in den nächsten Tagen eine Vermittlungsreise nach Teheran, um die Bedingungen für eine neue Gesprächsrunde auszuloten. Trump äußerte sich düster: Falls die Gespräche endgültig scheitern, rechne er damit, Iran "bald bombardieren zu müssen".
Kommentare