US-Angriffe beendet: Iran kündigt Vergeltung an
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US-Angriffe beendet: Iran kündigt Vergeltung an

Das US-Militär erklärte die jüngste Angriffsserie auf iranische Ziele für abgeschlossen. Iran kündigte Vergeltung an und feuerte erneut Drohnen auf Handelsschiffe. Dennoch hält US-Finanzminister Bessent eine Abkommensunterzeichnung bis Montag für möglich.

13. Juni 2026, 12:41 Uhr 1055 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Vier Angriffswellen in fünf Tagen: Seit dem Abschuss eines US-Kampfhelikopters über der Straße von Hormus am 9. Juni haben amerikanische Streitkräfte iranische Militäranlagen vom Küstenstreifen bis nach Teheran getroffen. Am Samstag erklärte CENTCOM die jüngste Serie für abgeschlossen. Iran kündigte Vergeltung an und feuerte erneut Drohnen auf Handelsschiffe. Gleichzeitig bezeichnete US-Finanzminister Scott Bessent eine Abkommensunterzeichnung noch für dieses Wochenende als möglich. Der Konflikt zeigt an diesem Samstag sein charakteristisches Muster: Militäroperationen und Abkommensverhandlungen verlaufen auf parallelen Spuren.

Vier Angriffswellen seit dem Apache-Abschuss

Die jüngste Eskalationsspirale begann am 9. Juni, als ein iranisches Drohnensystem einen US-Armeehubschrauber des Typs AH-64 Apache über der Hormusmeerenge abschoss. Das US-Zentralkommando CENTCOM antwortete noch in derselben Nacht mit Luftangriffen auf iranische Radaranlagen, Bodenleitzentren und Luftabwehrsysteme entlang der Meerengenküste. Eine zweite Welle traf in der Nacht auf den 11. Juni erstmals auch Kommunikationssysteme und Luftabwehranlagen im Großraum Teheran. Es war das erste Mal seit Kriegsbeginn am 28. Februar, dass Angriffe die iranische Hauptstadt direkt betrafen.

CENTCOM erklärte am Samstag die jüngste Angriffsserie nach Angaben von Handelsblatt und ABC News für abgeschlossen. Als Ziele hatte CENTCOM in vorherigen Verlautbarungen neben Radaranlagen und Luftabwehrsystemen auch Munitionsdepots, Kommandoknoten und Kontrollknoten sowie Lagerinfrastruktur genannt. Die Operationen seien Selbstverteidigungsmaßnahmen als Reaktion auf Irans andauernde Angriffe auf US-Streitkräfte und zivile Handelsschiffe in der Meerenge.

Noch in der Nacht auf Samstag feuerte Iran erneut mehrere Angriffsdrohnen auf Handelsschiffe in der Hormusmeerenge. CENTCOM schoss alle ab. Die Meerenge bleibt für den kommerziellen Schiffsverkehr passierbar, auch wenn der Durchfluss nach Angaben der Internationalen Energieagentur weiterhin bei einem Bruchteil des Normalvolumens liegt.

Zwei Irans: Araghchi verhandelt, IRGC greift an

Parallel zur militärischen Eskalation läuft der Abkommensprozess auf Hochtouren. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif bestätigte am Freitag, ein „endgültiger, von allen Seiten abgestimmter Text“ des Friedensabkommens liege vor. Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte, eine Einigung sei „noch nie so nah gewesen.“ Araghchi bestätigte zudem, eine Unterzeichnung könne „digital und remote innerhalb von Tagen“ erfolgen. Bessent präzisierte am Samstagmorgen: Er halte einen Abschluss „dieses Wochenende oder Montag“ für möglich.

Irans Außenamtssprecher Esmail Baghaei relativierte dies: Eine „endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen.“ Präsident Masud Pezeshkian erklärte, Iran werde „jedem Druck und jeder Drohung standhalten.“ Die Islamischen Revolutionsgarden kündigten Vergeltung für die amerikanischen Schläge der vergangenen Tage an.

Das Nebeneinander ist kein Zufall, sondern Struktur. Nach dem Tod des Obersten Führers Ali Khamenei zu Kriegsbeginn im Februar 2026 ist die Kommandostruktur der Islamischen Revolutionsgarden ungeklärt. Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, ein ehemaliger IRGC-Kommandeur, soll das Abkommen für Iran unterzeichnen. Ob er die operativen IRGC-Einheiten in der Meerenge tatsächlich instruieren kann, Drohnenangriffe einzustellen, ist eine der zentralen offenen Fragen. Araghchi kann verhandeln. Wer die Meerenge öffnet, entscheidet das IRGC-Marinekommando.

Was Vergeltungsankündigungen im Irankonflikt bedeuten

Irans Vergeltungsankündigungen folgen im Verlauf des Konflikts einem erkennbaren Muster. Nach jedem US-Schlag kommt eine formelle Drohung; die tatsächliche Vergeltung bleibt kalibiert. Die Islamischen Revolutionsgarden feuern Drohnen auf Handelsschiffe, gelegentlich Raketen auf US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain und Jordanien. Die meisten werden abgefangen. CENTCOM spricht von Selbstverteidigung; Iran bezeichnet dieselben US-Gegenschläge als Waffenstillstandsbruch.

