USA setzen B-1-Bomber ein: Iran-Konflikt eskaliert
International

USA setzen B-1-Bomber ein: Iran-Konflikt eskaliert

Erstmals seit Ende der Waffenruhe setzt das US-Militär B-1-Langstreckenbomber gegen Iran ein, die stärksten konventionellen Bomberflugzeuge der amerikanischen Luftwaffe. Trump droht mit dem bisher größten Angriff, Außenminister Rubio erklärt Iran für grundsätzlich nicht vertragsfähig.

24. Juli 2026, 7:02 Uhr 957 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Fünf Wochen nach dem Memorandum of Understanding setzen die USA erstmals B-1-Langstreckenbomber gegen den Iran ein, gestartet von einer Basis in Großbritannien mit rund 34 Tonnen möglicher Bombenlast. Präsident Trump drohte am selben Tag mit einem „massiven Angriff, größer als je zuvor" und stellte eine feste Formel auf: Jeder Angriff auf ein Schiff in der Straße von Hormus zieht einen US-Angriff auf iranische Infrastruktur nach sich, möglicherweise auch auf Brücken und Kraftwerke in Teheran selbst. Außenminister Marco Rubio erklärte in Manila, Iran sei grundsätzlich nicht in der Lage, Abkommen einzuhalten.

Wie die Waffenruhe scheiterte

Am 17. Juni hatten die USA und der Iran ein 14-Punkte-Memorandum of Understanding unterzeichnet. Die Einigung formalisierte die seit April geltende Waffenruhe, beendete die US-Seeblockade iranischer Häfen, öffnete die Straße von Hormus für den zivilen Handelsverkehr und bot Teheran eine Aussetzung der Ölsanktionen an. Nach US-Angaben hielt die Einigung keine sechs Wochen: Iran griff drei Handelsschiffe an, die von Teheran vorgeschriebene Transitroute durch die Meerenge umgangen hatten.

Trump erklärte beim NATO-Gipfel, das Waffenstillstandsabkommen sei „vorbei" und bezeichnete seine iranischen Verhandlungspartner als „Abschaum" und „kranke Menschen". Am 8. Juli nahmen die USA ihre Luftangriffe wieder auf. Seitdem hat das US-Militär nach Angaben des Council on Foreign Relations sechs Tage in Folge Angriffswellen gegen iranische Ziele entlang der Küste des Persischen Golfs geflogen, die intensivsten Angriffe seit der April-Waffenruhe. Zu den Zielen in der Provinz Hormozgan, die Meerenge von Hormus geografisch flankiert, gehörten Raketenlager, Abschussrampen, Luftabwehrsysteme und Küstenüberwachungsanlagen. Teheran meldete zudem Treffer auf sechs Brücken und Stromleitungen in der Provinz.

B-1-Bomber als Eskalationssignal

Der strategische B-1-Lancer ist kein taktisches Kampfflugzeug, sondern ein Weitstreckenbomber, konzipiert für den Einsatz in stark verteidigten Lufträumen mit einer Nutzlastkapazität von rund 34 Tonnen Bomben oder Marschflugkörpern. Sein Einsatz signalisiert nach Einschätzung von Militäranalysten eine qualitative Verschiebung der US-Kampagne: Washington greift auf Waffensysteme zurück, die größere Schäden an gehärteten Zielen verursachen können als die bisher eingesetzten taktischen Flugzeuge.

Laut dem Jerusalem Post handelte es sich am 22. und 23. Juli um den ersten B-1-Einsatz seit dem Wiederaufflammen des Konflikts am 8. Juli. Für den Iran bedeutet das eine neue Bedrohungsdimension. Der B-1 wird in der US-Militärdoktrin für die Bekämpfung von Zielen eingesetzt, die gegen Angriffe durch Fregattenraketen oder F-35-Kampfjets resistenter sind, also tief eingegrabene Kommandobunker, Raketensilos oder gehärtete Infrastrukturknoten. Der Iran hat seit Kriegsbeginn einen erheblichen Teil seiner militärischen Infrastruktur in den Untergrund verlegt.

Parallel kündigte Trump eine automatische Vergeltungsformel an: Jeder iranische Angriff auf ein Schiff in der Straße von Hormus werde mit dem Abwurf amerikanischer Bomben auf eine iranische Brücke oder ein Kraftwerk beantwortet. Trump fügte hinzu, solche Ziele könnten auch im Großraum Teheran liegen. Das würde eine geografische Ausweitung des Konflikts bedeuten, der bisher auf den Südirans und die Küstengebiete am Persischen Golf konzentriert war.

