Iran bietet Hormus-Öffnung: Trump skeptisch
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Iran bietet Hormus-Öffnung: Trump skeptisch

Iran hat den USA über pakistanische Vermittler angeboten, die Straße von Hormus zu öffnen und den Krieg zu beenden, die Atomfrage soll auf später vertagt werden. Trump hält das Angebot für unzureichend, doch am 1. Mai läuft die War Powers Resolution ab.

28. April 2026, 5:10 Uhr 1080 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Der Iran hat den USA über pakistanische Vermittler ein neues Angebot unterbreitet: Teheran ist bereit, die Straße von Hormus zu öffnen und den Krieg formal zu beenden, wenn Washington die Seeblockade iranischer Häfen aufhebt. Irans Atomwaffenprogramm soll ausgeklammert werden, die Nuklearfrage käme in separate, spätere Verhandlungen. Für Trump, der einen Deal erst als „100% complete” akzeptiert, ist das bisher zu wenig. Doch am 1. Mai läuft die War Powers Resolution ab und der US-Kongress ist bereit, die Grenze durchzusetzen.

Das Angebot: Entkoppelung von Hormus und Atomfrage

Das Angebot, das Pakistan vergangenes Wochenende an die USA übermittelt hat, ist strategisch durchdacht. Teheran bietet an, die Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr zu öffnen und einem formellen Kriegsende zuzustimmen, sofern Washington die Seeblockade iranischer Häfen aufhebt. Die Urananreicherung, bisher der zentrale Streitpunkt aller Verhandlungen, wäre ausgeklammert und in eine spätere Verhandlungsrunde verschoben.

Das ist ein grundlegender Kurswechsel in Teherans Verhandlungslogik. In allen bisherigen Runden hatten die USA darauf bestanden, Atomfrage und Hormus gemeinsam zu verhandeln. Irans rote Linie war stets das Recht auf Urananreicherung. Indem Teheran nun Hormus vom Atomstreit trennt, umgeht es die härteste Auseinandersetzung und schafft dennoch einen kurzfristigen Durchbruch. Durch die Meerenge fließen in Friedenszeiten rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels. Brent-Rohöl notiert derzeit bei 106 bis 108 Dollar pro Barrel, mehr als 45 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn im Februar 2026.

Trumps Skepsis und die War Powers-Frist

Trump bezeichnete das iranische Angebot nach einem Gespräch mit Außenminister Marco Rubio als unzureichend. Der Präsident hat wiederholt erklärt, die Seeblockade erst aufzuheben, wenn ein Deal „100% COMPLETE” sei. Ein Abkommen, das die Atomfrage ausklammert, erfüllt diese Bedingung nach seiner Logik nicht.

Der Zeitdruck wächst jedoch von einer anderen Seite. Am 1. Mai erreicht der Konflikt den 60. Tag seit Kriegsbeginn, womit die War Powers Resolution greift. Das Gesetz verpflichtet den Präsidenten, die Zustimmung des Kongresses einzuholen, wenn Militäroperationen länger als 60 Tage dauern. Senate-Demokratenführer Chuck Schumer kündigte an, am 1. Mai eine sechste Abstimmung über eine War Powers Resolution zu erzwingen, die Trump befehlen würde, die Operationen gegen Iran einzustellen. Trump erklärte dazu, er sei „nicht in Eile”, eine Frist zu setzen, eine Formulierung, die als Signal gewertet wird, dass er keine Kongressgenehmigung beantragen will.

Sollte der Kongress die Operationen per Resolution beenden, käme Teheran in den Genuss des größten amerikanischen Zugeständnisses, ohne ein einziges eigenes gemacht zu haben.

Merz: „Die USA werden gedemütigt”

Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich in ungewöhnlich scharfer Form über einen verbündeten Staat. Bei einer Diskussion mit Schülerinnen und Schülern im sauerländischen Marsberg sagte Merz, die USA seien „ganz offensichtlich ohne jegliche Strategie in diesen Krieg gegangen”. In einer CDU/CSU-Fraktionssitzung sagte er, er sei inzwischen „desillusioniert”: Iran demütige die USA, „weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht”. Deutschland und Europa seien vor den Angriffen auf den Iran nicht einbezogen worden, er habe Trump seine Skepsis zweimal persönlich mitgeteilt.

Merz zog einen Vergleich zu früheren westlichen Militäreinsätzen: „Das Problem bei solchen Konflikten ist immer: Man muss nicht nur rein, man muss auch wieder raus. Wir haben das sehr schmerzhaft in Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben es im Irak gesehen.” Bundesaußenminister Johann Wadephul, der derzeit in New York an der NVV-Überprüfungskonferenz teilnimmt, forderte mehr Engagement der Vereinten Nationen für eine diplomatische Lösung.

