Huthi-Angriffe auf saudische Tanker: Öl über 100 Dollar
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Huthi-Angriffe auf saudische Tanker: Öl über 100 Dollar

Saudi-Arabien wurde durch Huthi-Angriffe auf seine eigenen Öltanker erstmals direkt in den Irankonflikt hineingezogen. Das Königreich steht nun doppelt unter Druck: von den Huthis militärisch und von Washington diplomatisch, wo Trump den unterzeichneten Atomdeal an neue Bedingungen knüpft. Brent überstieg 100 Dollar.

23. Juli 2026, 19:10 Uhr 723 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die Huthi-Miliz hat am Donnerstag zwei saudische Öltanker im Roten Meer beschossen und damit für den stärksten Ölpreisanstieg seit Beginn des Krieges gesorgt: Brent-Rohöl kletterte um mehr als sechs Prozent auf über 100 Dollar pro Barrel, die erste dreistellige Marke seit Mai. Trump drohte mit schwerer militärischer Bestrafung. Zugleich stellte er überraschend eine neue Bedingung für den am Vortag unterzeichneten Atomdeal mit Saudi-Arabien.

Die Angriffe auf Encelia und Layla

Huthi-Militärsprecher Yahya Saree erklärte, die Rebellen hätten die Tanker Encelia und Layla angegriffen, weil sie die am 20. Juli ausgerufene maritime Blockade gegen Saudi-Arabien missachtet hätten. Einem der Schiffe wurde durch ein Geschoss ein Feuer verursacht, das nach Angaben der Reederei gelöscht werden konnte. Beide Tanker blieben laut Besatzung manövrierfähig.

Trump antwortete auf Truth Social, er sei enttäuscht von den Huthis. Sollten sie noch ein weiteres Schiff angreifen, werde ihnen und dem Iran eine schwere militärische Bestrafung auferlegt. In der Nacht zuvor hatten US-Streitkräfte bereits den elften aufeinanderfolgenden Luftangriff auf iranische Ziele durchgeführt. Laut US-Verteidigungsministerium wurden im bisherigen Kriegsverlauf mehr als 30 Handelsschiffe angegriffen, drei US-Soldaten kamen bei iranischen Angriffen auf Golfstützpunkte ums Leben.

Jordanien meldete einen weiteren Zwischenfall: In der Hafenstadt Akaba lösten anfliegende Raketen aus dem Iran Luftalarm aus. Das jordanische Militär schoss nach eigenen Angaben vier Raketen ab, zwei weitere schlugen in unbewohntem Gelände ein.

Saudi-Arabiens doppelter Druck

Die Angriffe auf saudische Tanker markieren eine qualitative Eskalation. Saudi-Arabien hatte trotz seiner früheren Auseinandersetzungen mit den Huthis im Jemen in diesem Krieg eine neutrale Haltung eingenommen. Als weltgrößter Ölexporteur hatte das Königreich ein vitales Interesse an stabilen Seewegen. Mit der Erklärung der maritimen Blockade vom 20. Juli und deren jetziger Umsetzung ist Saudi-Arabien direkt in den Konflikt hineingezogen worden.

Ausgerechnet aus Washington kam gleichzeitig eine zweite Komplikation. Nur einen Tag nach der formalen Unterzeichnung eines Abkommens über zivile Nukleartechnologie mit Riad postete Trump, dass der Deal vollständig davon abhänge, ob Saudi-Arabien den Abraham-Abkommen beitrete. Diese seit 2020 bestehenden US-vermittelten Vereinbarungen normalisierten Beziehungen Israels mit Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Staaten. Saudi-Arabien lehnte einen Beitritt bisher ab, solange kein klarer Weg zu einem palästinensischen Staat erkennbar sei.

Das Königreich steht damit von zwei Seiten unter Druck: von den Huthis militärisch und von Washington diplomatisch. Satz entweder streichen oder mit einem Übergang einleiten: "Den Iran, der hinter den Huthis steht, nahm US-Außenminister Marco Rubio direkt ins Visier: Er erklärte, Teheran sei nicht wirklich an einer Vereinbarung interessiert und bezahle jetzt den Preis dafür." Nichtverbreitungsexperten hatten bereits nach der Unterzeichnung des Nukleardeals kritisiert, das Abkommen enthalte keine Klauseln, die eine Urananreicherung auf waffenfähiges Niveau verhinderten.

Öl über 100 Dollar und seine Konsequenzen

Der Brent-Preis hatte zuletzt im April kurz die 100-Dollar-Marke berührt und war danach wieder gefallen. Mit dem heutigen Anstieg auf mehr als 100 Dollar schlägt der Krieg erneut direkt auf die globalen Energiekosten durch. Seit Kriegsbeginn Ende Februar ist der Ölpreis insgesamt um rund 45 Prozent gestiegen.

Für deutsche Verbraucher bedeutet das spürbare Konsequenzen. Der Anstieg des Rohölpreises schlägt mit einer Verzögerung von zwei bis vier Wochen auf Benzin- und Heizölpreise durch. Die Internationale Energieagentur, deren Chef Fatih Birol die simultane Blockade von Hormuz und Bab al-Mandab als größte Energiesicherheitsbedrohung der Geschichte bezeichnet hatte, hat bisher keine Freigabe strategischer Ölreserven angekündigt. Die Bab-al-Mandab-Meerenge am südlichen Ende des Roten Meeres wird seit dem 20. Juli von den Huthis kontrolliert, womit erstmals beide kritischen Seewege gleichzeitig unter Druck stehen.

Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus war bereits vor den heutigen Ereignissen eingebrochen: In der Woche bis zum 20. Juli passierten laut Lloyd's List Intelligence nur noch 53 Schiffe die Meerenge, 66 Prozent weniger als in der Vorwoche.

Der nächste Indikator: Ob Riad auf Trump antwortet

Die unmittelbare Frage ist, ob die Huthis Trumps Drohung ernst nehmen und ihre Angriffe auf saudische Schiffe stoppen. Bisherige US-Drohungen in diesem Krieg wurden in der Regel nach einigen Tagen umgesetzt. Für Saudi-Arabien ist die Entscheidung gleichermaßen heikel: Entweder tritt Riad den Abraham-Abkommen bei, riskiert damit innenpolitischen Widerstand und verliert Glaubwürdigkeit bei arabischen Partnern oder der Nukleardeal platzt in der vorliegenden Form.

Das US-Repräsentantenhaus muss den Nuklearvertrag nach dem Atomic Energy Act formal ratifizieren, doch auch im Senat hatten mehrere Mitglieder bereits Zweifel an den Nonproliferationsklauseln geäußert. Ob der Vertrag nach Trumps nachträglicher Bedingung die notwendigen Mehrheiten findet, ist ungewiss. Der erste Indikator wird eine offizielle Reaktion Riads auf Trumps Truth-Social-Post sein, die bis Redaktionsschluss noch ausstand.

Quellen (10)

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