Iran legt Gegenvorschlag vor: Trump setzt Angriff aus
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Iran legt Gegenvorschlag vor: Trump setzt Angriff aus

Irans Außenminister Abbas Araghtschi überreichte dem pakistanischen Vermittler am Montag einen schriftlichen Gegenvorschlag, den Teheran als Absichtserklärung für Frieden bezeichnet. Gleichzeitig setzte Trump einen für diese Nacht geplanten Militärangriff auf Drängen der Golfstaaten aus.

19. Mai 2026, 7:02 Uhr 762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate haben am Montag direkt bei der US-Regierung interveniert, um einen für diese Nacht geplanten Militärangriff auf iranisches Staatsgebiet zu verhindern. Zur selben Stunde übergab Irans Außenminister Abbas Araghtschi in Islamabad dem pakistanischen Vermittler einen schriftlichen Gegenvorschlag, den Teheran als Absichtserklärung für Frieden bezeichnet. Was nach diplomatischem Momentum aussieht, ist tatsächlich ein Aufschub: Die Kernforderungen beider Seiten sind unverändert unvereinbar.

Was die USA verlangen

Das amerikanische Fünf-Punkte-Papier, das die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über Pakistan übermittelt haben, listet Bedingungen, die Teheran bisher als nicht verhandelbar ablehnt: Iran soll sein Atomprogramm auf einen einzigen Kernreaktor reduzieren, alle hochangereicherten Uranbestände an die USA übergeben, auf Kriegsschadenersatz verzichten und formale Friedensverhandlungen aufnehmen, bevor die Feindseligkeiten enden. Als Gegenleistung bieten die USA die Freigabe von 25 Prozent der eingefrorenen iranischen Vermögen an sowie eine vorübergehende Aussetzung einiger Ölsanktionen während der Verhandlungen.

Außenministeriumssprecher Esmaeil Baqaei bestätigte am Montag, Iran führe den Austausch über Pakistan fort. Den US-Vorschlag bezeichnete er als übertrieben. Araghtschi selbst hat wiederholt erklärt, Iran bestehe auf dem Recht zur friedlichen Nutzung der Kernkraft unter IAEA-Kontrolle, einem Kernelement, das im US-Papier nicht vorgesehen ist. Irans Gegenforderungen umfassen zudem die Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Häfen, die seit dem 13. April wirksam ist, sowie ein Ende israelischer Militäroperationen im Libanon als Teil einer regionalen Lösung.

Warum Trump den Angriff verschob

Dass Trump den für Dienstagnacht geplanten Militärangriff absagte, ist wesentlich den arabischen Golfstaaten zu verdanken, nicht den Verhandlungsfortschritten. Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate haben direkt bei der US-Regierung interveniert und darum gebeten, dem Gegenvorschlag Zeit zu geben. Für die Golfstaaten ist das kein humanitäres Anliegen, sondern Kalkül: Ein Angriff auf iranisches Staatsgebiet würde unmittelbar auf die gesamte Region ausstrahlen. Das Kernkraftwerk Barakah in Abu Dhabi, das erst am vergangenen Wochenende von einer Drohne getroffen wurde, liegt in der Einflugzone iranischer Raketen. Saudi-Arabien hat seit Kriegsbeginn drei Drohnenangriffe aus irakischem Luftraum abgewehrt.

Das US-Militär bleibt trotz der Absage in Vollkampfbereitschaft. Trump machte unmissverständlich klar, dass er die Entscheidung nicht als dauerhaft betrachtet: Es werde nichts vom Iran übrig sein, wenn er nicht schnell zustimme, erklärte er auf Truth Social. Gleichzeitig verhängte er neue Sanktionen gegen zwölf Personen und Unternehmen, die mit den Islamischen Revolutionsgarden in Verbindung stehen. Verhandlung und Druckaufbau verlaufen nebeneinander, nicht nacheinander.

Die Rolle Pakistans: Vermittler unter Druck

Pakistan trägt die Last dieser Diplomatie unter erheblichem eigenem Risiko. Das Land grenzt an Iran, ist wirtschaftlich auf US-Hilfsgelder angewiesen und hat weder die diplomatische Stärke noch das geopolitische Gewicht, das eine Einigung ohne Zustimmung beider Großmächte erzwingen könnte. Ministerpräsident Shehbaz Sharif übermittelt Vorschläge und Gegenvorschläge, ohne Partei zu ergreifen. Eine Einigung käme Pakistan in Form von Handelsvorteilen und regionaler Stabilität zugute; ein Krieg würde das Land zwischen zwei Konfliktparteien zerreiben.

Pakistans Rolle bringt ein strukturelles Problem mit sich: Das Land kann Texte transportieren, aber keine Garantien bieten. Die Islamischen Revolutionsgarden, die Straße von Hormus kontrollieren und seit dem 5. Mai über die neu gegründete Persian Gulf Strait Authority Durchfahrtsgebühren erheben, untersteht nicht dem Außenministerium in Teheran, sondern dem Obersten Führer. Araghtschi kann über politische Kompromisse verhandeln, aber die Revolutionsgarden entscheiden, ob die Meerenge tatsächlich geöffnet wird. Sicherheitsberater Mahdi Mohammadi hat mehrfach öffentlich erklärt, die Revolutionsgarden handelten nach eigenem militärischen Ermessen, unabhängig von politischen Waffenruhebeschlüssen.

Die Antwort aus Washington steht noch aus

Das 30-Tage-Memorandum, das nach einer Verhandlungsrunde am 9. Mai als Grundlage für eine Öffnung der Straße von Hormus dienen sollte, ist am 16. Mai abgelaufen, ohne dass eine Einigung erzielt wurde. Irans Gegenvorschlag liegt jetzt bei den US-Unterhändlern. Witkoff und Kushner werden voraussichtlich in den nächsten Tagen antworten oder direkte Gespräche fordern. Falls der Austausch erneut ohne Ergebnis endet, steht Trump vor einer Entscheidung: den Angriffsplan reaktivieren oder weitere Verhandlungszeit einräumen, in der Iran sein Raketenarsenal, das laut US-Geheimdienstberichten zu 70 Prozent intakt ist, weiter konsolidieren könnte.

Für die Ölmärkte ist der Ausgang zentral. Seit Beginn der Hormuskrise sind die Energiepreise deutlich gestiegen; die Internationale Energieagentur hat gewarnt, bei dauerhafter Blockade könnten die Rohölpreise auf 150 bis 200 Dollar pro Barrel klettern. Dass die Golfstaaten Trump zum Innehalten überredet haben, zeigt: Sie wissen, was ein Angriff kosten würde. Ob er ihn trotzdem wählt, liegt jetzt nicht mehr an der Diplomatie, sondern an seiner eigenen Geduld.

Quellen (5)

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