USA enthüllen Irans Rüstungsnetz: Moskau, Lagos, Mailand
Während US-Streitkräfte sieben Nächte in Folge iranische Militäranlagen angriffen, veröffentlichte das Finanzministerium in Washington am 15. Juli eine Liste, die zeigt, wie die Revolutionsgarden ihren Nachschub organisieren. Sieben Personen und Unternehmen in vier Ländern wurden sanktioniert: von Teheran über Moskau und Lagos bis Mailand. Sie liefern Drohnen, Flugzeugteile und schultergestützte Luftabwehrraketen an die IRGC, die diese Waffen täglich gegen Schiffe in der Straße von Hormus einsetzt.
Wie das Netzwerk aufgebaut ist
Im Zentrum steht Behrouz Namazi, Generaldirektor der Nika Jet Company in Teheran. Das Unternehmen bezeichnet sich offiziell als Anbieter von Dienstleistungen rund um Flugzeugteile und Drohnen. Laut US-Finanzministerium beschafft Namazi im Auftrag der Islamischen Revolutionsgarden Waffen und Komponenten, die auf regulären Wegen nicht in den Iran gelangen würden.
Das Netzwerk, das Namazi nutzt, ist transnational aufgebaut. In Lagos betreibt Vanguard Tactical Supply Limited die Vermittlerrolle; die nigerianische Firma leitet Aufträge weiter und verschleiert Herkunft und Ziel der Lieferungen. In Mailand koordiniert die italienische Staatsbürgerin Dounia Ettaib Beschaffungsschritte für Namazi. In Moskau stützt sich das Netz auf Avratek OOO, ein Lufttransportunternehmen, das Transport und Logistik übernimmt. Mariya Vladimirovna Selina, Leiterin der Finanzabteilung bei Avratek und langjährige Iran-Beschaffungsagentin, koordiniert Zahlungsströme; ihr Kollege Vadim Anatolyevich Druzhbin organisiert die Reisen von Namazi und Selina.
Das Finanzministerium hebt hervor, dass die Struktur bewusst gewählt ist: Ausländische Luftfahrtunternehmen und Transportunternehmen, Finanzkanäle und Reisekoordinatoren sollen die Rolle der IRGC verschleiern und Material sowie Personal global bewegen. Die Aktion vom 15. Juli baut auf zwei früheren Sanktionsrunden auf, vom 8. Mai und 10. Juni 2026, die unter anderem Netzwerke betrafen, die schultergestützte Luftabwehrsysteme (MANPADS) und Material für Irans Center for Innovation and Technology Cooperation (CITC) beschafften, eine Behörde die zivile und militärische Technologieentwicklung koordiniert.
Stablecoins als Zahlungsweg
Herkömmliche Bankkanäle sind für die IRGC durch westliche Sanktionen weitgehend gesperrt. Als Alternative hat das Netzwerk auf Kryptowährungen umgestellt, konkret auf sogenannte Stablecoins, die ihren Wert an den US-Dollar koppeln. Das US-Finanzinformationsnetzwerk FinCEN warnte am 11. Mai 2026, die IRGC nutze USDZ, einen Stablecoin der Plattform Zedxion, die OFAC inzwischen selbst sanktioniert hat, für Zahlungen innerhalb solcher Beschaffungsnetzwerke.
Das Grundproblem liegt in der Anpassungsfähigkeit: Bereits die OFAC-Aktionen vom 8. Mai und 10. Juni haben ähnliche Strukturen erfasst. Dass die Sanktionsaktion vom 15. Juli erneut neue Akteure in denselben Ländern benennt, zeigt, dass das zugrundeliegende Beschaffungsmuster fortbesteht. Nicht die Netzwerke werden eliminiert, sondern einzelne Knoten. Danach wechseln die Beteiligten Firmennamen und behalten die Logistikrouten.
Bomben und Wirtschaftsdruck als Doppelstrategie
Die Sanktionen sind Teil einer Doppelstrategie, die Washington seit Beginn der Hormuskrise verfolgt: Luftangriffe gegen vorhandene Kapazitäten, Wirtschaftssanktionen gegen den Nachschub. US-Zentralkommando CENTCOM meldete, die Angriffe in der sechsten und siebten Nacht hätten Überwachungsanlagen, Logistikinfrastruktur, unterirdische Waffenlager und Seestreitkräfte getroffen. Zu den Zielen gehörten Jask, Sirik, Bushehr, Bandar Abbas, Qeshm Island, Ahvaz, Yazd und die Insel Große Tunb in der Straße von Hormus, die als Stützpunkt der IRGC-Marine dient.
Parallel hatte die US-Regierung am 7. Juli die Ölsanktionen gegen den Iran wieder eingesetzt, nachdem Iran die Durchfahrt durch Hormus blockiert und Tanker beschossen hatte. IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol bezeichnete die Hormuskrise bereits im April als die größte Energiesicherheitsbedrohung in der Geschichte der IEA.
Russland ist dabei ein strukturelles Problem für die Sanktionsstrategie. Die Moskauer Verbindung im IRGC-Beschaffungsnetz ist kein Einzelfall: Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs liefert Iran an Russland Drohnen, im Gegenzug erhält die IRGC technische Unterstützung aus Moskau. Durch US-Sanktionen gegen russische Firmen entstehen neue Vermittlungsstrukturen, die beide Seiten nutzen. Die Sanktionierung von Avratek betrifft damit gleichzeitig die Iran-Versorgungskette und weiterverzweigte Umgehungskanäle, die auch den russischen Waffenhandel stützen.
Vor dem 16. August: Diplomatischer Rahmen läuft ab
Das Islamabad-Memorandum, der einzige formale Verhandlungsrahmen, der den militärischen Auseinandersetzungen noch eine diplomatische Klammer gibt, läuft am 16. August aus. Beide Seiten verhandeln formal über eine Verlängerung, ohne dass ein Durchbruch absehbar wäre. Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf schloss eine Aufhebung der Hormussperrung ohne vollständigen Rückzug der USA aus der Region aus. Der oberste Führer Mojtaba Chamenei drohte den USA mit einer vollständigen Offensive.
Die Sanktionsspirale macht Verhandlungen strukturell schwerer: Jede neue Runde erhöht den innenpolitischen Druck auf beiden Seiten, Positionen zu halten, statt Konzessionen zu machen. Das Beschaffungsnetz, das Washington am 15. Juli sanktionierte, wird sich anpassen. Die eigentliche Frage ist nicht, ob die IRGC neue Drohnen bekommt, sondern wie schnell und zu welchem Preis. Wenn Avratek ersetzt wird durch eine neue Moskauer Firma und Vanguard Tactical durch ein anderes nigerianisches Unternehmen, beginnt der Sanktionszyklus von vorne.
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