Irans Atomwarnung und 37,5 Milliarden Dollar vor Maskat
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Irans Atomwarnung und 37,5 Milliarden Dollar vor Maskat

Drei Tage vor den Verhandlungen in Maskat zweifelt US-Außenminister Rubio an Teherans Ernsthaftigkeit. Der Irankrieg hat bisher 37,5 Milliarden Dollar gekostet und Iran droht: Ein amerikanischer Angriff auf unterirdische Atomanlagen würde den Konflikt regional ausweiten.

22. Juli 2026, 12:41 Uhr 905 Wörter · 5 Min. Lesezeit

US-Streitkräfte bombardierten Iran in der elften aufeinanderfolgenden Nacht, als US-Außenminister Marco Rubio beim Asean-Gipfel in Manila öffentlich bezweifelte, ob die drei Tage später geplanten Gespräche in Maskat überhaupt zu etwas führen. „Das Problem ist, dass sie momentan keine ernsthaften Gespräche führen”, sagte er über Iran. Gleichzeitig bezifferte Verteidigungsminister Pete Hegseth die Kriegskosten vor dem Senat auf 37,5 Milliarden Dollar.

Elfte Nacht: Luftabwehr über der Hauptstadt

US-Streitkräfte griffen in der Nacht auf den 22. Juli erneut iranische Ziele an. Explosionen waren über Teheran zu hören, als Luftabwehrsysteme über der Hauptstadt aktiviert wurden. Al Jazeera berichtete von Bränden in Behbahan, einer Stadt im Südwesten Irans, nach einem US-Raketenangriff. Weitere bestätigte Angriffsorte waren Kabudarahang nordwestlich von Teheran, Tabriz im Nordwesten und Städte in der westlichen Provinz Ilam sowie Mahshahr und Sirik am Persischen Golf.

Seit dem 8. Juli hat das US-Zentralkommando CENTCOM den Iran in jeder Nacht bombardiert. Die Angriffe konzentrierten sich anfangs auf Radaranlagen und Luftabwehrsysteme, weiteten sich dann schrittweise aus: auf Häfen, Kraftwerke und in der Nacht auf den 20. Juli erstmals auf den Baustandort der Kernkraftanlage Darkhovin in der Provinz Chuzestan. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi teilte mit, die Behörde untersuche Berichte über den Angriff auf Darkhovin; die Anlage war nie in Betrieb gegangen.

Rubio machte seine Bemerkungen am Rande des Asean-Außenministertreffens in Manila, bei dem er am Donnerstag auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow treffen wird. Lawrow hatte das Gespräch angekündigt und sagte: „Es wird auf jeden Fall nützlich sein.“ Rubio bestätigte es und erklärte, er wolle Wege zur Beendigung des Krieges in der Ukraine besprechen. Der Iran-Krieg stand nicht auf der offiziellen Agenda, wird aber an den Seitenlinien präsent sein.

Teherans Warnung: Nuklearanlage ist eine andere Eskalationsstufe

Teherans Außenministerium hat direkt auf Trumps Ankündigung reagiert, die USA würden die unterirdische Anlage Kuh-e Kolang bald „sehr schwer“ treffen. Ein amerikanischer Angriff auf unterirdische Atomanlagen würde den Krieg regional ausweiten, erklärte das Außenministerium. Konkrete Details nannte Teheran nicht.

Die Logik des Konflikts ist zirkulär. Iran verweigert Gespräche, solange die USA bombardieren. Washington bricht die Angriffe nicht ab, solange Iran die Straße von Hormuz blockiert. Der 10-Tage-Waffenstillstandsvorschlag von Katar und Pakistan soll den Knoten durchschneiden: eine kurze Feuerpause, in der beide Seiten zu den Positionen vom 9. Juli zurückkehren und die Maskat-Gespräche anlaufen. Iran hat den Vorschlag nicht formell abgelehnt.

