Iran greift Tanker an: Vermittler bieten Waffenpause an
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Iran greift Tanker an: Vermittler bieten Waffenpause an

Iranische Revolutionsgarden haben am 19. Juli zwei Dynacom-Tanker nahe der Straße von Hormuz beschossen. Der Produktentanker Kavomaleas brannte lichterloh, die Besatzung wurde gerettet. Gleichzeitig schlugen Vermittler einen Zehn-Tage-Waffenstillstand vor.

21. Juli 2026, 3:03 Uhr 860 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Noch während die Kavomaleas vor der Küste Omans brannte, erreichte Teheran am Abend des 19. Juli ein Vorschlag für eine Zehn-Tage-Feuerpause. Iranische Revolutionsgarden hatten zuvor zwei Tanker des griechischen Schifffahrtskonzerns Dynacom nahe der Straße von Hormuz beschossen; der Produktentanker Kavomaleas war nach einem Treffer im Maschinenraum in Brand geraten, die Besatzung wurde von omanischen Behörden gerettet. Mit dem Waffenstillstandsvorschlag versuchen Vermittlerstaaten, das seit dem 17. Juni zerbrochene Memorandum wiederzubeleben.

Zwei Tanker, eine Nacht, neun Angriffe

Gegen 19:24 Uhr UTC am 19. Juli wurde die Kavomaleas in einem Bereich nahe Kumzar vor der omanischen Küste von zwei Projektilen getroffen. Das Schiff fuhr unter maltesischer Flagge und gehört dem Reeder George Procopiou. Ein Treffer löste einen Brand im Maschinenraum aus, den die Bordlöschanlage nicht eindämmen konnte. Die Besatzung verließ das Schiff und wurde von einem Schlepper aufgegriffen; omanische Behörden brachten alle Besatzungsmitglieder sicher an Land. Das UK Maritime Trade Operations Centre (UKMTO) bestätigte den Brand und warnte Schiffe in der Region. Zuletzt trieb die Kavomaleas brennend in omanischen Gewässern.

Nahezu gleichzeitig wurde ein zweiter Dynacom-Tanker getroffen: der unter liberianischer Flagge fahrende Supertanker Acheloos. Dynacom meldete, alle Besatzungsmitglieder seien sicher und das Schiff habe eigenständig eine Ankerposition aufgesucht, um die Schäden begutachten zu lassen. Strukturell schwere Beschädigungen lagen nach ersten Unternehmensangaben nicht vor.

Die Tankerangriffe erfolgten am Abend des 19. Juli; in derselben Nacht bombardierte das US-Zentralkommando CENTCOM Iran zum neunten Mal in Folge. Besonders bedeutsam: Die USA trafen dabei erstmals Tabriz, die Millionenstadt in Nordwestiran rund 520 Kilometer von Teheran entfernt. Ein militärisches Gelände südwestlich der Stadt wurde beschossen; nach Angaben der ostaserbaidschanischen Provinzbehörde kam dabei ein iranischer Offizier ums Leben. Tabriz gilt als Standort unterirdischer Raketeninfrastruktur. Es war das erste Mal seit Beginn der Julieskalation, dass US-Streitkräfte eine Stadt in dieser geografischen Reichweite angriffen.

Was die IRGC bezweckt

Die Revolutionsgarden bezeichneten die Kavomaleas und die Acheloos in einer Erklärung als "abtrünnige Tanker", die eine "unsichere und unfallträchtige Südroute" durch die Straße von Hormuz benutzt hätten. Die Formulierung ist programmatisch: Teheran beansprucht das Recht, den Schiffsverkehr durch die Straße zu regulieren und hat eigene Schifffahrtszonen definiert, die mit internationalem Seerecht nicht vereinbar sind. Schiffe, die sich nicht an iranische Vorgaben halten, gelten in Teheraner Verlautbarungen nicht als Opfer, sondern als Verursacher.

