Ebola-Stamm ohne Impfstoff: Patient in Berliner Charité
Am 17. Mai 2026 landete eine Maschine aus der Demokratischen Republik Kongo in Deutschland, an Bord ein US-amerikanischer Arzt, der dort Patienten behandelt hatte und nun selbst schwer krank war. Die Diagnose, die kurz darauf feststand: Bundibugyo-Virus, ein Stamm der Ebolavirus-Gruppe, für den es keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Am selben Tag erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ausbruch in der DRC und Uganda zu einem internationalen Gesundheitsnotstand, der höchsten Alarmstufe des globalen Gesundheitssystems.
Was ist das Bundibugyo-Virus?
Das Bundibugyo-Virus ist einer von sechs bekannten Stämmen der Ebolavirus-Gattung. Es wurde erstmals 2007 in der gleichnamigen ugandischen Bezirksstadt identifiziert. Während für den bekanntesten Stamm, Zaire-Ebola, seit 2019 ein wirksamer Impfstoff (Ervebo) und seit 2020 auch zugelassene Behandlungen (Inmazeb, Ebanga) zur Verfügung stehen, gibt es für Bundibugyo keine vergleichbaren zugelassenen Mittel. Die Sterblichkeitsrate des Bundibugyo-Ausbruchs von 2007 lag bei rund 34 Prozent. Zum Vergleich: Zaire-Ebola hatte in früheren Ausbrüchen ohne Behandlung Sterblichkeitsraten von bis zu 90 Prozent.
Ebola überträgt sich ausschließlich durch direkten Kontakt mit infiziertem Blut oder anderen Körperflüssigkeiten erkrankter Menschen. Eine Übertragung über Luft findet nicht statt. Das Ansteckungsrisiko besteht nur bei engem körperlichem Kontakt mit symptomatischen Patienten.
Warum ist der Patient in Berlin?
Die USA baten Deutschland um Aufnahme, weil die Flugzeit nach Deutschland kürzer war als die Weiterreise in die Vereinigten Staaten, bei schwer kranken Patienten mit hoch kontagiösen Erregern ist jede Stunde relevant. Die Charité in Berlin unterhält auf ihrem Campus Wedding eine der wenigen Hochsicherheits-Isolierstationen Europas, die für solche Fälle ausgelegt ist. Sie ist ausgestattet mit Unterdruckkammern, speziellen Schleusen und eigenem Lüftungssystem.
Zusammen mit dem Patienten wurden sechs Hochrisikokontakte nach Deutschland gebracht, die ebenfalls unter Beobachtung stehen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erklärte, die Situation sei "unter Kontrolle" und die Gefahr für die deutsche Bevölkerung "extrem gering". Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) stufte die Infektionswahrscheinlichkeit für die EU und den Europäischen Wirtschaftsraum als "aktuell sehr gering" ein.
Der DRC-Ausbruch im Hintergrund
Der Ausbruch, aus dem der Berliner Patient kommt, findet in der Demokratischen Republik Kongo und angrenzenden Gebieten Ugandas statt. Die DRC hat in den vergangenen 50 Jahren mehr Ebola-Ausbrüche erlebt als jedes andere Land der Welt, seit der Entdeckung des Virus 1976 wurden über ein Dutzend Ausbrüche registriert, davon allein zwischen 2018 und 2020 der größte in der Geschichte des Landes mit über 3.400 Fällen und mehr als 2.280 Toten.
Der aktuelle Ausbruch mit dem Bundibugyo-Stamm ist deshalb besonders besorgniserregend, weil die verfügbaren Impfstoffe und Therapeutika nicht für den Bundibugyo-Stamm zugelassen sind. Die WHO hat internationale Experten in die Region geschickt und koordiniert mit den Gesundheitsbehörden Kongos Eindämmungsmaßnahmen, darunter Kontaktverfolgung, Isolation von Erkrankten und Schulungen für medizinisches Personal.
Was die nächsten Wochen zeigen werden
Die Inkubationszeit des Bundibugyo-Virus beträgt zwei bis 21 Tage. Die sechs Hochrisikokontakte in Deutschland werden für mindestens 21 Tage beobachtet. Sollten in diesem Zeitraum keine Symptome auftreten, gilt das Risiko einer Weiterverbreitung in Deutschland als ausgeschlossen.
Entscheidender wird sein, wie die WHO und die DRC den Ausbruch im Ursprungsgebiet in den Griff bekommen. Der internationale Gesundheitsnotstand ermöglicht der WHO, Ressourcen schneller zu mobilisieren und Reiseempfehlungen zu koordinieren. Für den Patienten in der Charité läuft unterdessen ein Behandlungsversuch mit experimentellen Mitteln, die zwar nicht für Bundibugyo zugelassen, aber für verwandte Stämme entwickelt worden sind. Die Charité gibt täglich Lageberichte heraus.
Aktualisierungen
Update 21. Mai, 09:12 Uhr: Die Familie des behandelnden US-Arztes wurde ebenfalls in die Isolierstation der Berliner Charité aufgenommen. Die Klinik bestätigte die Aufnahme am 20. Mai, nannte jedoch keine Einzelheiten zur Zahl der betroffenen Familienmitglieder. Damit befinden sich neben dem Patienten und den ursprünglich genannten sechs Hochrisikokontakten nun weitere Personen unter medizinischer Beobachtung auf der europaweit größten spezialisierten Isolierstation mit 20 Betten. Die Fallzahlen im Ausbruchsgebiet stiegen unterdessen auf 246 Verdachtsfälle in der Demokratischen Republik Kongo, darunter 89 gemeldete Todesfälle sowie zwei laborbestätigte Fälle in Uganda.
Update 21. Mai, 17:01 Uhr: Die Fallzahlen im Ausbruchsgebiet haben sich innerhalb weniger Tage nahezu verdoppelt. Bis zum 20. Mai registrierten die Behörden in der Demokratischen Republik Kongo rund 500 Verdachtsfälle und etwa 130 Todesfälle, berichtete Euronews unter Berufung auf WHO-Daten. Das entspricht mehr als einer Verdopplung gegenüber den 246 Verdachtsfällen und 89 Todesfällen vom 17. Mai, die zur Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstands geführt hatten. WHO-Direktorin Tedros Adhanom Ghebreyesus bezeichnete die Ausbreitungsgeschwindigkeit als \u201ezutiefst besorgniserregend\u201c und koordiniert intensivierte Tests in Nachbarländern, um eine grenzüberschreitende Ausbreitung frühzeitig zu erkennen. Ärzte ohne Grenzen und die Welthungerhilfe forderten eine schnellere Abstimmung zwischen Kongos Gesundheitsministerium, WHO und zivilen Hilfsorganisationen vor Ort. Die nächsten zwei bis vier Wochen gelten als entscheidend für das Containment des Ausbruchs.
Update 22. Mai, 07:09 Uhr: Die Identität der Familienmitglieder von Ebola-Patient Dr. Peter Stafford ist nun bekannt. Laut Berichten aus Berlin handelt es sich um seine Ehefrau Dr. Rebekah Stafford sowie vier Kinder, die mit einem Spezialflugzeug nach Deutschland geflogen und auf der Hochsicherheitsstation der Charité aufgenommen wurden. Alle fünf Familienmitglieder wurden negativ auf das Bundibugyo-Virus getestet und zeigen keine Symptome. Aus medizinischer Sicht ist das ein wichtiger Befund: Ein negativer Test in Kombination mit Symptomfreiheit senkt das Risiko einer Weiterverbreitung innerhalb der Gruppe erheblich, auch wenn die 21-tägige Beobachtungszeit noch läuft.
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