Was für Ölversorgung und Wirtschaft auf dem Spiel steht

Irans Angebot würde, wenn Trump es annähme, den Ölpreis unmittelbar senken. Brent notiert aktuell bei 106 bis 108 Dollar und liegt damit weit über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Für Deutschland hat die andauernde Blockade konkrete Folgen: Eine DIHK-Umfrage unter 2.400 deutschen Betrieben zeigte, dass 87 Prozent der Industrieunternehmen direkte Auswirkungen auf Produktion und Lieferketten melden. Das ifo-Institut hat die Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,6 Prozent gesenkt.

Die Trennung von Hormus und Atomprogramm birgt für Trump politische Risiken. Israel, das die ursprünglichen Angriffe gemeinsam mit den USA durchgeführt hatte, besteht auf einem umfassenden Abkommen, das Irans Nuklearkapazitäten dauerhaft begrenzt. Ein Deal, der nur Hormus öffnet, würde Teheran Zeit geben, sein Atomprogramm fortzusetzen, ohne dass Inspektoren Zugang erhalten.

Was am 1. Mai entscheidet

Drei Szenarien stehen nach dem 1. Mai zur Wahl: Trump akzeptiert Irans Teilangebot und hebt die Seeblockade auf, um den Ölpreis zu senken und eine War Powers-Niederlage zu vermeiden. Oder er lehnt ab, beantragt die Kongressgenehmigung für die Fortführung der Operationen und riskiert eine parlamentarische Niederlage. Oder er ignoriert die Frist, was einen Verfassungsstreit auslösen würde, der die Kriegsführung juristisch blockieren könnte.

Für Teheran wären alle drei Varianten günstiger als die bisherige Lage. Irans Angebot ist daher weniger ein Kompromissvorschlag als ein taktischer Schritt: Es zeigt Verhandlungsbereitschaft gegenüber der Weltöffentlichkeit, zieht keine roten Linien beim Atomprogramm zurück und setzt darauf, dass der amerikanische Verfassungsstreit mehr Druck erzeugt als alle diplomatischen Kanäle zusammen.

Update 28. April, 09:00 Uhr: UN-Generalsekretär António Guterres warnte am Dienstag, die anhaltende Blockade der Straße von Hormus könnte eine globale Lebensmittelkrise auslösen. Dutzende Länder fordern in einer gemeinsamen Erklärung die sofortige, uneingeschränkte Wiedereröffnung der Meerenge. Rubio präzisierte die US-Position in einem Fox-News-Interview: Washington werde keine Vereinbarung akzeptieren, bei der Iran festlege, wer die Meerenge zu welchen Bedingungen befahren dürfe. Eine aktuelle Branchenumfrage zeigt, dass 80 Prozent der befragten Ölmanager nicht damit rechnen, dass Hormus vor August 2026 wieder geöffnet wird.

Update 28. April, 11:00 Uhr: Der Ölpreis ist am Dienstag weiter gestiegen und notiert nun bei 111,20 Dollar pro Barrel für Brent, ein Plus von fast drei Prozent gegenüber dem Vortag. US-Außenminister Marco Rubio verschärfte die Rhetorik in einem Statement: Die Straße von Hormus sei „im Grunde eine wirtschaftliche Atomwaffe, die Iran gegen die Welt einzusetzen versucht”. Diese Formulierung zeigt, wie weit die USA von einer Akzeptanz von Irans Teilangebot entfernt sind. Im Kongress bereiten Demokraten für den 1. Mai eine weitere Abstimmung über eine War Powers Resolution vor, die Trump zur Einstellung der Militäroperationen zwingen würde.

Update 29. April, 05:09 Uhr: Die geplante Reise der US-Delegation nach Pakistan ist nicht zustande gekommen: Trump stoppte die Reise von Sonderbeauftragtem Steve Witkoff und Jared Kushner am 27. April mit der Begründung, er werde nicht für Gespräche 15 Stunden im Flugzeug sitzen. Irans Außenminister Abbas Araghtschi setzte seine Konsultationsreise fort und traf in Sankt Petersburg Präsident Putin, dem er im Namen Irans für die russische Unterstützung dankte. Iran und Russland bezeichneten ihre Beziehungen als „strategische Partnerschaft". In Berlin schlug CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt vor, Iran bei Erfüllung konkreter Bedingungen Sanktionserleichterungen anzubieten: Teheran müsste Atom- und Raketenprogramm aufgeben, die Straße von Hormus öffnen und Angriffe auf Israel einstellen. Bundeskanzler Merz signalisierte Offenheit für diesen Weg. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte Sanktionserleichterungen dagegen „verfrüht", solange Iran die eigene Bevölkerung unterdrücke.

Quellen (20)

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