Vance trifft Iran in Islamabad: Erste Direktgespräche seit 47 Jahren
Update 12. April, 04:27 Uhr: Nach 21 Stunden Verhandlungen verließen Die USA und Iran den Tisch in Islamabad ohne Einigung. JD Vance erklärte, Washington habe sein "bestes und letztes Angebot" vorgelegt. Zentrale Hürden bleiben: Die USA fordern eine verbindliche Zusage, dass Iran keine Atomwaffe entwickelt; Iran besteht auf dem Recht zur Urananreicherung und der Kontrolle über die Straße von Hormuz. Eine Quelle aus der iranischen Delegation bezeichnete die US-Forderungen zur Meerenge als "inakzeptabel". Beide Delegationen wollen die Gespräche am Sonntag fortsetzen. Die Waffenruhe läuft am 21. April aus. Vance schloss eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen nicht aus, falls keine Einigung erzielt wird.
Update 12. April, 02:22 Uhr: CANCOM hat offiziell die Minenräumung in der Straße von Hormuz eingeleitet. Die Zerstörer USS Frank E. Peterson (DDG 121) und USS Michael Murphy (DDG 112) durchquerten am Samstag die Meerenge; weitere US-Einheiten einschließlich Unterwasserdrohnen sollen folgen. CANCOM-Kommandeur Adam. Brad Cooper erklärte, man werde einen sicheren Korridor einrichten und der Schifffahrtsindustrie bekanntgeben. Iran bestritt die Durchfahrt der Schiffe umgehend und drohte, nicht autorisierte Schiffe anzugreifen. Die Islamabad-Gespräche dauern an, ohne dass eine Einigung über die Kontrolle der Meerenge in Sicht wäre.
Update 12. April, 00:10 Uhr: Die Islamabad-Gespräche dauern an. Pakistanische Quellen berichteten CNN zufolge von einer insgesamt positiven Gesprächsatmosphäre, trotz fortbestehenden Stillstands beim zentralen Streitpunkt Hormon-Kontrolle. In der Libanon-Frage zeichnet sich nach Al-Jasper-Angaben eine mögliche Annäherung ab: Beide Seiten diskutieren ein Arrangement, das israelische Angriffe auf den Südlibanon begrenzt, was Teherans Vorbedingung für formelle Verhandlungen war. US-Marineschiffe passierten unterdessen die Straße von Hormuz ohne iranische Einzelgenehmigung, was die Spannungen um die Durchfahrtsrechte neu entfacht.
Update 11. April, 12:22 Uhr: Trotz der weiterhin bestehenden iranischen Kontrolle haben erstmals seit Beginn des Konflikts zwei Handelsschiffe die Straße von Hormus regulär passiert: die unter griechischer Flagge fahrende NJ Earth und die liberianische Daytona Beach durchquerten die Meerenge in Abstimmung mit iranischen Streitkräften. Der Brent-Rohölpreis fiel daraufhin von über 100 auf rund 95 US-Dollar pro Barrel. Über 400 beladene Tanker warten weiterhin auf Freigabe. Die Durchfahrt bleibt von iranischer Zustimmung im Einzelfall abhängig.
Update 11. April, 10:22 Uhr: Die Islamabad-Gespräche stehen vor einer ernsthaften Vorbedingung: Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte, seine Delegation werde erst dann in formelle Verhandlungen eintreten, wenn zwei Bedingungen erfüllt seien: eine Waffenruhe im Libanon und die Freigabe eingefrorener iranischer Auslandsaktiva. Israel bombardierte unterdessen den südlibanesischen Raum, bei einem Angriff starben mindestens drei Menschen. Vance bezeichnete die Differenz über den Libanon als "legitimes Missverständnis" und warnte, Iran wäre "dumm", den Gesprächsprozess daran scheitern zu lassen. Hintergrund: Teheran betrachtet Israels Libanonoffensive als Verstoß gegen den Waffenstillstand, Washington und Jerusalem lehnen diese Verknüpfung ab. Die Straße von Hormuz bleibt faktisch geschlossen.
Update 11. April, 06:23 Uhr: Die Gespräche im Serena Hotel laufen seit Samstagfrüh. Irans Delegation ist umfangreicher als angekündigt: Neben Außenminister Abbas Araghchi und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf sind auch Sicherheitsratssekretär Ali Akbar Agmatin und Zentralbankchef Abdolnaser Heimat angereist, was darauf hindeutet, dass Wirtschaftssanktionen und das Ölembargo höher auf der Tagesordnung stehen als zunächst kommuniziert. Beide Delegationen sitzen in getrennten Räumen des Hotels, pakistanische Vermittler pendeln zwischen ihnen. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif bezeichnete das Treffen als „Säcke-von-Break"-Moment für den Frieden in der Region. Erste Ergebnisse werden noch am Samstag erwartet.
