Wie Elektroautobatterien zur Rohstoffmine werden
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Wie Elektroautobatterien zur Rohstoffmine werden

Moderne Hydrometallurgieanlagen wie Fortums Werk in Finnland holen mehr als 95 Prozent der kritischen Metalle aus Altbatterien zurück. Die EU-Batterieverordnung ab 2027 soll den Kreislauf verbindlich machen.

24. Juni 2026, 8:43 Uhr 700 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Jede ausgediente Elektroautobatterie enthält Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan, Metalle, die teuer abgebaut, geopolitisch konzentriert und umweltintensiv gefördert werden. Seit 2023 zeigt das finnische Unternehmen Fortum Battery Recycling in seiner Anlage im Harjavalta, dass mehr als 95 Prozent dieser Metalle zurückgewonnen werden können. Das ist nicht mehr Labor, das ist industrieller Maßstab. Der Kreislauf schließt sich.

Warum alte Batterien so wertvoll sind

Der globale Lithiumbedarf ist seit 2015 auf das Sechsfache gestiegen. Kobalt wird zu rund drei Viertel in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut, unter Bedingungen, die wiederholt als menschenrechtsverletzend dokumentiert wurden. Nickel stammt zu großen Teilen aus Indonesien und Russland. Die Konzentration dieser Rohstoffe in wenigen Ländern gilt als strategisches Risiko für Europas Energiewende.

elektromobilität

Gleichzeitig werden die Batterien selbst zu einer Ressource. Eine typische Traktionsbatterie eines Mittelklasse-Elektroautos enthält rund acht Kilogramm Lithium, zwölf Kilogramm Kobalt und über 30 Kilogramm Nickel. Bei Millionen Fahrzeugen, die in den kommenden Jahren ihr Lebensende erreichen, summiert sich das zu einer bedeutenden urbanen Mine.

Was moderne Anlagen leisten

Hydrometallurgische Verfahren, kurz Hydromet, lösen Batteriekomponenten mit Chemikalien bei niedrigen Temperaturen auf und extrahieren die Metalle selektiv. Das finnische Werk Harjavalta gilt als Europas größte geschlossene Hydrometanlage für Batterierecycling. Fortum gibt an, dort über 95 Prozent der enthaltenen Wertmetalle einschließlich Lithium zurückzugewinnen. Im Vergleich zu herkömmlichen Hochtemperaturverfahren (Pyrometallurgie) verbraucht Hydromet erheblich weniger Energie und vermeidet Emissionen beim Einschmelzen.

China schreibt als einzige große Volkswirtschaft verbindliche Mindestquoten vor: 85 Prozent für Lithium, 98 Prozent für Kobalt und Nickel. Das hat dazu geführt, dass chinesische Recycler technologisch früher investiert haben als europäische Wettbewerber.

Neben dem Recycling am Lebensende gewinnt auch die sogenannte Zweitnutzung an Bedeutung. Batterien verlieren ihre Wirtschaftlichkeit für Fahrzeuge typischerweise ab rund 80 Prozent Restkapazität. Für stationäre Energiespeicher, etwa zum Ausgleich von Solarstromüberschüssen, reicht diese Kapazität noch jahrelang. In Aachen baut das Unternehmen Voltfang, nach eigenen Angaben Europas größte Anlage dieser Art, solche Systeme für Gebäude und Betriebe. Mercedes-Benz betreibt Zweitnutzungsspeicher in Hannover (17 Megawattstunden, in Zusammenarbeit mit Enercity) und Lünen (13 Megawattstunden, mit The Mobility House).

Im Vergleich: Blei als Maßstab

Bleibatterien gelten als Referenzpunkt: Über 99 Prozent der in Europa genutzten Starterbatterien werden recycelt, eine der höchsten Recyclingquoten für ein industrielles Produkt. Das funktioniert, weil Blei wertvoll, schwer und leicht identifizierbar ist und weil die Infrastruktur seit Jahrzehnten steht.

recycling

Aluminium liefert einen anderen Vergleich: 75 Prozent Recyclingquote bei 95 Prozent Energieeinsparung gegenüber der Primärproduktion. Auch hier waren Jahrzehnte nötig, bis die Logistik, die Anlagenkapazität und die Anreizstrukturen zusammenpassten.

Diesen Benchmarks nähert sich das Lithiumionen-Recycling derzeit an. Noch klafft eine reale Lücke: Weltweit gelangen zu wenige ausgediente Elektroautobatterien in Recyclinganlagen. Die Branchenplattform Circunomics schätzt, dass die Rücklaufquote in Europa 2025 unter 30 Prozent der physisch verfügbaren Altbatterien liegt, weil es an Sammelstellen und Logistik fehlt.

EU-Batterieverordnung 2027 setzt verbindliche Marken

Die EU-Batterieverordnung, die schrittweise ab 2027 in Kraft tritt, schreibt Mindestquoten vor: 90 Prozent für Kobalt, Nickel, Kupfer und Blei bis Ende 2027, 50 Prozent für Lithium bis 2027 und 80 Prozent für Lithium bis 2031. Ab Februar 2027 benötigen bestimmte Batterien einen digitalen Batteriepass, der Herkunft, Materialzusammensetzung und Recyclinganteil dokumentiert.

Diese Vorgaben ziehen Investitionen nach sich. Das US-Energieministerium stellte im Rahmen eines 3-Milliarden-Dollar-Pakets mehrere Hundert Millionen Dollar für Projekte zur Rückgewinnung von Lithium, Kobalt und Nickel aus Altbatterien bereit. In Europa entstehen neue Recyclinganlagen in Frankreich, Schweden und Deutschland, darunter Düsenfeld in Braunschweig, das mit einem mechanisch-hydrometallurgischen Verfahren eine Recyclingrate von 91 Prozent auf Zellebene erreicht.

Wenn die Rücklaufquote steigt, verändert sich die Rechnung fundamental: Europa könnte langfristig einen wachsenden Anteil seiner Batterie-Rohstoffe aus dem eigenen Bestand decken, ohne neue Minen in Kongos Süden oder Chiles Atacama-Wüste aufzuschließen.

Quellen (9)

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