Erste Tanker durch Hormus seit Kriegsbeginn
Am 18. Juni passierten drei saudische Supertanker erstmals seit Kriegsbeginn die Straße von Hormus: die ersten Rohöltanker unter saudischer Flagge, die Meerenge seit dem 28. Februar durchquert haben. Die drei Schiffe tragen zusammen rund sechs Millionen Barrel Rohöl. In den vergangenen 24 Stunden genehmigten die Iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben 33 Schiffe für die Durchfahrt. Die Minen, die Iran zu Kriegsbeginn verlegt hat, sind noch nicht geräumt.
3,5 Monate Umweg über Yanbu
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und damit ein Fünftel des weltweiten Ölexports mit seinen Abnehmerländern. Saudi-Arabien hatte seit Kriegsbeginn im Februar 2026 auf die Route verzichtet und Rohöl stattdessen über den Rotmeer-Hafen Yanbu nach Westen geleitet: ein Umweg, der erhebliche Zusatzkosten und längere Laufzeiten bedeutete. Die drei saudischen Supertanker, die nun durch Hormus fuhren, sind nach Angaben der Datendienste Bloomberg und FleetMon die ersten saudischen Rohöltanker seit dem 28. Februar in dieser Passage.
Weitere Nationen nutzen die ersten Stunden nach der informellen Öffnung ebenfalls: Ein Tanker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, ein katarischer LNG-Frachter und ein chinesisches Treibstoffschiff durchquerten die Meerenge mit aktiven Transpondern. Der leere katarische LNG-Tanker ist das erste Rückfahrtschiff dieser Art, das seit Kriegsbeginn in den Persischen Golf zurückgekehrt ist. Für Katar, das vor dem Krieg rund 93 Prozent seines Flüssigerdgases über Hormus exportierte, ist das ein Signal, dass die Route wieder nutzbar wird.
Was das Memorandum regelt und was es offenlässt
US-Präsident Donald Trump unterzeichnete das 14-Punkte-Memorandum of Understanding am 17. Juni im Schloss Versailles, Irans Präsident Masoud Peseschkian gegenzeichnete digital. Das Abkommen verpflichtet Iran, die Straße von Hormus innerhalb von 30 Tagen zu öffnen und Minen zu räumen. Die USA sagen zu, ihre Marineblockade aufzuheben und Energiesanktionen gegen Iran auszusetzen. Rund 24 Milliarden Dollar eingefrorener iranischer Vermögen könnten freigegeben werden, die Hälfte davon noch vor Beginn der 60-tägigen Abschlussverhandlungen.
Die Schiffe fahren heute noch innerhalb der offiziellen 30-Tage-Frist für Minenräumung. Wie das möglich ist: Die Iranischen Revolutionsgarden erteilen derzeit manuell Genehmigungen für Einzeldurchfahrten, was einem informellen Escort-System entspricht. Eine vollständige Räumung der Minen haben unabhängige Experten auf 40 bis 50 Tage nach Unterzeichnung geschätzt. Die Lloyd's Market Association, die Prämien für Kriegsrisikoversicherungen in der Region festlegt, erklärte, Stabilität und Planungssicherheit für Schiffsbetreiber und Versicherer sei noch nicht gegeben.
Hinzu kommt eine Kontroverse, die Trump in seiner Ankündigung übergangen hatte: Teheran besteht auf Servicegebühren für die Durchfahrt. Irans Verhandlungsführer Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte nach der Unterzeichnung, Iran habe das Recht auf Souveränität über die Straße von Hormus und werde selbstverständlich eine Servicegebühr erheben. Das Memorandum verbietet klassische Transitgebühren, nicht jedoch Servicegebühren. Das Iranische Parlament hatte eine entsprechende Gebührenordnung für Navigation, Umweltschutz und Versicherungsdienstleistungen bereits im März 2026 verabschiedet. Die Differenz zwischen Trumps Versprechen abgabefreier Durchfahrt und Teherans Gebührenordnung bleibt formal ungelöst und wird in den nächsten 60 Tagen Verhandlungsthema sein.
Deutsche Minenräumer auf dem Weg
Auf dem Weg in die Region sind unterdessen deutsche Kriegsschiffe: Das Minenjagdboot Fulda und der Tender Mosel passierten den Suezkanal und fahren Richtung Rotes Meer. Ein Zwischenstopp in Djibouti ist in fünf bis sieben Tagen geplant. An Bord sind insgesamt 140 Soldatinnen und Soldaten sowie autonome Systeme zur Minensuche, Minentaucher und Schiffsschutzteams. Ein britischer Zerstörer begleitet den Verband als Schutz gegen mögliche Bedrohungen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärte beim NATO-Verteidigungsministertreffen in Brüssel am 18. Juni, …wenn zum Einsatz gerufen werde. Ein Einsatz braucht ein UN-Mandat, einen EU-Beschluss und ein Bundestagsmandat. Alle drei stehen noch aus.
Die offenen Fragen: Minen, Maut und Israels Sonderrolle
US-Vizepräsident JD Vance räumte ein, das Memorandum sei ungefähr anderthalb Seiten lang und diese Fragen müssten zunächst in technischen Verhandlungen geklärt werden. Die ZEIT beurteilte das Abkommen als einen Deal, der keiner sei und Trump nicht helfe, weil er die schwierigen Fragen vertage statt löse. Besonders die Israel-Frage bleibt ungelöst: Das Abkommen erwähnt Libanon, enthält aber kein Mandat für einen israelischen Rückzug. Israel hat erklärt, seine Operationen in Gaza, Libanon und Syrien würden so lange wie nötig fortgesetzt.
Für die Ölmärkte war das Signal dennoch wirksam: Brent Crude fiel nach Unterzeichnung des Abkommens auf rund 79 Dollar je Barrel. Im Verlauf des Krieges hatte der Preis zeitweise über 100 Dollar gelegen. Drei saudi-arabische Supertanker durch Hormus sind noch kein normalisierter Schiffsverkehr. Sie sind das erste konkrete Zeichen, dass das Abkommen von jenem Tag gilt, an dem es unterzeichnet wurde.
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