Solar überholt Braunkohle: Energiewende 2025
2010 deckten erneuerbare Energien noch 17 Prozent der deutschen öffentlichen Stromproduktion ab. 2025 sind es 55,9 Prozent, bestätigt das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). In diesen fünfzehn Jahren hat die Energiewende einen konkreten Meilenstein gesetzt: Solarstrom übertraf 2025 zum ersten Mal Braunkohle als Energiequelle. Dass die Erneuerbaren trotzdem auf 55,9 Prozent kletterten, obwohl Wind im ersten Quartal unterdurchschnittlich lief, zeigt wie stark Solar das Gesamtergebnis inzwischen trägt.
Wie Solar die Braunkohle überholte
Photovoltaikanlagen produzierten 2025 etwa 87 Terawattstunden Strom, 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Das entspricht rechnerisch dem Jahresbedarf von rund 25 Millionen deutschen Haushalten. Diese Steigerung reichte, um Braunkohle als Energiequelle zu überflügeln. Braunkohle war jahrzehntelang die billigste verfügbare Grundlast in Deutschland und galt lange als unverzichtbar für die Netzstabilität.

Wind blieb die stärkste Einzelquelle: 132 Terawattstunden kamen von Onshore-Anlagen (rund 106 TWh) und Offshore-Parks (26 TWh). Bemerkenswert ist, dass die Windproduktion gegenüber 2024 um etwa fünf Prozent sank, weil früh im Jahr die Windverhältnisse unterdurchschnittlich ausfielen. Dass die Erneuerbaren trotzdem insgesamt auf 55,9 Prozent kletterten, zeigt, wie stark der kontinuierliche Solarausbau die schwankungsanfällige Windproduktion ausgleicht.
16,2 Gigawatt neue Solarkapazität wurden 2025 installiert. Die kumulierte Leistung aller deutschen Photovoltaikanlagen stieg damit auf 116,8 Gigawatt.
Was 55,9 Prozent bedeutet und was nicht
Die Zahl bezieht sich auf die öffentliche Nettostromproduktion, also das, was große Kraftwerke und Anlagen ins allgemeine Netz einspeisen. Industrielle Eigenerzeugung und Nettoimporte sind nicht vollständig eingerechnet. Dennoch ist der Wert aussagekräftig: Die übrigen 44 Prozent des deutschen Stroms kommen noch immer aus Erdgas, Biomasse und Resten der Braun- und Steinkohle. Die Energiewende hat die Mehrheit erreicht, aber nicht das Ende.
Ein strukturelles Problem bleibt. Der Netzausbau hält mit dem Erzeugungsausbau nicht Schritt. Die Bundesnetzagentur stellte in ihrem Monitoringbericht fest, dass in Stunden hoher Einspeisung Anlagen vermehrt abgeregelt werden müssen, weil Übertragungskapazitäten fehlen. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) weist seit Jahren darauf hin, dass fehlende Speicherkapazitäten und mangelnder Netzausbau die Energiewende ausbremsen könnten. Ohne Investitionen in Speicher und intelligente Netze drohe der Erzeugungsausbau in Engpässen zu verpuffen statt in tatsächlich genutzten sauberen Strom umgewandelt zu werden.

Im Vergleich: Woher Deutschland kommt
Die interne Entwicklung zeigt die Beschleunigung deutlich. 2010 deckten Erneuerbare etwa 17 Prozent der öffentlichen Stromproduktion ab. 2015 waren es rund 32 Prozent, 2020 etwa 46 Prozent und nun 2025 bereits 55,9 Prozent. Von 17 auf 56 Prozent in 15 Jahren entspricht einer Verdreifachung.
Dänemark ist der bekannteste Referenzpunkt für einen vollständigen Übergang. Das Land begann in den 1980er Jahren, sich aus einer ähnlichen Abhängigkeit von Öl und Kohle zu lösen. Laut der Internationalen Energiebehörde erzeugte Dänemark 2024 über 80 Prozent seines Stroms aus Windkraft allein. Dänemark brauchte für diesen Weg rund 40 Jahre und profitiert von einer günstigen Offshore-Geographie. Deutschland holt mit einem schwereren Ausgangspunkt und größerem Industrieanteil deutlich schneller auf als erwartet.
Global hat sich Solarenergie in den letzten 15 Jahren dramatisch verbilligt. Nach Berechnungen des Beratungshauses Lazard ist Strom aus neuen Solaranlagen heute günstiger als aus jedem anderen neuen Kraftwerkstyp. Das treibt den Ausbau auch in Ländern, die früher vor allem auf Kohle setzten, weil Kohle billiger war.
22 Gigawatt 2026: Der nächste Gradmesser
Um auf dem Ausbaupfad zu bleiben, müssen laut Fraunhofer ISE 2026 mindestens 22 Gigawatt neue Solarkapazität installiert werden. Gegenüber den 16,2 Gigawatt von 2025 wäre das ein Zuwachs von knapp 36 Prozent in einem Jahr. Der bisherige Trend gibt Grund zur Zuversicht: Der jährliche Zubau stieg von etwa sieben Gigawatt 2022 auf 17 Gigawatt 2025, also eine Verdreifachung in drei Jahren.
Ob dieser Sprung gelingt, zeigt die Bundesnetzagentur im Frühjahr 2027 mit dem Jahresbericht 2026. Dann lässt sich ablesen, ob Solar nicht mehr nur die Braunkohle eingeholt hat, sondern sie dauerhaft und mit wachsendem Abstand hinter sich lässt.
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