Rubio in Manila: Wer Abkommen bricht, zahlt den Preis

Außenminister Rubio sprach am 23. Juli am Rande des ASEAN-Forums in Manila. Auf die Frage nach dem Stand der Verhandlungen sagte er laut Handelsblatt, der Iran sei „offenbar nicht wirklich an einer belastbaren Vereinbarung interessiert". Das eigentliche Problem sei grundlegenderer Art: „Man kann keine Vereinbarungen mit Leuten treffen, die sich nicht daran halten. Diese Leute schließen Abkommen, brechen sie dann aber fast umgehend wieder." Der Iran zahle dafür gerade den Preis.

Die Aussage ist bemerkenswert, weil Rubio damit die diplomatische Logik der vergangenen Monate öffentlich aufgibt. Das MoU vom 17. Juni war als Grundlage für Verhandlungen über ein dauerhaftes Ende des Konflikts gedacht. Sechs Wochen nach seiner Unterzeichnung beschreibt Rubio Iran nicht nur als Verhandlungspartner, der in dieser Runde scheiterte, sondern als Akteur, der strukturell nicht vereinbarungsfähig sei. Das macht eine diplomatische Lösung auf kurze Sicht unwahrscheinlich.

Iran zwischen Gegendrohung und Vergeltung

Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf warnte, kein Stück iranischer Infrastruktur werde sicher bleiben, falls die USA ihre Drohungen wahr machten. Das iranische Militär hat bereits amerikanische Stützpunkte am Persischen Golf mit Drohnen beschossen. Diese Gegenangriffe auf US-Basen sind Teil einer iranischen Abschreckungsstrategie: Wenn US-Personal unter Feuer gerät, steigt der innenpolitische Druck in Washington, den Konflikt zu begrenzen.

An den Energiemärkten zeigten sich die Reaktionen sofort. Brent-Rohöl überstieg 100 Dollar pro Barrel, den ersten dreistelligen Wert seit Mai. WTI-Öl stieg um 4,5 Prozent auf 90,74 Dollar. Auslöser war auch die Meldung über Huthiangriffe auf zwei saudische Öltanker im Roten Meer: Die Miliz beschoss am 22. Juli die Tanker Encelia und Layla, offenbar weil diese die von den Huthis ausgerufene Seeblockade gegen Saudi-Arabien verletzt hatten. Rubio bezeichnete die Huthis als von Iran in die Angriffe „hineingezogene" Akteure, die Riad nicht direkt bekämpfen wollten, sondern von Teheran dazu gebracht wurden.

Vor welcher Entscheidung Trump steht

Trump sagte am 23. Juli, er erwäge „einen massiven Angriff, größer als je zuvor". Ob es sich um ein Druckmittel handelt oder um einen konkret geplanten Schlag, ließ er offen. Ein solcher Angriff würde nach dem Muster bisheriger US-Kriegsrhetorik entweder eine koordinierte Simultanaktion gegen mehrere Standorte bedeuten oder eine geografische Ausweitung in Richtung Zentraliran und Teheran.

Der politische Spielraum für Verhandlungen hat sich seit dem Scheitern des MoU weiter verengt. Rubio hat Iran öffentlich als strukturell unzuverlässig bezeichnet. Trump hat eine automatische Vergeltungsformel verankert, bei der iranisch gesteuerte Angriffe direkte Konsequenzen für iranische Infrastruktur nach sich ziehen. Für Teheran bedeutet das: Jede Reaktion, auch indirekt über die Huthis, eskaliert automatisch. Der nächste Huthiangriff auf ein Handelsschiff im Roten Meer könnte die Entscheidung über den „massiven Angriff" erzwingen.

Update 25. Juli, 03:12 Uhr: Die Lloyd's Market Association (LMA) hat am 23. Juli neue Versicherungsklauseln erlassen. Reedereien verlieren ihren Versicherungsschutz, sobald sie iranische Transitgebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zahlen. Der Iran fordert nach Angaben von Personen mit direktem Wissen um den Vorgang bis zu 2 Millionen Dollar pro Schiff und Durchfahrt. Die LMA begründet die Klauseln mit dem Risiko, gegen US-amerikanische, britische und EU-Sanktionsgesetze zu verstoßen.

Quellen (11)

Kommentare