Iran veröffentlichte am Freitag über die staatliche Nachrichtenagentur Mehr News einen 14-Punkte-Rahmenentwurf des Abkommens. Er sieht unter anderem eine sofortige Öffnung der Straße von Hormus, die Freigabe von 24 Milliarden Dollar eingefrorener iranischer Vermögen und einen von den USA mitfinanzierten Wiederaufbauplan über mindestens 300 Milliarden Dollar vor. Trump widersprach scharf: Was der iranische Staatsrundfunk über das Abkommen berichte, habe „NICHTS mit den tatsächlich vereinbarten Bedingungen zu tun.“ Die 300-Milliarden-Dollar-Forderung dürfte der Kernstreitpunkt sein: Ohne Zustimmung des US-Kongresses ist ein solches Programm in Washington nicht durchsetzbar.

Die IAEA-Frage überlagert alles. Am 10. Juni stimmte der IAEA-Gouverneursrat mit 21 zu 3 Stimmen für eine Resolution, die Iran zur Offenlegung von 440 Kilogramm hochangereicherten Urans verpflichtet. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar hat kein internationaler Inspektor iranische Nuklearanlagen betreten. Netanjahu ließ durchblicken, Israel werde nur einem Deal zustimmen, der Urananreicherung dauerhaft beendet. Israel ist nicht Partei der Islamabad Declaration.

Bessent nennt Montag als möglichen Termin

Am Montag beginnt in Évian-les-Bains am Genfer See der G7-Gipfel. Frankreich führt den Vorsitz und hat den Irankonflikt auf die Agenda gesetzt. Eine Unterzeichnung des Abkommens noch vor Gipfelbeginn würde Trump ermöglichen, das Dokument als politischen Erfolg direkt in den Gipfel einzubringen. Bessent nannte Montag als möglichen Termin für den Abschluss.

Pakistan, das als Hauptvermittler fungiert, arbeitet nach eigenen Angaben „eng mit beiden Seiten zusammen, um die nächsten Schritte zu finalisieren.“ Die Schweiz hat sich als möglicher Unterzeichnungsort angeboten. VP Vance sprach von einem „leistungsbasierten Abkommen“, das die Region neu gestalten könne.

Ob die jüngste Vergeltungsankündigung der Revolutionsgarden den Zeitplan stört oder das gewohnte Muster wiederholt, zeigt sich bis Montag. Das Abkommen kann auf dem Papier vereinbart sein. Solange IRGC-Einheiten Drohnen auf Handelsschiffe feuern, beweist das Papier noch nicht, dass der Krieg auch endet.

Update 13. Juni, 15:06 Uhr: Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif konkretisierte am Samstagnachmittag den Zeitplan und sprach von einer erwarteten Unterzeichnung „innerhalb der nächsten 24 Stunden". Bloomberg berichtete unter Berufung auf einen G7-Vertreter, Genf solle am Sonntag, dem 14. Juni, als Unterzeichnungsort dienen; US-Vizepräsident JD Vance soll das Dokument für Washington zeichnen, Irans Parlamentspräsident Ghalibaf für Teheran. Der Entwurf des Memorandums sieht vor, dass Iran alle Minen in der Hormusmeerenge binnen 30 Tagen räumt und keine Durchfahrtgebühren erheben darf; die USA würden im Gegenzug eingefrorene iranische Vermögen freigeben und Ölsanktionen aufheben. Teheran dementierte jedoch unverzüglich: Außenamtssprecher Esmail Baghaei nannte Berichte über eine Genfer Unterzeichnung an diesem Sonntag „unwahr". Die IRGC-nahe Nachrichtenagentur Fars zitierte eine Quelle aus dem Verhandlungsteam, die „sowohl den Sonntag als auch Genf kategorisch verneinte" und betonte, Irans interne Entscheidungsfindung sei nicht abgeschlossen und der Oberste Führer habe dem Abkommenstext noch nicht zugestimmt. Das Weiße Haus bereitet parallel die Zeremonienlogistik vor.

Update 13. Juni, 23:00 Uhr: Trump postete am Samstagabend auf Truth Social, der Deal sei „für morgen zur Unterzeichnung geplant“ und die Straße von Hormus öffne unmittelbar danach „für alle“. Er behauptete zudem, Iran habe zugesagt, Atomwaffen weder zu kaufen noch zu entwickeln noch auf andere Weise zu beschaffen. Irans Außenministerium widersprach: Die Absichtserklärung werde am Sonntag nicht unterzeichnet; die Zögerlichkeit der anderen Seite erfordere Vorsicht bei Terminaussagen. ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa berichtete aus Teheran, Iran trete bewusst auf die Bremse, um zu signalisieren, dass Teheran den Zeitplan bestimme. Aus den Bloomberg vorliegenden Vertragstexten geht hervor, dass die 440 Kilogramm hochangereicherten Urans zunächst in iranischem Besitz bleiben; erst in Folgeverhandlungen über 60 Tage soll über schwerwiegende Einschränkungen oder eine Beendigung der Urananreicherung verhandelt werden.

Quellen (21)

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