Israel bombardiert Libanon trotz Waffenruhe: Iran schließt Hormuz erneut
Update 13. April, 18:22 Uhr: Zum ersten Mal in der Geschichte haben Botschafter Israels und des Libanon direkt miteinander telefoniert: Yechiel Leiter, Israels Botschafter in Washington, führte über das Wochenende ein Gespräch mit seiner libanesischen Amtskollegin Nada Hamadeh Moawad. Für Dienstag, den 15. April, sind unter US-Vermittlung formale Friedensverhandlungen vereinbart. Israel stellte jedoch klar, dass ein Waffenstillstand mit der Hisbollah dabei ausdrücklich kein Verhandlungsthema sein werde. Die libanesische Regierung und die USA hatten eine Angriffspause als Vorbedingung gefordert, Israel lehnte ab. Gleichzeitig meldete die IDF, Bint Jbeil, die historische Hisbollah-Hochburg im Südlibanon, eingekreist zu haben und sprach von voller operativer Kontrolle innerhalb weniger Tage. Die Gesamtzahl der Todesopfer seit Kriegsbeginn am 2. März stieg auf 2.055.
Update 12. April, 04:27 Uhr: Seit Beginn der israelischen Angriffe auf den Libanon am 2. März hat das libanesische Gesundheitsministerium mehr als 2.020 Tote und 6.436 Verletzte gezählt. Papst Leo XIV. äußerte bei einer Gebetsigel im Petersdom am 11. April besondere Sorge: "Die Situation im Libanon gibt Anlass zu großer Besorgnis", sagte er und mahnte die internationale Staatengemeinschaft zu Verhandlungen für eine dauerhafte Lösung. Amnesty International rief dringend zum Schutz der Zivilbevölkerung auf. Die Hisbollah setzte ihre Raketenangriffe auf Nordisrael fort. In den laufenden Islamabad-Gesprächen gilt die Libanon-Frage weiterhin als einer der größten Streitpunkte.
Update 9. April, 18:17 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert Israels Angriffe im Libanon scharf und kündigt die Wiederaufnahme diplomatischer Kontakte mit Iran an. Deutschland wolle das Zeitfenster für eine Verhandlungslösung nutzen, sagte Merz. Für einen deutschen Militäreinsatz an der Straße von Hormuz nennt er klare Bedingungen: erst nach einem Friedensabkommen und mit einem belastbaren Mandat käme eine Beteiligung infrage. Irans Präsident Massud Peseschkian erklärte Verhandlungen nach den Libanon-Angriffen für sinnlos. Irans Unterhändler reisten dennoch nach Islamabad, wo die Gespräche am 10. April noch nicht offiziell abgesagt sind. Im HAGA-Lager wächst der Widerstand gegen die fortgesetzte Unterstützung Netanyahus: Die tagesschau berichtete, die Geduld der Amerikaner gegenüber Israels Vorgehen schwinde spürbar.
Kaum war die Waffenruhe zwischen den USA und Iran vereinbart, ließ Israel am selben Tag 50 Kampfjets auf den Libanon los: 254 Menschen wurden getötet, mehr als 1.100 verletzt. Iran schloss daraufhin die Straße von Hormuz erneut. Das fragile Abkommen, das den Weg zum ersten direkten US-Iran-Gespräch seit 1979 ebnen sollte, steht nach weniger als 24 Stunden vor dem Kollaps.
Der Angriff
Am Abend des 8. April, Stunden nach der Bekanntgabe der Waffenruhe, startete die israelische Luftwaffe ihre nach eigenen Angaben größte koordinierte Offensive im laufenden Libanonkrieg. Fünfzig Kampfjets zerstörten innerhalb von zehn Minuten mehr als hundert Ziele in Beirut, im Südlibanon und im Bekaa-Tal. Der libanesische Zivilschutz meldete 254 Tote und mehr als 1.100 Verletzte. Besonders schwer betroffen waren Wohnviertel im Zentrum Beiruts, die ohne Vorwarnung getroffen wurden, während die Stadtbewohner den Nachhauseweg von der Arbeit antraten.