Für Washington stellt dieser Anspruch eine rote Linie dar. Präsident Trump hatte als Kernbedingung jedes Waffenstillstands im Juni formuliert, Iran könne die Straße nicht "mautpflichtig" machen und nach eigenem Ermessen für einzelne Schiffe sperren. Die IRGC-Angriffe vom 19. Juli sind die operative Antwort: Wer nicht nach Teheraner Regeln fährt, riskiert ein Projektil.

Für die globalen Rohölmärkte hatten die Vorfälle sofortige Folgen. Brent-Rohöl stieg nach Bekanntwerden der Angriffe um mehr als zwei Prozent auf über 90 Dollar pro Barrel. Über die Straße von Hormuz werden täglich 17 bis 21 Millionen Barrel Öl transportiert, rund 20 Prozent der weltweiten Versorgung. Jede Einschränkung des Durchgangsverkehrs trifft die globalen Energiemärkte unmittelbar.

Vermittler schlagen Feuerpause vor

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am 20. Juli unter Berufung auf einen hochrangigen iranischen Regierungsvertreter, dass Vermittlerstaaten Teheran einen konkreten Vorschlag übermittelt hätten: zehn Tage Waffenstillstand, um das am 17. Juni von den Präsidenten beider Länder unterzeichnete Memorandum of Understanding in überarbeiteter Form wieder in Kraft zu setzen. Zu den aktiven Vermittlern zählen Qatar und Oman, die seit Kriegsbeginn Kommunikationskanäle zu Washington und Teheran offenhalten, sowie Pakistan.

Der iranische Außenministeriumssprecher Esmaeil Baghaei bestätigte auf einer Pressekonferenz, dass Vermittler "arbeiten und versuchen, eine weitere Eskalation zu verhindern." Iran sei bereit, die Konditionen eines erneuten Waffenstillstands zu besprechen. Baghaei ließ offen, ob Teheran den Zehntage-Vorschlag formell akzeptiert hat.

Auch US-Außenminister Marco Rubio sandte ein Signal. Washington bleibe trotz der geografisch ausgeweiteten Bombardierungen, die mit Tabriz erstmals eine nordwestiranische Stadt trafen, zu Verhandlungen bereit. Die Formel ist dieselbe wie nach jeder der vergangenen Eskalationsstufen: Die USA setzen Luftangriffe fort und erklären sich gleichzeitig gesprächsbereit.

Bis zu den Genfer Gesprächen Ende Juli

Für Ende Juli waren in Genf unter Schweizer Vermittlung indirekte Gespräche zwischen Washington und Teheran geplant. Ihr Zustandekommen war bereits nach dem Beschuss der Nuklearanlage Darkhovin am 19. Juli fraglich; nach den Tankerangriffen und der Ausweitung der Bombardierungen auf Tabriz steht die Zukunft der Gespräche noch offener. Ein Zehn-Tage-Waffenstillstand, wenn er zum frühestmöglichen Zeitpunkt begänne, würde genau in das Fenster dieser geplanten Gespräche fallen.

Die grundsätzlichen Streitpunkte sind seit Wochen dieselben. Washington besteht auf drei Punkten: freie Durchfahrt durch Hormuz ohne iranische Genehmigungspflicht, Ende der Waffenlieferungen an Huthi-Kräfte im Roten Meer und Verhandlungen über Irans Raketenprogramm sowie sein Netzwerk bewaffneter Stellvertreter. Der Golf-Kooperationsrat (GCC) ergänzt, dass dauerhafte regionale Sicherheit das gesamte Spektrum iranischer Bedrohungen adressieren müsse.

Auf iranischer Seite stehen die vollständige Aufhebung der im Juli neu verhängten Ölsanktionen und das Ende der Bombardierungen iranischen Staatsgebiets als Vorbedingung für belastbare Gespräche. Das Kernproblem bleibt dasselbe, das alle bisherigen Waffenstillstandsversuche scheitern ließ: Washington ist nicht bereit, die Angriffe zu unterbrechen, ohne dass Teheran zuerst sichtbare Zugeständnisse macht. Teheran besteht darauf, dass Gespräche unter laufenden Bombardierungen keinen Sinn ergeben. Der Zehn-Tage-Vorschlag der Vermittler ist der Versuch, genau diesen Kreis zu durchbrechen.

Quellen (12)

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