Iran trifft US-Basen in Kuwait, Bahrain und Jordanien
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Iran trifft US-Basen in Kuwait, Bahrain und Jordanien

Die Islamische Revolutionsgarde hat in der Nacht auf Mittwoch US-Militärbasen in drei Ländern angegriffen: Drohnen trafen Bahrain und Kuwait, Langstreckenraketen wurden auf Jordanien abgefeuert. Jordaniens Luftabwehr berichtet von fünf abgefangenen Raketen und keinen nennenswerten Schäden.

10. Juni 2026, 7:06 Uhr 920 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Der Irankonflikt hat in der Nacht auf Mittwoch seine bisher breiteste geografische Ausdehnung erreicht: Die Islamische Revolutionsgarde griff US-Militärbasen in Kuwait, Bahrain und Jordanien an, drei souveräne Drittstaaten, die formal keine Kriegspartei sind. Die IRGC beansprucht, 21 US-Ziele getroffen zu haben, darunter Hangars für F-35-Jets auf der jordanischen Basis nahe Al-Azraq. Jordaniens Militär widerspricht: Fünf Raketen seien abgefangen worden, Schäden habe es keine gegeben.

Drei Länder in einer Nacht

Um die Eskalation einzuordnen, muss man die Ereigniskette kennen: Am Montagabend schoss ein iranisches Drohnensystem einen US-Apache-Hubschrauber in der Straße von Hormus ab. Das US-Zentralkommando CENTCOM reagierte am Dienstagnachmittag mit Schlägen auf iranische Radaranlagen und Luftabwehrsysteme auf der Insel Qeschm, in Bandar Abbas und an der Küstenstation Jask. Teheran bezeichnete diese Angriffe als unverhältnismäßig und erklärte die eigene Reaktion zur Pflicht.

Die Antwort der IRGC folgte in der Nacht: mindestens vier ballistische Raketen und mehrere Drohnen, abgefeuert in drei Richtungen gleichzeitig. Ein US-Offizieller bestätigte dem Nachrichtenportal Axios, dass Ziele in Kuwait, Bahrain und Jordanien angegriffen wurden. Die IRGC veröffentlichte über ihren Telegram-Kanal eine Erklärung, in der sie die Operation ihrer Luftwaffeneinheit zuschrieb und konkrete Schadensmeldungen lieferte.

Die geografische Reichweite der Angriffe ist bemerkenswert: Jeder der drei Zielstaaten hat ein anderes sicherheitspolitisches Verhältnis zu den USA und keiner von ihnen ist formal Kriegspartei.

Jordanien fängt ab, Iran behauptet Zerstörung

Den weitreichendsten und symbolisch gewichtigsten Teil bildeten Langstreckenraketen vom Typ Kheibar Shekan, die auf die Muwaffaq Salti Air Base nahe Al-Azraq in Jordanien abgefeuert wurden. Dieser Stützpunkt liegt rund 1.100 Kilometer von der iranischen Grenze entfernt. Die USA hatten dort laut CNN-Berichten im Februar 2026 rund 18 Jets vom Typ F-35 stationiert. Der Kheibar Shekan ist eine iranische Feststoffrakete mit einer Reichweite von rund 1.450 Kilometern, die Iran 2022 vorgestellt hatte.

Die IRGC behauptete, vier Einrichtungen auf dem Stützpunkt zerstört zu haben, darunter F-35-Hangars und ein Kommandozentrum. Diese Darstellung wurde vom jordanischen Militär unmittelbar widerlegt: Amman erklärte, fünf aus Iran abgefeuerte Raketen abgefangen und zerstört zu haben. Die Operation habe weder Personenschäden noch materielle Schäden hinterlassen. Fotografische Belege, die Schäden an den Hangars zeigen würden, lagen bis Mittwochmorgen nicht vor.

Das Muster der Übertreibung ist aus früheren Eskalationsrunden bekannt. Im Mai hatte die IRGC behauptet, ein US-Kriegsschiff im Golf beschädigt zu haben. CENTCOM bestritt das. Auch bei früheren Raketensalven auf US-Stützpunkte im Irak und in Syrien stellten sich gemeldete Treffer nachträglich als Fehlanzeige oder deutlich geringer heraus.

Araghchi warnt die Gastgeberstaaten

Außenminister Abbas Araghchi erhob parallel zu den Angriffen einen ungewöhnlich direkten diplomatischen Vorwurf an Kuwait, Bahrain und Jordanien: Jene Staaten, die US-amerikanischen und israelischen Streitkräften Stützpunkte zur Verfügung stellten, trügen eine „rechtliche und moralische Mitverantwortung“ für die Angriffe auf Iran. Die Botschaft ist eindeutig: Wer US-Truppen beherbergt, ist kein neutraler Dritter mehr.