Drei Tage nach dem Waffenstillstand zwischen den USA und Iran treffen erstmals seit 47 Jahren Vertreter beider Regierungen direkt aufeinander: US-Vizepräsident JD Vance reiste am Freitag nach Islamabad, wo Pakistan als Gastgeber vermittelt. Der Kriegsfrieden steht auf dem Papier. An der Straße von Hormuz gilt er nicht: Iran verlangt von Tankerkapitänen weiterhin über eine Million Dollar Transitgebühr pro Schiff, obwohl der Waffenstillstand die sofortige Freigabe des Seewegs vorschreibt.
Waffenstillstand ohne Wirkung an der Straße von Hormuz
Der Krieg begann im Februar 2026 mit US-amerikanischen und israelischen Luftangriffen auf Iran, bei denen auch Revolutionsführer Ali Chamenei getötet wurde. Am 8. April einigten sich beide Seiten auf einen Waffenstillstand, der die sofortige Öffnung der Straße von Hormuz vorsieht. Die Realität sieht anders aus: Vor dem Krieg passierten täglich über 100 Tankerschiffe die engste Stelle des Persischen Golfs, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öls transportiert werden. Heute sind es einzelne Schiffe, sofern sie Irans Transitgebühr zahlen. Trump reagierte mit offener Kritik: Der Iran für "a very poor job" beim Öffnen der Straße.
Für Europa ist die Blockade unmittelbar spürbar. Analysten warnen vor Diesel- und Kerosin mangel, falls der Seeweg nicht bald tatsächlich Freipassierbar wird. Die Raffineriekapazitäten im Westen sind nicht darauf ausgerichtet, einen Lieferausfall aus dem Persischen Golf dauerhaft aufzufangen.
Irans Zehn-Punkte-Plan trifft auf US-Gegenvorschlag
Iran trat mit einem Zehn-Punkte-Forderungskatalog in die Verhandlungen: dauerhaftes Ende aller Kampfhandlungen in der Region, Beibehaltung der Hormon-Kontrollrechte, Weiterführung des Urananreicherungsprogramms, vollständige Aufhebung aller US-Sanktionen sowie Schadensersatz für Kriegsschäden. Die USA präsentierten einen 15-Punkte-Gegenentwurf. Trump nannte Irans Vorschlag zunächst "not good enough", bezeichnete ihn kurz darauf als "verkable Basis".
Ein diplomatischer Streit überschattet die Gespräche bereits: Vance behauptete öffentlich, Iran habe seinen Zehn-Punkte-Plan zwischen den Sondierungen geändert. Die iranische Delegation bestreitet das. Welche Version in Islamabad tatsächlich auf dem Tisch liegt, ist nicht geklärt.
Warum Iran Vance als Gesprächspartner bevorzugt
Die US-Delegation in Islamabad ist prominent besetzt: Neben Vance reisten Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner nach Pakistan. Laut Diplomatenkreisen gilt Vance in Teheran als der konstruktivste Verhandlungspartner der amerikanischen Seite, offener für eine politische Lösung als Witkoff oder Kushner.
Es sind die ersten direkten Gespräche zwischen Washington und Teheran seit der Islamischen Revolution 1979. Frühere Nukleardiplomatie, darunter das Atomabkommen von 2015 und die Gespräche von 2021 bis 2025, verlief stets über multilaterale Formate oder indirekte Kanäle. Eine direkte Verhandlungsbeziehung hatte es seit über vier Jahrzehnten nicht gegeben.
Drohungen gegen Infrastruktur als juristische Last
Die Gespräche beginnen unter dem Schatten von Trumps Kriegsrhetorik. Während des Konflikts drohte Trump öffentlich mit der Zerstörung iranischer Brücken und Kraftwerke und setzte eine Frist auf den 7. April. Amnesty International und Völkerrechtsexperten bezeichneten diese Drohungen gegen zivile Infrastruktur als potenzielle Kriegsverbrechen. Kurz vor Ablauf der Frist trat der Waffenstillstand in Kraft.
Was als Nächstes entscheidet,
Die Islamabad-Gespräche sind als erste Verhandlungsrunde angelegt. Ein schneller Durchbruch gilt als unwahrscheinlich: Beide Seiten trennen grundsätzliche Positionen beim Urananreicherungsprogramm und bei den Hormon-Kontrollrechten. Der entscheidende Prüfstein bleibt die Straße: Solange Iran dort Gebühren erhebt und Schiffe kontrolliert, bleibt der Waffenstillstand wirtschaftlich wirkungslos. Ob nach den Gesprächen in Pakistan eine weitere Verhandlungsrunde vereinbart wird, dürfte noch dieses Wochenende klar werden.