Premierminister Benjamin Netanyahu erklärte umgehend, die Waffenruhe mit Iran gelte nicht für Libanon. Der Krieg gegen die Hisbollah werde fortgeführt. US-Präsident Donald Trump bestätigte diese Lesart: Libanon sei eine eigenständige Auseinandersetzung, ein sogenanntes separate skirmish, das von der Iran-Vereinbarung nicht erfasst werde.
Die Kontroverse um den Geltungsbereich
Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif, der die Waffenruhe zwischen Washington und Teheran vermittelt hatte, widersprach dieser Darstellung umgehend. Er habe in seiner Erklärung Libanon ausdrücklich als Teil der Feuerpause bezeichnet. Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf sprach von einer Verletzung des Verhandlungsrahmens, dem Trumps Regierung zugestimmt habe. Frankreichs Außenminister Jean-Soll Bar rot verurteilte die israelischen Angriffe als massiv und erklärte, die Waffenruhe müsse den Libanon einschließen. Libanons Premierminister Java Salem rief für den 9. April einen nationalen Trauertag aus.
Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten. Irans Revolutionsgarden stoppten den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz erneut, durch die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt. Das Weiße Haus bezeichnete die Schließung als vollständig inakzeptabel. An den Börsen reagierten die Märkte sofort: Der DAX rutschte ins Minus, SAP verlor rund vier Prozent. US-Vizepräsident JD Vance, der das Iran-Abkommen noch am Vorabend als fragile bezeichnet hatte, schwieg zum weiteren Vorgehen.
Warum Israel Libanon ausklammert
Israel unterscheidet rechtlich und militärisch zwischen zwei parallelen Konflikten. Der Krieg gegen Iran beruht auf dem iranischen Raketenangriff vom Februar 2026 und wird als Selbstverteidigungshandlung gegen eine staatliche Bedrohung geführt. Der Krieg gegen die Hisbollah im Libanon läuft seit 2024 und gilt als Auseinandersetzung mit einer nicht staatlichen Miliz, für deren Handlungen Israel Iran indirekt verantwortlich macht, aber rechtlich getrennt behandelt. Für Netanjahu war die Waffenruhe mit Iran eine Gelegenheit: solange keine US-Angriffe auf iranische Ziele laufen, kann Israel Hisbollah ohne amerikanische Rücksichtnahme unter Druck setzen.
Die fundamentale Schwäche des Waffenruhe-Abkommens liegt genau hier: Es gibt keine schriftlich fixierte Klärung darüber, welche Gebiete und Konfliktparteien vom Abkommen erfasst werden. Das ließ Israel und Iran beide Seiten das Dokument nach eigenem Interesse auslegen. Pakistan als Vermittler hatte Libanon in seiner öffentlichen Erklärung zwar erwähnt, aber keine verbindliche schriftliche Garantie erzielt.
Was jetzt entscheidet
Die für den 10. April in Islamabad geplanten direkten Gespräche zwischen US- und Iran-Delegationen stehen unter erheblichem Druck. Irans Parlamentspräsident Ghalibaf hat die Angriffe als Verstoß gegen den Verhandlungsrahmen bezeichnet, auf dem die Gespräche aufbauen. Ob Teheran am Freitag trotzdem an den Verhandlungstisch geht oder als Bedingung zunächst ein Ende der israelischen Angriffe auf Libanon verlangt, war am Abend des 9. April noch offen.
Die Hormon-Situation verschärft den Druck erheblich. Sollte die Meerenge mehr als wenige Tage geschlossen bleiben, kehren die Ölpreise zu ihren Höchstständen zurück und die wirtschaftliche Grundlage für eine Einigung schwindet. Die Waffenruhe läuft am 21. April aus. In zwölf Tagen muss entweder ein Rahmenabkommen stehen oder die USA stehen vor der Frage, ob sie die Angriffe auf Iran wiederaufnehmen.