Rubios Statement in Manila erschwert das. Wenn der US-Außenminister öffentlich an Teherans Ernsthaftigkeit zweifelt, bevor er sich an den Tisch setzt, signalisiert Washington einem zögernden Verhandlungspartner, dass eine Übereinkunft von vornherein unwahrscheinlich ist. Irans Außenamtssprecher Esmail Baghaei hatte noch am Dienstag von laufenden Kommunikationskanälen gesprochen. Rubio sagte in Manila, er sei „immer zu Diplomatie bereit“, zweifle aber daran, dass Teheran das ebenfalls sei.

37,5 Milliarden Dollar und ein doppelter Energieengpass

Hegseth und der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs Dan Caine sagten am Dienstag vor dem Senats-Haushaltsausschuss aus. Der Krieg habe seit dem 28. Februar 37,5 Milliarden Dollar gekostet, erklärte Hegseth: 8,5 Milliarden mehr als die Pentagon-Schätzung vom Mai, die Schäden an US-Stützpunkten in der Region noch nicht berücksichtigt hatte. Hegseth beantragte zusätzlich 67 Milliarden Dollar. Senator Dick Durbin sagte nach der Anhörung: „Sie können nicht erklären, wie das Geld ausgegeben werden soll.“ CBS News berichtete unter Berufung auf US-Regierungsbeamte, die tatsächlichen Kosten lägen erheblich höher, weil indirekte Ausgaben und nachgelagerte Rüstungsbeschaffung in Hegseths Zahlen nicht erfasst seien.

Den Energieschaden tragen andere. Die Internationale Energieagentur hat berechnet, dass die Hormuz-Blockade rund 14 Millionen Barrel täglich aus dem globalen Markt genommen hat: die größte Lieferunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarkts. Diesel ist im Jahresvergleich um 58 Prozent teurer, Kerosin um 106 Prozent. Hinzu kommt die Huthi-Seeblockade gegen Saudi-Arabien, die seit dem 21. Juli in Kraft ist: Rund 7 Prozent des weltweiten Ölvolumens fließt durch die Meerenge Bab al-Mandab. Im schlimmsten Fall, wenn beide Meerengen gleichzeitig geschlossen bleiben, wären nach Einschätzung der Atlantic-Council-Energieanalytiker bis zu 25 Prozent des weltweiten Öl- und Gastransports betroffen.

Drei Tage bis Maskat: Was auf dem Spiel steht

Die Gespräche in Maskat sind auf den 25. Juli angesetzt. Trumps Verhandlungsteam besteht aus Vizepräsident JD Vance, Jared Kushner, Sondergesandtem Steve Witkoff und Rubio. Das Islamabad-Memorandum vom 17. Juni, das als letzter formaler Rahmen für Gespräche dient, läuft zum 16. August aus. Wenn in Maskat nichts vereinbart wird, existiert danach kein internationales Verhandlungsformat mehr, das die Intensität der Angriffe auch nur nominell begrenzt.

Was beide Seiten mitbringen: Iran fordert einen vollständigen Waffenstillstand als Vorbedingung für Gespräche über Hormuz. Die USA bestehen darauf, dass die Meerenge zunächst geöffnet werden muss. Die Vermittler aus Katar, Ägypten und Pakistan haben versucht, beide Positionen durch den 10-Tage-Waffenstillstandsvorschlag zu überbrücken.

Trumps Drohung gegen Kuh-e Kolang kompliziert das weiter. Sie erhöht den Druck auf Iran, verringert aber zugleich den Anreiz Teherans, ohne Garantien in Gespräche zu gehen. Wenn ein US-Angriff auf die Anlage für Teheran eine Kriegsausweitung bedeutet, hat die iranische Führung wenig zu gewinnen, wenn sie zu Verhandlungen erscheint, ohne dass die USA die Drohung zuvor aussetzen. Rubios Zweifel in Manila ist in diesem Kontext kein diplomatisches Rauschen: Er ist ein Hinweis darauf, was passiert, wenn die Gespräche am 25. Juli ergebnislos enden.

Quellen (13)

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