Vance trifft Iran in Islamabad: Erste Direktgespräche seit 47 Jahren
Drei Tage nach dem Waffenstillstand zwischen den USA und Iran treffen erstmals seit 47 Jahren Vertreter beider Regierungen direkt aufeinander: US-Vizepräsident JD Vance reiste am Freitag nach Islamabad, wo Pakistan als Gastgeber vermittelt. Der Kriegsfrieden steht auf dem Papier. An der Straße von Hormuz gilt er nicht: Iran verlangt von Tankerkapitänen weiterhin über eine Million Dollar Transitgebühr pro Schiff, obwohl der Waffenstillstand die sofortige Freigabe des Seewegs vorschreibt.
Waffenstillstand ohne Wirkung an der Straße von Hormuz
Der Krieg begann im Februar 2026 mit US-amerikanischen und israelischen Luftangriffen auf Iran, bei denen auch Revolutionsführer Ali Chamenei getötet wurde. Am 8. April einigten sich beide Seiten auf einen Waffenstillstand, der die sofortige Öffnung der Straße von Hormuz vorsieht. Die Realität sieht anders aus: Vor dem Krieg passierten täglich über 100 Tankerschiffe die engste Stelle des Persischen Golfs, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öls transportiert werden. Heute sind es einzelne Schiffe, sofern sie Irans Transitgebühr zahlen. Trump reagierte mit offener Kritik: Der Iran für "a very poor job" beim Öffnen der Straße.
Für Europa ist die Blockade unmittelbar spürbar. Analysten warnen vor Diesel- und Kerosin mangel, falls der Seeweg nicht bald tatsächlich Freipassierbar wird. Die Raffineriekapazitäten im Westen sind nicht darauf ausgerichtet, einen Lieferausfall aus dem Persischen Golf dauerhaft aufzufangen.
Irans Zehn-Punkte-Plan trifft auf US-Gegenvorschlag
Iran trat mit einem Zehn-Punkte-Forderungskatalog in die Verhandlungen: dauerhaftes Ende aller Kampfhandlungen in der Region, Beibehaltung der Hormon-Kontrollrechte, Weiterführung des Urananreicherungsprogramms, vollständige Aufhebung aller US-Sanktionen sowie Schadensersatz für Kriegsschäden. Die USA präsentierten einen 15-Punkte-Gegenentwurf. Trump nannte Irans Vorschlag zunächst "not good enough", bezeichnete ihn kurz darauf als "verkable Basis".
Ein diplomatischer Streit überschattet die Gespräche bereits: Vance behauptete öffentlich, Iran habe seinen Zehn-Punkte-Plan zwischen den Sondierungen geändert. Die iranische Delegation bestreitet das. Welche Version in Islamabad tatsächlich auf dem Tisch liegt, ist nicht geklärt.
Warum Iran Vance als Gesprächspartner bevorzugt
Die US-Delegation in Islamabad ist prominent besetzt: Neben Vance reisten Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner nach Pakistan. Laut Diplomatenkreisen gilt Vance in Teheran als der konstruktivste Verhandlungspartner der amerikanischen Seite, offener für eine politische Lösung als Witkoff oder Kushner.
Es sind die ersten direkten Gespräche zwischen Washington und Teheran seit der Islamischen Revolution 1979. Frühere Nukleardiplomatie, darunter das Atomabkommen von 2015 und die Gespräche von 2021 bis 2025, verlief stets über multilaterale Formate oder indirekte Kanäle. Eine direkte Verhandlungsbeziehung hatte es seit über vier Jahrzehnten nicht gegeben.
Drohungen gegen Infrastruktur als juristische Last
Die Gespräche beginnen unter dem Schatten von Trumps Kriegsrhetorik. Während des Konflikts drohte Trump öffentlich mit der Zerstörung iranischer Brücken und Kraftwerke und setzte eine Frist auf den 7. April. Amnesty International und Völkerrechtsexperten bezeichneten diese Drohungen gegen zivile Infrastruktur als potenzielle Kriegsverbrechen. Kurz vor Ablauf der Frist trat der Waffenstillstand in Kraft.
Was als Nächstes entscheidet,
Die Islamabad-Gespräche sind als erste Verhandlungsrunde angelegt. Ein schneller Durchbruch gilt als unwahrscheinlich: Beide Seiten trennen grundsätzliche Positionen beim Urananreicherungsprogramm und bei den Hormon-Kontrollrechten. Der entscheidende Prüfstein bleibt die Straße: Solange Iran dort Gebühren erhebt und Schiffe kontrolliert, bleibt der Waffenstillstand wirtschaftlich wirkungslos. Ob nach den Gesprächen in Pakistan eine weitere Verhandlungsrunde vereinbart wird, dürfte noch dieses Wochenende klar werden.
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