Kuwait und Bahrain gelten als engste militärische Partner der USA in der Golfregion. Bahrains Hauptstadt Manama beherbergt das Hauptquartier der US-Fünften Flotte, die maritime Operationen im Persischen Golf, im Roten Meer und im Arabischen Meer koordiniert. In Kuwait befindet sich neben Ali al-Salem auch das Camp Arifjan, ein zentrales Versorgungslager der US-Armee. Jordanien ist kein Golfstaat, aber ein wichtiger Transitpunkt für US-Luftwaffenoperationen in der gesamten Levante.

Araghchis Formulierung ist keine spontane Empörung. Sie schreibt eine Doktrin fest, die Iran seit Ausbruch des Konflikts entwickelt hat: Militärische Unterstützung der USA macht einen Staat zur legitimen Zielscheibe. Das setzt alle Länder in der Region unter Druck, ihr Verhältnis zu Washington neu zu kalkulieren.

Der Krieg weitet sich geografisch aus

Am 3. Juni hatte eine iranische Drohne den Flughafen Kuwait City getroffen, einen indischen Staatsbürger getötet und 63 Menschen verletzt. Die IRGC bestritt seinerzeit, das Zivilterminale angesteuert zu haben. Die aktuellen Angriffe galten explizit militärischen Einrichtungen.

Der Konflikt, der im März mit der Blockade der Straße von Hormus begann und seither formal als bilaterale Auseinandersetzung zwischen Iran und den USA geführt wurde, hat sich auf drei souveräne Drittstaaten ausgedehnt. Kuwait und Bahrain können weder ihre Stützpunktabkommen mit Washington aufkündigen noch iranische Angriffe dauerhaft hinnehmen, ohne innenpolitisch unter Druck zu geraten. Die Gefahr liegt in einem fehlgeleiteten Geschoss oder einem weiteren Zivilopfer, das die Situation in einem dieser Länder politisch zum Kippen bringt.

CENTCOM hatte bis Mittwochmorgen keine Stellungnahme zu den gemeldeten Treffern in Bahrain und Kuwait veröffentlicht. Auch zu möglichen Opfern oder Schäden an US-Einrichtungen gab es keine offizielle Bestätigung.

Fünf Tage bis G7 in Évian-les-Bains

Der G7-Gipfel am 15. Juni in Évian-les-Bains stand bereits vor dem Hubschrauberabschuss stark im Zeichen des Irankonflikts. Jetzt beraten die Gipfelteilnehmer unter dem Eindruck einer Situation, in der US-Basen in drei Ländern angegriffen wurden und Irans Außenminister Gastgeberstaaten offen als Mitverantwortliche bezeichnet.

Europäische G7-Mitglieder hatten sich bis zuletzt um eine vermittelnde Position bemüht. Frankreich, das den G7-Vorsitz innehat und in Évian-les-Bains Gastgeber ist, hatte Kontakt sowohl zu Washington als auch zu Teheran gesucht. Jordanien, wo IRGC-Raketen einschlugen, liegt unmittelbar an der Grenze zu Israel und ist Stützpunkt für mehrere EU-Auslandsmissionen. Eine europäische Distanzierung von der US-Position wird damit politisch schwieriger.

Trump hatte noch am Montag erklärt, ein Abkommen mit Iran sei „in zwei oder drei Tagen“ erreichbar. Araghchi hat diese Perspektive in der Nacht beantwortet: „Unsere schlagkräftigen Streitkräfte werden keinen Angriff und keine Bedrohung unbeantwortet lassen.“

Update 10. Juni, 13:02 Uhr: Der Angriff in der Nacht steht am Ende einer diplomatischen Sackgasse, die sich seit Anfang Juni zugespitzt hat: Am 1. Juni stoppte Teheran alle Verhandlungskanäle mit Washington. Außenminister Araghchi begründete den Schritt mit fortgesetzten israelischen Militäroperationen im Libanon und Gaza und formulierte die iranische Position klar: Die Waffenruhe gelte auf allen Fronten gleichzeitig, solange Israel im Libanon kämpft, verhandelt Iran nicht über Hormus. Gleichzeitig läuft die Blockade der Straße von Hormus institutionalisiert weiter: Iran richtete am 5. Mai die Persian Gulf Strait Authority (PGSA) ein, die Transitgenehmigungen für die Durchfahrt erteilt. Reedereien zahlen dafür nach Medienberichten bis zu zwei Millionen Dollar pro Passage. Die USA haben die Behörde sanktioniert, was Schiffseignern die Wahl zwischen US-Sanktionsrecht und iranischen Anforderungen aufzwingt. An den Energiemärkten bleibt der Druck spürbar: Rohöl der Sorte Brent liegt seit Wochen erheblich über 100 Dollar pro Barrel, in Deutschland ist Heizöl seit Ende 2025 um rund 40 Prozent teurer. Das RWI prognostiziert für das laufende Jahr eine Inflation von 2,6 Prozent und ein Wirtschaftswachstum von nur 0,9 Prozent.

Quellen (15)

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