Nach 90 US-Angriffen: Iran sperrt Hormus
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Nach 90 US-Angriffen: Iran sperrt Hormus

Die dritte US-Angriffswelle mit rund 90 iranischen Zielen hat eine neue Eskalationsstufe ausgelöst. Irans Revolutionsgarden erklärten die Straße von Hormus für unbestimmte Zeit gesperrt. Der Schiffsverkehr brach um rund 70 Prozent ein.

12. Juli 2026, 2:41 Uhr 808 Wörter · 5 Min. Lesezeit

In der Nacht zum 12. Juli bombardierte das US-Zentralkommando rund 90 iranische Militärziele entlang der Küste des Persischen Golfs, die dritte amerikanische Angriffswelle binnen einer Woche. Die Revolutionsgarden antworteten mit der weitreichendsten Ankündigung seit Kriegsbeginn: Die Straße von Hormus bleibe "bis auf Weiteres und bis zum Ende der amerikanischen Interventionen in der Region" für alle Schiffe gesperrt. Durch die Meerenge fließen rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung.

Wie es in dieser Woche so weit kam

Das Islamabad-Memorandum vom 17. Juni hatte eine 60-tägige Verhandlungsphase vorgesehen, in der beide Seiten die Schläge aussetzen und Iran die Durchfahrt durch Hormus gewährleisten sollte. Am 8. Juli widerriefen die USA die Sanktionsausnahme für iranische Ölexporte und erklärten die bisherigen Vereinbarungen für gescheitert. Iran verkündete daraufhin das Ende des Waffenstillstands.

Den Tankerangriff vor den 8.-Juli-Absatz ziehen: "Am 7. Juli traf eine iranische Rakete den Tanker Al Rekayyat [.]. Am 8. Juli widerriefen die USA die Sanktionsausnahme." Als iranische Raketen den Tanker Al Rekayyat trafen, brach im Maschinenraum ein Feuer aus; das Schiff drohte zu explodieren. In der ersten Wochenhälfte flogen die USA zwei Angriffswellen gegen iranische Küstenstellungen. Iran beschoss als Vergeltung US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain, darunter Camp Arifjan und Ali Al Salem Air Base sowie Shaikh Isa Air Base und Juffair in Bahrain. Am 11. Juli teilte ein US-Regierungsbeamter mit, die technischen Gespräche mit Iran liefen "trotz der jüngsten Eskalation" weiter. In der darauffolgenden Nacht startete das US-Zentralkommando die dritte Angriffswelle gegen rund 90 iranische Militärziele.

Was die Sperrung ohne Zeitrahmen bedeutet

Der entscheidende Unterschied zu früheren Blockadephasen: Irans Ankündigung nennt keinen Zeitraum und keine konkrete Bedingung außer dem Ende "aller amerikanischen Interventionen". Frühere Sperrungen, etwa im April und Mai 2026, waren entweder zeitlich begrenzt oder mit spezifischen Forderungen (Durchfahrtgebühr, Schiffskontrolle) verknüpft. Das aktuelle Szenario ist offener und damit schwerer vorhersehbar.

Die Straße von Hormus ist an ihrer engsten Stelle rund 39 Kilometer breit. Durch sie fließen nach Angaben der Internationalen Energieagentur rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung und etwa ein Fünftel des globalen Flüssiggashandels. ZDF-Daten zufolge passierten am Donnerstag nur noch sechs Handelsschiffe täglich den Engpass, gegenüber 21 am Vortag, ein Rückgang von rund 70 Prozent. Brent-Rohöl notierte am Wochenende bei 76,58 Dollar je Barrel. Rohstoffanalysten warnten vor einem weiteren Preisanstieg von 10 bis 15 Dollar, sollte die Sperrung andauern.

Bomben und Verhandlungen gleichzeitig

Was auffällt, ist die paradoxe Logik beider Seiten: Die USA bombardieren iranische Stellungen und erklären gleichzeitig, die Gespräche liefen weiter. Iran schließt die Meerenge und kündigt das Verhandlungsformat trotzdem nicht auf. Dieser Zustand ist kein Missverständnis, sondern Strategie. Beide Seiten versuchen, durch militärischen Druck günstigere Verhandlungsbedingungen zu erzwingen, ohne den diplomatischen Kanal offiziell zu kappen.

Irans neuer Oberster Führer Mojtaba Chamenei ist seit dem Angriff auf Teheran im Februar öffentlich nicht aufgetreten. Nach der Bestattung seines Vaters Ali Chamenei am 9. Juli ließ er am 11. Juli einen Brief verlesen, in dem er Rache für dessen Tod schwor. Ob er die Verhandlungsposition des Landes eigenmächtig verändert oder die bisherige Linie fortsetzt, ist von außen nicht ablesbar.

35 Tage bis zum Ende des diplomatischen Rahmens

Das Islamabad-Memorandum läuft am 16. August aus. Danach existiert kein formalisierter Verhandlungsrahmen mehr, der die Intensität der militärischen Aktivitäten auch nur nominell begrenzt. Für eine Einigung müssten beide Seiten bis dahin nicht nur die Kampfhandlungen einstellen, sondern sich auf die Grundbedingungen einer Hormus-Durchfahrt einigen, einen Streitpunkt, der seit Februar 2026 ungelöst ist.

Für europäische Abnehmer bedeutet die anhaltende Sperrung: Energiepreise bleiben unter Druck, Flüssiggaslieferungen aus Katar und den Golfstaaten müssen über deutlich längere Ausweichrouten transportiert werden. Die Vereinten Nationen meldeten rund 6.000 auf Schiffen gestrandete Seeleute im Hormus-Gebiet. "Die UN-Schifffahrtsorganisation IMO rief zur sofortigen Evakuierung der gestrandeten Besatzungen auf."

Update 12. Juli, 09:00 Uhr: Nach der dritten US-Angriffswelle beschossen die iranischen Revolutionsgarden erstmals in diesem Eskalationszyklus auch die Vereinigten Arabischen Emirate mit Raketen, zusätzlich zu erneuten Treffern auf US-Stützpunkte in Bahrain und Katar. Die Besatzung des zyprischen Containerschiffs GFS Galaxy, dessen Angriff in der Straße von Hormus die dritte US-Welle ausgelöst hatte, verließ das brennende Schiff und rettete sich auf Rettungsinseln; ein Besatzungsmitglied wird laut britischer Seehandelsbehörde weiterhin vermisst. Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf postete auf X unter dem Bild der Hormusklausel aus dem Islamabad-Memorandum: „The era of one-sided deals is OVER. We told you: keep your word or pay the price. Reality is knocking.“ US-Medien berichteten über weitere amerikanische Vergeltungsschläge auf bis zu 140 iranische Militärziele.

Update 13. Juli, 05:00 Uhr: Irans Gesundheitsministerium bestätigte 14 Tote und 78 Verletzte als direkte Folge der jüngsten US-Luftangriffe; 47 der Verletzten lagen laut Ministeriumsangaben noch in Behandlung. Zu den bereits gemeldeten Angriffen auf Stützpunkte in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Kuwait haben die Revolutionsgarden zusätzlich Jordaniens Stützpunkt Prince Hassan Air Base mit Raketen und Drohnen angegriffen. Iranische Staatsmedien zufolge richteten sich die Schläge gegen Raketendepots und Treibstofflager auf dem Stützpunkt, der von US-amerikanischen und alliierten Kräften für Operationen in der Region genutzt wird.

Quellen (17)

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