PKS 2025: Vergewaltigungen auf Rekordhoch
Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 zeigt eine gespaltene Entwicklung: Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten sank gegenüber dem Vorjahr um rund 5,6 Prozent auf etwa 5,5 Millionen Fälle. Gleichzeitig wurden 13.930 Vergewaltigungen und schwere sexuelle Übergriffe erfasst, neun Prozent mehr als 2024 und so viele wie nie zuvor. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und BKA-Präsident Holger Münch präsentierten die Zahlen gemeinsam.
Gesamtkriminalität sinkt, Sexualgewalt steigt
Der Rückgang bei den Gesamtstraftaten setzt einen Trend fort, der seit dem Rekordjahr 2016 zu beobachten ist, als rund sechs Millionen Straftaten registriert wurden. Sinkende Diebstahlzahlen und Einbruchszahlen sind der wichtigste Treiber. Diese Delikte machen einen Großteil des statistischen Volumens aus und verzerren leicht den Blick auf schwerere Straftaten.
Sexuelle Übergriffe entwickeln sich dagegen seit Jahren in die entgegengesetzte Richtung. 13.930 Fälle sind der höchste Wert seit der Reform des Sexualstrafrechts 2016. Damals wurde der Grundsatz "Nein heißt Nein" ins Gesetz geschrieben, was zunächst die Anzeigezahlen erhöht hatte. Nach diesem einmaligen Sprung stiegen die Zahlen weiter an.
Was den Anstieg antreibt, ist strittig. Ein Teil erklärt sich durch verbessertes Anzeigeverhalten: Sexuelle Gewalt wird heute häufiger angezeigt als vor zehn Jahren. Ein weiterer Teil könnte tatsächliche Veränderungen in der Häufigkeit widerspiegeln. Die Statistik unterscheidet nicht zwischen diesen Faktoren. Für die Betroffenen ist die Unterscheidung ohnehin nachrangig.
Messerangriffe: 80 Fälle pro Tag
Besondere Aufmerksamkeit erhalten die Zahlen zu Messerangriffen. Im Jahr 2025 wurden rund 29.000 Messerdelikte erfasst, statistisch etwa 80 pro Tag. Der Trend ist seit Jahren steigend. BKA-Präsident Münch sagte dazu, Messer würden zunehmend im öffentlichen Raum als Drohungsmittel und Angriffsmittel eingesetzt, nicht nur im häuslichen oder privaten Bereich.
Eine direkte Ursache für den Anstieg nannte die Statistik nicht. Kriminologen verweisen auf veränderte Konfliktmuster, soziale Spannungen in städtischen Gebieten und auf den Umstand, dass Messer leicht verfügbar und schwer zu kontrollieren sind.
Debatte über Herkunft und Kontext
Politisch diskutiert wird vor allem die Zusammensetzung der Tatverdächtigen bei bestimmten Delikten. Bei Gruppenvergewaltigungen hatten 50,9 Prozent der Tatverdächtigen keine deutsche Staatsangehörigkeit. Irene Mihalic, innenpolitische Sprecherin der Grünen, warnte vor einer verkürzten Debatte: Diese Zahl sage nichts über individuelle Schuld aus, solange sie nicht mit Bevölkerungsanteil, Altersstruktur und sozialer Lage der entsprechenden Gruppen in Beziehung gesetzt werde.
Tatsächlich sind Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in der deutschen Bevölkerung jünger, männlicher und stärker in städtischen Gebieten konzentriert als der Durchschnitt. All diese Faktoren korrelieren statistisch mit höheren Tatverdächtigenquoten, unabhängig von Herkunft oder Nationalität. Eine Interpretation der Zahl ohne diesen Kontext führt zu falschen Schlussfolgerungen.
Mehr tatverdächtige Kinder
Auffällig ist auch die steigende Zahl tatverdächtiger Kinder unter 14 Jahren. Die PKS 2025 verzeichnete hier einen merklichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Strafverfolgung ist bei dieser Altersgruppe nicht möglich, Polizei und Jugendämter sind aber dazu verpflichtet, Schutzmaßnahmen einzuleiten. Kriminologen sehen einen Zusammenhang mit gestiegenen Schulabbrecherquoten und Armut in Stadtteilen mit hoher Jugenddichte.
Was nun kommt
Dobrindt kündigte an, die Konsequenzen aus der Statistik in der Koalition diskutieren zu wollen. In früheren Jahren folgten solchen Ankündigungen Forderungen nach schärferen Messerverboten im öffentlichen Raum und verstärkter Videoüberwachung. Ob diese Instrumente die Entwicklung bei Sexualdelikten beeinflussen können, ist fraglich: Vergewaltigungen geschehen überwiegend in privaten Räumen, nicht im öffentlich überwachten Bereich. Wirksamere Instrumente, die Kriminologen nennen, sind frühkindliche Förderung in benachteiligten Gebieten und schnellere Bearbeitung von Anzeigen durch Polizei und Staatsanwaltschaft.
Was die Statistik nicht erfasst
Die PKS zählt nur angezeigte Straftaten. Das Dunkelfeld bei Sexualdelikten ist nach allen kriminologischen Schätzungen erheblich: Für jede angezeigte Vergewaltigung gibt es mehrere, die nicht zur Anzeige gelangen. Frauen, die Übergriffe erlebt haben, berichten in Befragungen häufig von der Befürchtung, nicht geglaubt zu werden, von Scham oder davon, den Täter, oft ein Bekannter oder Angehöriger, nicht belasten zu wollen. Das bedeutet: Die tatsächliche Zahl sexueller Übergriffe liegt deutlich über dem, was die Statistik abbildet.
Dobrindt betonte, die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen gehöre zu den Kernaufgaben des Innenministeriums. Konkrete Maßnahmen nannte er nicht. Derzeit ist im Koalitionsvertrag eine Stärkung der Beratungsstellen für Opfer sexueller Gewalt und eine Ausweitung der Videoüberwachung an bestimmten Brennpunkten vorgesehen. Ob beides die Dunkelziffer senkt oder nur sichtbare Täter leichter erfassbar macht, ist unter Fachleuten umstritten.
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